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GESELLSCHAFT

UDE-Studie zu Clubhouse: Hype mit Potential

Clubhouse: die neue Hype-App [Foto: pixabay]

25.02.2021 11:52 - Sophie Schädel

Professor Tobias Kollmann von der Universität Duisburg-Essen (UDE) hat sich die App Clubhouse genauer angeschaut. In einer Kurzstudie  erforschte er für den Lehrstuhl E-Business und E-Entrepreneurship gemeinsam mit dem Marktforschungsunternehmen Civey, was hinter dem Hype steckt, und wie die App die politische Kommunikation verändern könnte.


In der App Clubhouse können die User:innen live Talks veranstalten und anderen zuhören. Da viele Stars und Influencer:innen auf Clubhouse vertreten sind und man ohne Apple-Gerät und einem Einladungscode an den Talks nicht teilnehmen kann, herrscht bei vielen die Angst, etwas zu verpassen. Durch diese Sorge, auch „fear of missing out” (Fomo) genannt, ist ein Hype entstanden. Kollmann zufolge ist dieser Hype ein Blasenphänomen, da die App nur die Hälfte der Nutzer:innen überzeugt.

Clubhouse hat innerhalb kürzester Zeit in Deutschland große Bekanntheit erlangt. Mit 46 Prozent hat fast die Hälfte aller Deutschen bereits von der Plattform gehört. Das ergibt die Kurzstudie, bei der  über 20.000 Menschen befragt wurden. Besonders unter den jungen Menschen unter 40 Jahren kennen schon über 60 Prozent zumindest den Namen der App. Aber auch bei den über 65-Jährigen gab das immerhin jede:r Dritte an. Interesse für den Trend haben laut Studie vor allem Gebildete aus Großstädten.

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Andere Soziale Medien sind aktuell noch weitaus beliebter als Clubhouse. [Foto: Sophie Schädel]
 

Allerdings gaben nur 3 Prozent der Befragten von Kollmanns Studie an, die App schon einmal genutzt zu haben; unter den 18- bis 39-Jährigen waren es gut 5 Prozent. „Clubhouse ist bislang noch ein gesellschaftliches Randphänomen“, betont Kollmann. Die Wenigen, die die App tatsächlich nutzen, bewerten sie überwiegend positiv. Mit 45 Prozent gab fast die Hälfte von ihnen an, gute Erfahrungen mit Clubhouse gemacht zu haben. Jede:r Fünfte bewertete die bisherigen Erfahrungen mit der Plattform negativ, ein Drittel ist unentschlossen.

Nahbare Politik via App

Der Hype um Clubhouse könnte sich auch in der Konkurrenz zu anderen Sozialen Medien als Blase entpuppen. Etwa die Hälfte aller befragten User:innen glaubt nicht, dass die Plattform gegen große Anbieter wie Twitter oder Facebook bestehen wird. „Das könnte insbesondere an der noch fehlenden Reichweite, dem Datenschutz und den noch unzureichenden Funktionalitäten liegen”, gibt Kollmann zu bedenken. Den mangelhaften Datenschutz kritisierte die Stiftung Warentest im Februar. Clubhouse verstoße mit seiner Datensammlung gegen europäisches Recht und die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO).

Inhaltlich traut die Studie der App allerdings einiges zu, denn Clubhouse könnte Politik nahbarer machen. Die User:innen interessieren sich thematisch mit 41 Prozent vor allem für Politik, dicht gefolgt von Gesellschaft mit 30 Prozent. Die Themen Wirtschaft (18 Prozent), Technologie und Innovation (14 Prozent) und Wissenschaft und Gesundheit (13 Prozent) werden auf der Plattform seltener angesprochen. Nur jede:r zehnte Nutzer:in interessiert sich für Business, Sport und Unterhaltung.

„Das Medium bietet im Superwahljahr ein großes Potenzial für politische Informationen und Debatten“, sagen die Macher:innen der Studie. 2021 stehen sechs Landtagswahlen und die Bundestagswahl an. „Politische Kommunikation wandelt sich immer stärker hin zu einer Dialogorientierung. Clubhouse bietet diesen niedrigschwelligen Ansatz und könnte daher eine größere Bedeutung erlangen”, sagt Janina Mütze, Geschäftsführerin vom an Kollmans Studie beteiligten Meinungsforschungsinstitut Civey.

 

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