Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Trautes Heim: Wie wohnen Studis?

In WGs sammelt sich die Deko oft über Generationen an.

[Foto: Gwendolyn Barthe]

04.10.2022 14:28 - Gwendolyn Barthe

Zum ersten Mal allein, in der achten WG oder noch bei den Eltern - drei Student:innen erzählen, warum sie wohnen, wie sie wohnen. Von offenen Türen, Auberginen-Käse-Auflauf und Photovoltaikanlagen.

Ganz nach meinem Geschmack

Lina* (24): An meine sechs Jahre WG-Leben in drei WGs mit insgesamt zehn Mitbewohner:innen habe ich überwiegend gute Erinnerungen, so habe ich meinen besten Freund und enge Freundinnen gewonnen. Dennoch war es für mich an der Zeit, alleine zu wohnen. Dafür gab es mehrere Gründe: Ich wollte eine Wohnung nur für mich haben und jederzeit entscheiden können, ob ich Zeit alleine oder mit anderen Menschen verbringen möchte. Außerdem fand ich die Vorstellung schön, eine Wohnung ganz nach meinem Geschmack einzurichten. Was den letzten Ausschlag gegeben hat, war meine WG im Auslandssemester, in der ich mich nicht wohl gefühlt habe. Jetzt wohne ich seit ein paar Monaten allein und genieße es sehr. In einer eigenen Wohnung macht es mir viel mehr Spaß, Dinge anzuschaffen, selbst zu bauen und schön zu machen. Ich dachte erst, dass ich mich zwischendurch einsam fühlen könnte, das war bisher nicht der Fall. Ich verabrede mich viel und lade auch gerne Freund:innen zu mir ein. In den beiden Wohnungen neben mir wohnen nette Frauen in meinem Alter, mittlerweile treffen wir uns rotierend in unseren Wohnungen und haben gleichzeitig jemanden, der unsere Pakete annimmt und Blumen gießt. Als ich in meiner ehemaligen WG für ein paar Tage zu Besuch war, habe ich gemerkt, dass ich in meiner Wohnung keine Rücksicht mehr nehmen muss, was die Lautstärke angeht und die Türen offen lassen kann. Für mich war es genau die richtige Entscheidung!

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Wie Familienleben ohne Nachteile

Hanna (26): Für mich war immer klar, dass ich mit anderen zusammenwohnen will. Von zu Hause bin ich es gewohnt, viele Leute um mich zu haben. Ich finde es schön, dass man in einer WG sein Leben miteinander teilt, manchmal mehr, manchmal weniger. Ich mag es gerne, nach Hause zu kommen und jemand hat vielleicht schon gekocht oder Freunde eingeladen, bei denen man sich dazusetzen kann. Das gibt mir das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Beim Einschlafen höre ich gerne noch die Geräusche der anderen, weil ich dann weiß, dass ich nicht alleine bin. Für mich ist das wie Familienleben ohne Nachteile. Über meine WGs habe ich viele Leute kennengelernt, die ich sonst nie kennengelernt hätte. Ein früherer Mitbewohner hat beispielsweise polyamor gelebt und es war interessant, mehrmals die Woche mit seinen wechselnden Dates zu frühstücken. Einige Freund:innen meiner Mitbewohnis sind auch meine Freund:innen geworden. Für ein halbes Jahr habe ich mal in einem Zimmer mit meinem Freund in seiner WG gewohnt, das war auch schön, aber ich kann mir nicht vorstellen, zu zweit mit ihm zusammenzuwohnen. Zwei Leute sind mir eine zu kleine Einheit.

Nach vielen WG-Konstellationen habe ich gelernt, dass mir ein Putzplan wichtig ist und dass alle Leute etwas beitragen sollten, nicht nur der Sauberkeit willen, sondern auch aus gegenseitigem Respekt. Was ich an mir beobachtet habe, ist, dass ich mir über die Zeit verschiedene Dinge von meinen Mitbewohner:innen angeeignet habe, wie ein kleines Mosaik. Von einem Mitbewohner habe ich einen Auberginen-Käse-Auflauf übernommen, von einer Mitbewohnerin habe ich mir angewöhnt, den Müll rauszubringen, wenn jemand aus dem Urlaub wiederkommt, um der Person das Wiederkommen schön zu machen. Eine andere Mitbewohnerin hat immer den Stecker vom Wasserkocher rausgezogen, weil das wohl die häufigste Ursache für Haushaltsbrände ist – jetzt mache ich das auch.

Praxiserfahrung von zu Haus

Jonas (22): Ich studiere Environment & Energy und wohne im Haus meiner Eltern. Das ist nicht nur finanziell vorteilhaft, beispielsweise in Bezug auf steigende Heizkosten, sondern weil ich mein Leben nicht neu aufstellen muss und meine gewohnte Struktur beibehalten kann. So war mein Zimmer schon einige Zeit vor meinem Studium mit großen Schränken, Regalen und Pinnwand eingerichtet, sodass ich bis auf Schreibtisch, Bilder und Pflanzen kaum etwas geändert habe. Da bin ich pragmatisch.

Das stärkste Argument bei meinen Eltern zu wohnen, ist der Photovoltaik-Strom vom Dach und die Wärmepumpen-Heizung. Die sind mir wichtig, weil nachhaltige Energieerzeugung ein Schwerpunkt in meinem Studium ist und ich davon überzeugt bin. Praxiserfahrung kann ich zu Hause auch im Aufbau von Photovoltaik und Batteriesystemen sowie von Hausautomation (Anm. d. Red.: Vernetzung und zentrale Steuerung von Haustechnik wie Beleuchtung und Heizung) und HomeLab (Anm. d. Red.: IT-Infrastruktur zum Experimentieren) sammeln. Das würde in anderen Wohnverhältnissen finanziell und strukturell nicht in dem Umfang möglich sein. Schon eine Mini-Solaranlage auf dem Balkon ist in einer Mietwohnung oft eine große Hürde. Außerdem stehen mir die Garage und Werkzeug für mein Fahrrad und zum Handwerken zur Verfügung. Die vorhandenen Ressourcen mit meinen Eltern zu teilen, ist nachhaltig und ein weiterer Vorteil.

Nervig hingegen sind Konflikte mit meinen Eltern. Die kommenvor, wenn man sich den Raum, Ressourcen und Aufgaben teilt. Zum Beispiel achte ich mehr auf Energieeffizienz als sie und benutze kleine LED-Lampen statt Halogenlampen. Um dem aus dem Weg zu gehen, treffe ich Leute und engagiere mich im Verein und politisch. So lernte ich bei netten Menschen auch die Vorteile einer WG kennen und kann mir die Wohnform nach dem abgeschlossenen Bachelor gut vorstellen. Für mich überwiegen momentan die Vorteile bei meinen Eltern zu wohnen und ich kann mich glücklich schätzen, dass ich diese Privilegien genießen kann.

*Name von der Redaktion geändert

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