Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

TKKG: Profis in spe?

Ist das etwas, das Kinder hören sollten? [Foto: Lena Janßen]

04.11.2019 16:34 - Lena Janßen

Seit 40 Jahren gehören die Hörspiele rund um TKKG zu den beliebtesten Jugendreihen. Was die unschuldigen Ohren im Kinderzimmer noch nicht wahrnehmen: Die Hörspielreihe vermittelt eine fragwürdige Moral. Wir haben uns das Ermittler*innen-Quartett genauer angeschaut.

Seit 1979 löst das Ermittler*innen-Quartett TKKG, bestehend aus Tim, Karl, Klößchen und Gabi, Kriminalfälle. Der Erfinder ist Ralf Kalmuczak, bekannt unter dem Pseudonym Stefan Wolf. In kaum einem Jugendzimmer wurde den Fällen nicht gelauscht, TKKG gehört zu den beliebtesten Hörspielreihen. Doch heute fällt auf: TKKG vermittelt sexistische, erzkonservative und gar rechte Werte.

„Wie viele Möglichkeiten hat man denn, ein Mädchen zu schildern?"

Gaby, die Frau im Quartett, muss sich aus Situationen zurückziehen, sobald Tim sie als gefährlich einschätzt. Sie sieht zudem gut aus, ist stets mit helfender Hand zur Stelle und hat ein Herz für Tiere. Sie erfüllt jedwedes gesellschaftskonforme Rollenbild. Auch andere weibliche Charaktere kommen in den Fällen rund um TKKG nicht gut weg. Dies kennzeichnet sich durch Victim Shaming (Mädchenraub im Ferienhaus) oder rollenkonformes Verhalten gegenüber Männern in „Machtpositionen“ (Mit heißer Nadel Jagd auf Kids). Angesprochen auf diese Rollenzeichnung von Frauen sagte Kalmuczak in einem Interview mit Planet Interview: „Wie viele Möglichkeiten hat man denn, ein Mädchen zu schildern?" Aber auch Tim, Karl und Klößchen werden in Rollenbilder gezwängt.

Verdächtigung ohne Indiz

Tim soll den Sportler darstellen, der unverwundbar ist und dem nichts etwas anhaben kann. Karl ist der Nerd, der Ahnung von Technik und vor allem von Computern hat. Und Klößchen ist der Pummel, der Ermittlungen behindert, weil er nicht schnell genug laufen kann oder erst noch eine Tafel Schokolade essen muss. Dass er pummelig ist, lässt Tim ihn immer wieder wieder spüren.

Zur Lösung ihrer Fälle dient TKKG vor allem eines: Racial Profling. Im Zweifel war es immer der Ausländer, der ohne jegliches Indiz verdächtigt wird. Dabei scheut sich Tim auch nicht vor Ausrufen wie: „Das haut den stärksten Neger aus der Weltraumkapsel“ (Wer raubte das Millionenpferd). Karl, Klößchen und Gaby lachen über solche Aussagen. Zusätzlich werden Wohnungslose, Punker*innen und Kiffer*innen diskriminiert und kriminalisiert. Wohnungslose werden als „Penner“ und „Hänger“ bezeichnet und in der Folge Sklaven für Wutawia kommt es zu Gewaltanwendung seitens Tim gegenüber mehreren Obdachlosen, da für ihn auf der Straße das „Gesetz des Stärkeren“ zählt. 

Generell geht Tim keiner Schlägerei aus dem Weg, übt durch Gewalt Selbstjustiz aus. Gaby bewundert dieses Verhalten mit Worten wie: „Die sind sicher ein paar Stunden bewusstlos.“ Punker*innen sind für Tim, Karl, Klößchen und Gaby „dumm“ und „Saukerle“. Kiffer*innen werden in der Folge Rauschgift-Razzia im Internat mit Moralpredigten von Tim belehrt.

Auf mehrfache Nachfrage beim Hörspielverlag nach einem Statement zu den zweifelhaften Inhalten der Hörspielreihe bekamen wir keine Antwort.

Kein Schlussstrich beim NSU-Komplex

Milde Urteile, lückenhafte Ermittlungen und Rassismus: Ekincan Genç von DIDF hat uns erklärt, warum der NSU nicht zu den Akten gelegt werden darf.
 

Studiwerke trennen sich von True Fruits

Wegen rassistischer und sexistischer Werbekampagnen habe man das Produkt aus dem Regal genommen, so das Studierendenwerk.
 

Bibi, hex’ mich zurück ins Kinderzimmer!

Die Hörspiel-Serie Bibi Blocksberg feiert ihren 38. Geburtstag.
 
Konversation wird geladen