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GESELLSCHAFT

TikTok: Kein Ort für Diversität

TikTok ist eine beliebte Anlaufstelle für kurze Videoclips.

[Symbolfoto: pixabay]

03.02.2020 17:30 - Erik Körner

TikTok ist eine der beliebtesten Apps der Welt. Weltweit erstellen über 500 Millionen Nutzer*innen tägliche kurze Videos und laden sie auf der Plattform hoch. Menschen mit Behinderungen und LGBT-Personen haben es jedoch schwer, sich Zuschauer*innen zu verschaffen.

Laut eines Artikels von Netzpolitik.org hat TikTok eine Liste mit 24 Nutzer*innen geführt. „Eine beachtliche Zahl [dieser] Nutzer*innen hatten Regenbogenflaggen in ihren Bios oder sich selbst als lesbisch, schwul oder non-binär beschrieben“, heißt es darin. Ferner waren Menschen mit Behinderungen betroffen, deren Bios Hashtags wie #disability oder Wörter wie „Autist“ enthielten. Videos dieser Nutzer*innen wurden nach 6.000 bis 10.000 Aufrufen als „Auto-R“ gekennzeichnet. Das bedeutet, dass sie nicht mehr im so genannten „For You Feed“, der Startseite der App, erscheinen. Für die meisten Nutzer*innen sind die Clips der Betroffenen somit quasi unsichtbar – insofern sie keine Follower*innen sind.

Gut gemeint, schlecht geplant

Ein Sprecher TikToks versicherte Netzpolitik, das Unternehmen hätte dadurch lediglich das Mobbing von LGBT-Personen oder Menschen mit Behinderung verhindern wollen: „Während unsere Intention gut gemeint war, war der Ansatz falsch. Seitdem haben wir unsere Regeln verfeinert, um effektiver gegen Mobbing vorgehen- und unsere Nutzer*innen beschützen zu können.“

Diese Richtlinien sollten in erster Linie Hasskommentare bezüglich der sexuellen Orientierung, der Behinderung oder des Gewichts einiger Nutzer*innen verhindern. Inwiefern dem Management TikToks die Zensur der Opfer des Mobbings als der richtige Weg schien, anstatt die Mobber*innen aufzuhalten, ist fragwürdig. Die veralteten Regeln waren noch bis mindestens September 2019 gültig.

Hongkong brennt

Dr. David O’Brien vom Institut für Ostasienwissenschaften im Interview über die politische Situation in China und Hongkong.
 

Trotz der Änderung wurden Anfang 2020 erneut LGBT-Inhalte versteckt. Ein schwules Paar hatte an Silvester ein Video hochgeladen, in dem sie sich küssen. Kurz nach dem Upload bekam Mark Pasetsky, einer der beiden Männer, eine Mitteilung, die ihn informierte, dass sein Video gelöscht wurde. Der Grund: Ein Verstoß gegen die Communityrichtlinien – obwohl die veränderten Richtlinien diese Zensur hätten verhindern sollen. 

Erst, nachdem er damit drohte, die Presse über diesen Zwischenfall zu informieren, beantwortete das Moderator*innenteam seine Anfrage. Innerhalb von zwei Stunden stellten sie das Video wieder her. Weiterhin informierten sie ihn, dass das Video aus Versehen, aufgrund eines menschlichen Fehlers gelöscht worden sei. Der gesamte Vorfall wurde auf dem Portal Pinknews dokumentiert.

Einfluss von oben?

Wie ein Bericht des Australian Strategic Policy Institute (ASPI) ergeben hat, kooperierte ByteDance, die Muttergesellschaft hinter TikTok, mit der chinesischen Regierung. Das Unternehmen soll an staatlich finanzierter Propaganda in der Xinjiang-Region beteiligt gewesen sein und regierungskritische Inhalte auf ihren Plattformen entfernt haben.

Dass die Zensur von LGBT-Inhalten ebenfalls auf Wunsch der chinesischen Regierung geschah, ist jedoch unwahrscheinlich – zumindest denkt das Dr. David O’Brien, der am Institut für Ostasienwissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum arbeitet. „Zwar existieren Vorurteile und Diskriminierung zweifelsohne. Dennoch ist die chinesische Regierung sehr viel toleranter gegenüber LGBT-Personen geworden“, so der Wissenschaftler. Beispielsweise wurde 2017 ein Gesetz verabschiedet, das LGBT-Personen erlaubt, in medizinischen Angelegenheiten, wie Pflegesituationen oder Beerdigungen, ihren Vormund selbst zu bestimmen.

Das heißt jedoch nicht, dass China so fortschlich wie der Westen in dieser Angelegenheit ist: „Die kommunistische Partei war bezüglich Fragen der Sexualität schon immer konservativ, fast schon puritanisch. Seit den 1990er Jahren machen sie jedoch Fortschritte.“ Nun bleibt zu hoffen, dass künftig keine weiteren Inhalte vor den meisten Zuschauer*innen versteckt werden – sei es durch Richtlinien oder Alleingänge von Moderator*innen.

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