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Telefonphobie: Die Angst vor dem Griff zum Hörer

Telefonphobie ist unter Jugendlichen ein verbreitetes Phänomen. [Foto: Lena Janßen]
27.06.2021 15:15 - Lena Janßen

Am Telefon eine Pizza bestellen oder bei dem:der Ärzt:in einen Termin vereinbaren: Für viele Menschen ist das der blanke Horror. Woher die Angst vor dem Telefonieren kommt, wer davon betroffen ist und was man dagegen tun kann.

In der heutigen Zeit gibt es allerlei Möglichkeiten, einem Telefonat aus dem Weg zu gehen. Termine und Reservierungen lassen sich leicht und mit wenigen Klicks online vereinbaren. Verabredungen mit Freund:innen werden über WhatsApp getroffen, auch wenn ein kurzer Anruf unkomplizierter wäre. Früher ging das nicht so einfach. Wollte man sich verabreden oder etwas nachfragen, musste man zwangsweise zum Hörer greifen, wenn man keinen Brief schicken oder persönlich vorbeischauen wollte. Dadurch blieb man in der Übung. Im Laufe der Zeit haben sich die Kommunikationsformen allerdings verändert und dadurch vereinfacht. 

Gerade bei jüngeren Menschen scheint die Telefonphobie ein weiter verbreitetes Phänomen zu sein. Laut der Studie Jugend, Information, Medien von 2018 nutzt nur jede:r Fünfte das Mobiltelefon zum Telefonieren. 95 Prozent der 12 bis 19-Jährigen kommunizieren allein über Kommunikationsplattformen wie WhatsApp und erhalten durchschnittlich 36 Nachrichten am Tag. Nadine Wolf ist eine, auf Phobien spezialisierte, Oberärztin der psychiatrischen Klinik am Uni-Klinikum Heidelberg und erklärt gegenüber dem SPIEGEL, dass die Telefonphobie zu einer neuen Form der Sozialphobie werden könnte. 

Den Teufelskreis durchbrechen

Wolf nennt einige Gründe, warum eine Angst vor dem Telefonieren entstehen kann: „Angst, abgelehnt zu werden, Angst davor, sich am Telefon peinlich oder erniedrigend zu verhalten, oder einfach auch davor, dass man am Telefon ganz im Zentrum der Aufmerksamkeit steht und mit unbekannten Personen spricht.“ Außerdem gehe den jüngeren Menschen durch vermehrte Online-Kommunikation die Übung im Telefonieren verloren, man mache sich weniger sichtbar und dadurch weniger angreifbar.  

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Ein weiterer Tipp: Essensbestellungen oder Terminvereinbarungen wieder öfter am Telefon erledigen, statt online. Um die Angst vor dem Telefonieren ablegen zu können ist es wichtig, den Teufelskreis zu durchbrechen und Telefonieren bewusst zu trainieren. So kann man sich vor einem geplanten Anruf Notizen und Gedanken über einen einleitenden Satz machen und diesen gegebenenfalls aufschreiben. Vor Beginn und während des Gesprächs zu lächeln soll ebenfalls helfen, um die Angst in Schach zu halten.

Wenn die Angst vor Telefonaten überhand nimmt und den Alltag einschränkt, dann ist es ratsam, sich therapeutische oder ärztliche Hilfe zu suchen. Unter therapeutischer Anleitung ist dann möglich das Telefonieren neu zu lernen. Außerdem bieten einige Krankenkassen eine Art Telefonservice an, wenn der eigene Griff zum Hörer dennoch zu viel Überwindung kostet. Dort könnt ihr online angeben, welche Telefonate erledigt werden müssen und die Mitarbeitenden erledigen die Gespräche für euch! 
 

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