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GESELLSCHAFT

Studie untersucht: Wie hilfreich sind Triggerwarnungen?

 Triggerwarnungen sollen vor Retraumatisierung schützen. [Foto: Lena Janßen]
05.10.2022 12:23 - Lena Janßen

In den Sozialen Medien stößt man in Videos oder Textbeiträgen immer häufiger auf die Abkürzung „TW”. Das Kürzel steht für „Triggerwarnung” und soll Nutzer:innen vor sensiblen Inhalten schützen. Eine Studie der Harvard Universität hat untersucht, wie sinnvoll diese Warnung wirklich ist. 

Unter einem Trigger versteht man in der Psychologie das Auslösen von negativen Gefühlen oder negativen physischen und psychischen Empfindungen. Ein Trigger kann ein visueller Reiz, ein Geruch, eine bestimmte Umgebung oder ein Mensch sein. Betroffene von psychischen Erkrankungen oder Trauma-Überlebende versuchen bewusst Situationen zu vermeiden, in denen sie getriggert werden könnten. 

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Vor allem in den Sozialen Medien werden Triggerwarnungen vermehrt platziert. Das ursprüngliche Ziel hinter dem Kürzel „TW” ist unter anderem, Trauma-Überlebende vor retraumatisierenden Inhalten zu warnen und zu schützen. Inzwischen werden Triggerwarnungen auch vor Inhalte gesetzt, die unter Umständen sensible Inhalte zeigen, nicht aber retraumatisierend sein müssen. 

Eine Studie von Payton J. Jones, Benjamin W. Bellet und Richard J. McNally von der Harvard Universität hat untersucht, wie hilfreich Triggerwarnungen sind. In ihrem Versuch wurden 451 Trauma-Überlebende einer von zwei Gruppen per Zufallsprinzip zugeordnet. Den Proband:innen der ersten Gruppe legte man verschiedene Textpassagen vor, die keine Triggerwarnungen enthielten. Die zweite Gruppe las Passagen verschiedener Texte inklusive vorheriger Triggerwarnungen. 

Triggerwarnungen kann Traumata verstärken

Das Ergebnis der Studie zeigt: Es kann nicht eindeutig nachgewiesen werden, ob Triggerwarnungen hilfreich sind. Die Proband:innen beider Gruppen zeigten keine Unterschiede in ihrer emotionalen Reaktion nach dem Lesen der Texte. Selbst dann, wenn der Inhalt der gelesenen Textpassagen mit den eigenen Traumaerfahrung übereinstimmte. 

Die Autoren stellten fest, dass eine Triggerwarnung dazu führen kann, die Traumazentralität von Betroffenen zu verstärken. Die Triggerwarnungen lösten bei den Proband:innen Gefühle und Gedanken wie „Ich bin schwach” oder „Ich bin hilflos” aus. Die traumatischen Erfahrungen rücken dadurch stark in den Vordergrund. Bei der Bewältigung von Traumata können Triggerwarnungen sogar hinderlich sein. 

Eine weitere Studie aus dem Jahr 2021 bestätigt die Annahmen von Jones, Bellet und McNally. Forscherinnen der australischen Flinders Universität fanden ebenfalls heraus, dass Triggerwarnungen Traumata verschlimmern können. 209 Teilnehmende nahmen innerhalb von zwei Wochen an zwei Sitzungen teil, in denen sie sich an ihr traumatisches Erlebnis erinnern sollten. Danach wurden sie gefragt, wie sich das Trauma emotional auf sie ausgewirkt hat. In der zweiten Sitzung wurde dieser Vorgang wiederholt. 

Die Teilnehmenden, die vor der ersten Sitzung eine Warnung erhielten, berichteten in der zweiten Sitzung von einem geringeren Rückgang der emotionalen Auswirkung des negativen Ereignisses zwischen den beiden Tests. Sie entwickelten unter anderem Schlafprobleme. 

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