Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Stoffels stumme Steinkohlezechen

Interessierte Ausstellungsbesucher*innen am vergangenen Sonntag, 21. Januar, im Ruhrmuseum (Fotos: lenz).

25.01.2018 20:50 - Lorenza Kaib



2018 schließen mit den Bergwerken Prosper-Haniel in Bottrop und der Zeche Ibbenbüren die letzte Steinkohlezechen in der Bundesrepublik. Was für Umweltbewusste und Klimaschützer*innen ein Grund zur Freude ist, nehmen die Kulturbetriebe des Ruhrgebietes zum Anlass für einen Blick zurück auf die industrielle Vergangenheit. Am Sonntag, 21. Januar, wurde im Zuge der Reihe „Glückauf Zukunft!“ die Ausstellung „Josef Stoffels. Steinkohlenzechen-Fotografien aus dem Ruhrgebiet“ eröffnet. Zu sehen sind über 400 teilweise unveröffentlichte Fotografien von einem kommerziellen Fotograf, der als Amateur anfing und erst gegen Ende seiner Karriere seine Meisterprüfung ablegte.




„Ich bin sehr begeistert vom Ambiente“, begrüßt Stefanie Grebe, Kuratorin der Aus- stellung und Leiterin des Fotoarchivs des Ruhr Museums, die zahlreich erschienenen Gäste. Nach einführenden Reden von ihr, dem Direktor des Ruhr Museums und einem Mitglied des RAG-Stiftungsvorstands, begleitet von musikalischen und lyrischen Beiträgen auf dem Saxophon, strömen nach den VIPs auch die gemeinen Besucher*innen in die Ausstellung.

Es geht hinab, die Fahrstuhltür öffnet sich. Angekommen auf der 12-Meter-Ebene des Ruhr Museums beginnt die Zeitreise. Fotografien zeigen Ruhrgebietsansichten von den 1930 er bis Ende der 1960er-Jahre, als sich der Steinkohlenabbau kurz nach seinem Hö- hepunkt in seiner beginnenden Krise befand. Im Fokus stehen jedoch die Aufnahmen aus den 1950ern. Hell angestrahlt scheinen einem die Fotografien entgegen, die Räumlichkeiten sind in schummriges Licht gehüllt. Die auf ihnen abgebildeten Motive und die frühere Kohlenwäsche, welche die Ausstellung beherbergt, harmonieren. „Die Räumlichkeiten sind cool: sehr ästhetisch durch die alten, dunklen und angestrahlten Säulen“, findet auch Besucherin Helena. Viele Menschen schauen sich um, die Ausstellungsräume sind sehr gut gefüllt, teilweise muss man warten, bis man sich eine Fotografie anschauen kann. „Ich glaube, ich komme nochmal wieder“, meint Ausstellungsbesucherin Nane. So könne sie sich die Bilder besser anschauen.




Von Amalia über Elisabethenglück bis Zollverein

Halden, Abbaugebiete, industriell geformte Landschaften, Förderanlagen, Maschinen, Portraits und alltägliche Schnappschüsse vom Leben in und neben einer Zeche – die Ausstellung zeigt eine interessante, einfühlsame Mischung an verschiedenen Thematiken. Neben bereits sehr bekannten Motiven von großen Fördertürmen, sind auch kleinere Förderanlagen, die viel weniger industriell wirken, zu sehen. Stoffels Antrieb war die Idee einer „Enzyklopädie der Steinkohlezechen” – in Farbe. Aufgrund der zu hohen Kosten für Farbdrucke setzte er sein Vorhaben schließlich in schwarz-weiß um und 1959 wurde der Bildband Die Steinkohlenzechen inklusive 196 Fotografien veröffentlicht.

Kleine Kammern, die links und rechts von der großen Haupthalle abgehen, beherbergen thematische
Abteilungen wie etwa „Berglehrlinge“ und „Betriebliche Sozialfürsorge im Steinkohlebergbau“. Dabei erfahren Besucher*innen viel über die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen. Nane begeistern vor allem die inhaltlichen Kontraste: „Am coolsten fand ich die Bilder, wo sich das ‚Zechen-Leben‘ und das andere Alltagsleben mischen – zum Beispiel bei den Bauern vor der Abräumhalde in Aachen.“



Die meisten der Fotografien sind sehr klassisch präsentiert: im Passepartout (frz. Begriff für Kartonumrahmung), von einer silbernen Rahmung eingefasst. Doch ziehen vor allem ein paar stark vergrößerte, ungerahmte Fotografien das Interesse auf sich. Sie unterbrechen den Bilderfluss, nehmen manchmal ganz prominent eine eigene Wand in Anspruch. Durch die Größe sind viele Details schon von Weitem sichtbar, die abgebildeten Personen erscheinen fast lebensgroß und ohne die Begrenzung von Glas oder Rahmen wirken sie sehr nahbar. „Ich weiß nicht, was ich von den groß aufgeblasenen Bildern halten soll – die sind so dekorativ“, rätselt hingegen Ausstellungsbesucher Lukas. Er freue sich jedoch darüber, dass er durch die Ausstellung andere Zechen als die ihm bereits bekannten kennenlerne und will dieses Wissen in Bezug zu seinem Alltag setzen: „Man fragt sich: Wie weit wohne ich von der nächsten Zeche entfernt?“.




Förderung von Ruhrgebietsromantik?

Martin stört zum einen die für ihn zu enge Hängung der Bilder, zum anderen fehlende Informationen zu den gezeigten Fotografien. Es ist zum Beispiel nicht ersichtlich, ob die Fotografien damals vom Negativ abgezogen wurden – also „Vintage“ sind – oder ob es sich um moderne Vergrößerungen handelt. „Die Provenienz wird nicht geklärt“, fasst Martin zusammen.




Die Frage, was nach der industriellen Zeit kommt, schwingt bei der Betrachtung von Bildern aus der Epoche immer mit. „Ich fände es schön, wenn das Ruhrgebiet für sich eine andere, zukunftsgewandtere Perspektive außerhalb des Bergbaus finden könnte“, kritisiert Nane das Festhalten an der – oft idealisierten – Vergangenheit seitens Ruhrgebietsbewohner*innen, aber auch hier ansässiger Institutionen. Die Ausstellung „Josef Stoffels. Steinkohlenzechen-Fotografien aus dem Ruhrgebiet“ fördert ohne Frage viele neue Bilder und Informationen zutage. Doch haftet ihr nichtsdestotrotz ein Hauch nostal- gischer Vergangenheitsbeweihräucherung an.

 




Öffnungszeiten und Eintrittspreise

gezeigt.












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