Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Solawi: Solidarität auf dem Acker

Landwirtschaft mit Verantwortung für die Natur [Symbolbild: pixabay]
13.04.2021 11:49 - Özgün Ozan Karabulut

Solidarische Landwirtschaft (Solawi) beruht auf einem simplen Konzept: Ernte und Kosten werden zwischen Verbraucher:innen und Erzeuger:innen geteilt. Wir haben Stefanie Schulze Schleithoff vom Netzwerk Solidarische Landwirtschaft gefragt, wie sich Solawi von konventioneller Landwirtschaft abgrenzt und inwiefern beide von dem Konzept profitieren können.

Nachhaltigkeit und ein bewusstes Konsumverhalten sind längst in breiten Teilen der Gesellschaft angekommen. In Supermärkten wird verstärkt auf regionale Produkte hingewiesen, für Verbraucher:innen sind Herkunft und Produktionsumstände ihrer Lebensmittel Kriterien bei der Kaufentscheidung. Solidarische Landwirtschaft will regionale und saisonale Lebensmittel anbieten und in der Produktion transparent sein.

Die Lebensmittel gelangen nicht erst über lange Lieferwege zu den Verbraucher:innen, sondern direkt vom landwirtschaftlichen Betrieb zum:zur Endverbraucher:in. Somit wird der Preisdruck umgangen, dem viele landwirtschaftliche Betriebe aufgrund ihrer schwächeren Verhandlungsposition mit den Abnehmer:innen ausgesetzt sind. Gemeinschaftsgetragene Landwirtschaft fördert demnach das Bestehen von örtlichen Landwirt:innen, die aufgrund des solidarischen Verfahrens Planungssicherheit und eine garantierte Abnahme ihrer Produkte seitens der Mitglieder haben. 

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Stefanie Schulze Schleithoff ist zuständig für Öffentlichkeitsarbeit beim 2011 gegründeten Netzwerk Solidarische Landwirtschaft, das als Interessensvertretung und Dachverband der Solawi-Bewegung in Deutschland fungiert. In dem Netzwerk sind bundesweit 344 Solawis vertreten. Im Ruhrgebiet gibt es Solawis in Gelsenkirchen, Herten und Dortmund. Schulze Schleithoff hat selbst eine Landwirtschaftsgemeinschaft im Ruhrgebiet aufgebaut und fünf Jahre begleitet. Nach ihrem Empfinden interessierten sich quer durch alle Gesellschaftsschichten hinweg Menschen für das Projekt, wobei der Aspekt der Nachhaltigkeit bei einem gewissen sozialen Klientel wie Akademiker:innen offenbar eine wichtigere Rolle spiele.

Lebensmittel ohne Preis

Für sie ist das Konzept der Solawi simpel: „Eine Gruppe von Verbrauchern schließt sich mit einem produzierenden Betrieb zusammen und finanziert die Produktion der Lebensmittel auf dem Betrieb. Das Grundprinzip ist immer das gleiche: Wir teilen uns die Ernte, die Kosten und das Risiko.“ Grundsätzlich kann jeder landwirtschaftlicher Betrieb oder jede Gärtnerei nach den Vorstellungen des Konzepts wirtschaften, wobei einige Grundsätze zu beachten sind: „Es gibt Prinzipien darüber, dass gentechnikfrei und nachhaltig mit Blick auf Boden, Tiere und Natur gewirtschaftet wird. Es ist keine Voraussetzung, dass eine Solawi Bio sein muss“, erläutert Schulze Schleithoff. 

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Supermärkte bieten eine große Auswahl. Transparenz ist eher die Ausnahme. [Symbolbild: pixabay]
 

Im Vorfeld eines Wirtschaftsjahres informiert der Betrieb die Mitglieder der Versorgungsgemeinschaft über die Kosten, die bei der Produktion anfallen werden. Die Solawi führt daraufhin eine Finanzierungsrunde durch. Hierbei teilt jedes Mitglied mit, welchen Beitrag es entrichten möchte. Wichtig ist, dass der Gesamtbetrag die Betriebskosten abdeckt. Der solidarische Charakter wird hier deutlich: Wer mehr zum Gesamtbeitrag leisten kann, gleicht die Beiträge von Mitgliedern aus, die weniger entrichten können.
Mitglieder in einer Solawi haben auch die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen und beispielsweise bei dem Anbau und der Ernte mitzuhelfen, was sich aber von Betrieb zu Betrieb unterscheidet. Die Ernte wird nicht an die Mitglieder der Landwirtschaftsgemeinschaft verkauft, sondern letztere finanzieren den Betrieb und erhalten dafür Ernteanteile, wobei ein größerer Anteil auch mehr kostet als ein kleinerer Ernteanteil.

Anders als in der Produktion für den Markt mit Wachstumsstreben und Gewinnmaximierung stellt Solawi Kooperation statt Konkurrenz und Preiskampf in den Vordergrund. Dass die Erzeuger:innen in direktem Kontakt und Austausch mit den Endkonsument:innen stehen, ist laut Schulze Schleithoff für die Betriebe von besonderer Bedeutung. „Da gibt es eine unglaubliche Wertschätzung und das gibt dem Produzenten viel zurück“, stellt die Pressesprecherin fest.
 

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