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GESELLSCHAFT

Beziehungsweise

Sind wir jetzt zusammen? Warum man eine Beziehung nicht zwangsläufig als solche bezeichnen muss

16.09.2019 12:26 - Julia Segantini

Wenn man sich einige Wochen oder Monate gedatet hat, ist man zusammen, oder? Schließlich führt man im Grunde schon eine Beziehung. Aber was, wenn eine Person dem Ganzen kein Label aufdrücken möchte, es also nicht Beziehung nennen will? Warum das okay ist und was beide Parteien dann beachten müssen.

Normalerweise läuft es so: Man trifft sich, lernt sich immer besser kennen und dann kommen irgendwann Gefühle ins Spiel. Der logische nächste Schritt für viele: sich offiziell zur Beziehung zu bekennen. Hinterfragt wird das selten, denn die meisten wachsen damit auf, dass man das eben so macht. Für viele ist es schwierig, eine feste Beziehung offiziell als solche zu bezeichnen. Die Gründe können vielfältig sein; schlechte Erfahrungen mit dem*der Ex, Bindungsängste, schlechtes Timing, persönliche Probleme, die Angst, Freiheiten einzubüßen.

Kompliziert wird es, wenn eine*r die Beziehung labeln möchte und der*die andere nicht. Beide sollten sich dann fragen, woher das Bedürfnis nach (k)einem Label kommt. Klar, es verspricht Sicherheit und vermittelt einem*r das Gefühl, dass die Sache von Dauer ist. Beides lässt sich allerdings auch ohne ein Label erreichen. Unerlässlich dafür: Kommunikation.

Beide müssen absolut offen sein, was ihre Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse angeht. Wem es schwerfällt, das zu formulieren, sollte üben, über den eigenen Schatten zu springen. Alle Sorgen, Ängste und Bedürfnisse sind legitim und ernst zu nehmen. Dieses Gefühl muss der*die Partner*in euch vermitteln. Wenn das nicht der Fall ist: bye. Ihr wünscht euch Monogamie, auch wenn ihr nicht offiziell zusammen seid? Ihr wollt wissen, dass der*die andere mehr als nur Verknalltheit empfindet? Das ist total okay und das darf man auch einfordern. Stellt eure Bedürfnisse nicht hinter die des*der anderen.

Bleibt für alles offen

Kompromisse schließen gehört zu jeder zwischenmenschlichen Beziehung dazu. Zu glauben, man könnte jemanden finden, bei dem*der alles zu 100 Prozent passt und niemand Zugeständnisse machen muss, ist eine Illusion. Aber es ist wichtig, klare Grenzen für sich abzustecken. Manche Punkte sind nicht verhandelbar und bei vielen Dingen gibt es einfach keinen Kompromiss. Niemand sollte irgendwas tun müssen, was er*sie nicht will, aus Angst, die andere Person zu verlieren. Gerade Frauen lernen, ihre Bedürfnisse hinter die des Mannes zu stellen. Aus diesen Mustern auszubrechen, kann verdammt schwierig sein, ist es aber wert.

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Wenn man nämlich all das ausgehandelt hat, kann man eine wunderschöne Zeit mit einer Person verbringen und dann ist es egal, ob der Beziehungsstatus bei Facebook nun „Single“ oder „In einer Beziehung“ anzeigt. Man könnte jetzt natürlich sagen: Wenn man sich gegenseitig gesteht, dass man verliebt ist und bereit ist, die Eltern des*der anderen kennenzulernen, ist es doch faktisch eine Beziehung. Ist es nicht albern, es dann noch zu leugnen? Will sich da jemand einfach nicht binden? Wer so argumentiert, macht es sich zu leicht. Für manche macht es eben doch einen Unterschied, wie man das Ganze benennt. Es kann gute und sehr persönliche Gründe geben, warum man etwas (noch) nicht labeln möchte. Über diese Gründe sollte sich die betreffende Person klar werden und damit offen umgehen. Nur nachvollziehen zu können, warum eine Person so denkt und handelt, wie sie es tut, ist unglaublich hilfreich. Darauf zu bestehen, etwas zu labeln, ist übrigens genauso legitim.

Wer kategorisch ablehnt, eine Beziehung zu labeln oder andersherum drauf besteht, eine Partnerschaft offiziell zu machen, nur, weil man das eben so macht, könnte etwas sehr Schönes aufs Spiel setzen. Intimität kann abschreckend wirken, sich auf eine Person voll und ganz einzulassen, kann aber auch toll sein. Und wenn ihr alle paar Wochen über das Thema sprechen müsst, um immer wieder sicherzustellen, dass alle immer noch glücklich mit allem sind, ist das eben so. Wenn andere das komisch finden, wie ihr das macht, lasst sie doch. Was haben die mit eurer Beziehung zu tun?

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