Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Sea-Watch nimmt Seenotrettung wieder auf

Das Mittelmeer etwas weniger tödlich machen [Symbolfoto: pixabay]

10.08.2020 12:54 - Gastautor*in Alexander Weilkes

Die Corona-Pandemie machte die Arbeit von Sea-Watch für mehr als drei Monate unmöglich. Geschlossene Grenzen und logistische Probleme verhinderten, dass der Verein zivile Seenotrettung durchführen konnte. Nach über dreimonatiger Pause konnte am 6. Juni wieder eine Mission starten, die zwischenzeitlich aber schon wieder unterbrochen werden musste.

Essener Studentin auf der Sea-Watch 3

 

Mattea Weihe war mehrfach als interkulturelle Mediatorin auf Rettungsschiffen des Vereins tätig und führte dort die Kommunikation mit den in Seenot geratenen Menschen. An Land ist sie Pressesprecherin von Sea-Watch. Sie beschreibt die Situation auf Anfrage der akduell so: „Aufgrund der Situation um Covid-19 gab es selbstverständlich verschiedene Herausforderungen für unsere Arbeit. Wie jede andere humanitäre NGO [Anm. d. Red.: eine Nichtregierungsorganisation] hatten wir mit massiven logistischen Problemen zu kämpfen.”

Am 6. Juni konnte die Sea-Watch 3 ihre Mission im zentralen Mittelmeer wiederaufnehmen. Zwischen dem 17. und 19. Juni rettete die Crew insgesamt 211 Menschen vor dem Ertrinken, wie die Tagesschau berichtete. Die Geretteten fliehen unter anderem vor dem Bürgerkrieg in Libyen. Für die Überfahrt von Nordafrika nach Europa sind sie gezwungen, horrende Summen an Schlepper zu zahlen. Diese stellen für die Überfahrt meist Schlauchboote oder andere nicht hochseetüchtige Boote zur Verfügung, die meist total überbesetzt in See stechen und Schiffbruch erleiden. Wenige Länder erklären sich zu sicheren Häfen, in denen die Sea-Watch-Schiffe anlegen dürfen. Außerdem kommt es immer wieder vor, dass die Arbeit des Vereins behindert wird:

„Unsere Sea-Watch 3 ist derzeit offiziell im Hafen von Porto Empedocle festgesetzt. Wir arbeiten unter Hochdruck daran, dass unser Schiff so schnell wie möglich wieder in die Such- und Rettungsgebiete auslaufen kann”, erklärt Weihe. Im vergangenen Jahr hatten italienische Justizbehörden das Schiff für mehrere Monate beschlagnahmt, wie die Tagesschau berichtete. Auch in Malta wurde die Sea-Watch 3 schon festgesetzt.

Flucht auch während der Pandemie

Wie viele Flüchtende tatsächlich Seenotrettung benötigen, ist schwer einzuschätzen. „Die letzten Monate haben erneut gezeigt, dass nur ein Bruchteil der Menschen, die über das Mittelmeer fliehen, in irgendwelchen Statistiken auftauchen. Die Dunkelziffer derjenigen, deren Schicksal im Mittelmeer ungeklärt bleibt, ist nach wie vor groß“, erläutert die Pressesprecherin von Sea-Watch. Die Corona-Pandemie hielt viele Menschen nicht von der Flucht übers Mittelmeer ab, wie auch Weihe bestätigt: „Die letzten Monate haben wieder deutlich gemacht, dass auch während einer globalen Pandemie Menschen fliehen und dass der Pflicht, Menschen in Seenot zu retten, jederzeit nachgegangen werden muss.“ Um noch mehr Menschen vor dem Ertrinken retten zu können, sammelte der Verein Gemeinsam Retten, besser bekannt als United4Rescue, Spenden für ein weiteres Schiff.

Bereits im Januar war das erforderliche Geld eingesammelt und ein Schiff für die Arbeit von Sea-Watch konnte erworben werden. Mattea Weihe hofft, dass der Umbau des Schiffs bald abgeschlossen sein wird: „Derzeit laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren und an Bord der Sea-Watch 4 wird alles vorbereitet, damit eine Missionscrew schnellstmöglich anreisen kann, um – zunächst nach Ablauf der regulären Quarantäne-Zeit – die letzten Vorbereitungen zu treffen.” Insbesondere die medizinische Möglichkeiten sollen auf dem Schiff an die erforderlichen Standards angepasst werden. Weihe rechnet damit, dass das neue Schiff noch in diesem Sommer zur ersten Mission auflaufen wird.

Hilfe für Wohnungslose: „Wir machen weiter – aber stark verändert“

Das Team vom FairSorger Essen e.V. kümmert sich in der Corona-Krise unter schwierigen Bedingungen um Bedürftige.
 

Ehrenamtliche Arbeit wird durch Corona-Pandemie erschwert

Die ehrenamtliche Arbeit leidet unter den Corona-Schutzmaßnahmen, doch gerade jetzt ist das Engagement besonders groß.
 

#LeaveNoOneBehind: Duisburger Seebrücke hinterlässt Spuren

Trotz und wegen der Corona-Krise: Aktivist*innen fordern mit öffentlichen Aktionen die Evakuierung der Flüchtlingslager in Griechenland.
 
Konversation wird geladen