Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Schulstart mit Corona

In den Schulranzen gehörte zu Schulbeginn auch eine Maske.
[Symbolbild: David Peters]
28.08.2020 15:52 - David Peters

Trotz hoher Corona-Infektionszahlen hat in Nordrhein-Westfalen der reguläre Schulbetrieb wieder begonnen. Doch kurz nach dem Start mussten die ersten Schulen aufgrund von Corona-Infektionen wieder schließen. Wir haben uns die Zahlen genauer angeschaut und mit zwei Lehrkräften über den Schulstart gesprochen.

Am 12. August begann in Nordrhein-Westfalen das neue Schuljahr – unter ganz besonderen Umständen: Die Corona-Pandemie hat Deutschland weiterhin im Griff. Angesichts der hohen Infektionszahlen wurde der Neubeginn des regulären Schulbetriebes hitzig diskutiert. NRWs Schul- und Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) zeigte sich aber zuversichtlich: „Das Ministerium für Schule und Bildung hat alle Vorkehrungen getroffen, dass die Schulen das Recht unserer Kinder auf Bildung und den Gesundheitsschutz in Einklang bringen können. Der Präsenzunterricht ist und bleibt für die Landesregierung das Ziel in Corona Zeiten.“

Gebauer lobt Entscheidung für Präsenzunterricht

Nur zwei Tage nach Schulbeginn waren bereits vier Schulen in NRW von Schließungen und 31 von Teilschließungen betroffen, heißt es aus dem Schulministerium. Zum Stichtag 14. August befinden sich unter den Lehrkräften 37 bestätigte Corona-Fälle und 389 Fälle bei Schüler:innen. In 99,1 Prozent der nordrhein-westfälischen Schulen konnte regulärer Präsenzunterricht stattfinden. Ministerin Gebauer mahnte, dass man „unaufgeregt und professionell“ mit dem Coronavirus umgehen müsse. „Wichtig ist, dass künftig nicht jegliche Infektion im Umfeld von Schulen automatisch zu einer kompletten Schulschließung führt“, so Gebauer. Die Ministerin sieht die Bilanz des Schulstarts positiv: „Die vorliegenden Zahlen zeigen, dass der Schulstart in Nordrhein-Westfalen gut gelungen ist. Wenn über 99 Prozent aller Schulen sowie über 99 Prozent aller Schülerinnen und Schüler im Präsenzunterricht unterrichtet werden können, dann war die Entscheidung für einen angepassten Schulbetrieb in Corona Zeiten genau die Richtige.“

Zum Stichtag 19. August lieferte das Schulministerium neue Zahlen. Inzwischen seien dem Ministerium drei vollständige und 66 Teilschließungen von Schulen gemeldet worden. Damit findet in 97,8 Prozent aller Schulen regulärer Präsenzunterricht statt. Die Zahl der bestätigten Corona-Fälle bei Lehrkräften sank leicht auf 30 und bei den Schüler:innen auf 306. Insgesamt befinden sich 524 Lehrkräfte und 5.001 Schüler:innen in Quarantäne, so das Ministerium.

Lehrkräfte sehen Schulstart positiv

Voraussetzung für den Präsenzunterricht an Schulen ist eine Pflicht zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung. Dies gilt sowohl im Schulgebäude als auch auf dem Schulhof. Auch eine „regelmäßige und wirksame Durchlüftung der Unterrichtsräume ist sicherzustellen.“ Besonders die Maskenpflicht ist für Lehrkräfte und Schüler:innen eine besondere Herausforderung. Benedikt Götzfried unterrichtet an einem Gymnasium in Dorsten. Die Maskenpflicht hält er für „anstrengend, aber sinnvoll“. „Bei uns an der Schule wird die Maskenpflicht gut befolgt. Wir haben weder mit Eltern noch mit Schülern große Diskussionen gehabt“, erklärt Götzfried. Zusätzlich wurde in der ersten Schulwoche versucht, den Schüler:innen die Maskenpflicht möglichst altersgerecht zu vermitteln. An seiner Schule tragen auch die Lehrkräfte Masken. Das ist zwar nicht verpflichtend, aber man wolle mit gutem Beispiel vorangehen. Den Schulstart bewertet er positiv: „Es ist schön wieder vor vollen Klassen zu stehen. Die kreativen Unterrichtsmöglichkeiten sind aber eingeschränkt.“ Ein Problem sieht er  beim Einhalten der Schutzabstände, das sei vielfach gar nicht möglich – schon allein aufgrund der baulichen Gegebenheiten.

Auch Ralf Schmied*, der an einer Realschule in Essen unterrichtet, berichtet, dass manche Schutzmaßnahmen, wie zum Beispiel das Händewaschen, schlecht umsetzbar seien: „Wie sollen sich 30 Kinder 30 Sekunden lang die Hände waschen?“ Wenn es im Klassenraum nur ein Waschbecken gibt, dann würde es bei seiner Klasse rund 15 Minuten dauern, bis sich alle Schüler:innen die Hände gewaschen hätten. Die Maskenpflicht wird an seiner Schule konsequent umgesetzt, so Schmied: „Wenn ein Kind ohne Maske zur Schule kommt, wird es wieder nach Hause geschickt.“ Seine Schule hätte zwar umfassend über die Schutzmaßnahmen und Maskenpflicht aufgeklärt, dies sei aber nicht überall angekommen, berichtet der Lehrer. Auch an seiner Schule sei das Einhalten der Abstände schwierig. Das neue Schuljahr unter Coronabedingungen sieht Schmied bisher aber recht positiv: „Es ist den Umständen entsprechend echt gut gelaufen.“

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) gab am 27. August bekannt, dass die Maskenpflicht im Unterricht am 31. August aufgehoben wird.


*Name von der Redaktion geändert

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