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GESELLSCHAFT

Rundgang fadbk | HBK Essen: alljährlich, abwechslungsreich, absurd

Der ehemalige Websaal der Weberei Colsmann in Essen-Kupferdreh, jetzt Teil der fadbk. (Foto: lenz)

18.03.2018 14:35 - Lorenza Kaib



Direkt am S-Bahnhof Essen-Kupferdreh, versteckt in einem kleinen Gewerbegebiet, befinden sich die zusammengehörende Freie Akademie der bildenden Künste Essen (fadbk) und die Hochschule der bildenden Künste Essen (HBK). Am vergangenen Donnerstag, 16. März, wurden die Pforten zum geöffnet. Studierende und Absolvent*innen zeigen auf dem Gelände bis Mittwoch, 21. März, ihre Arbeiten.

Man wird sofort hineingeworfen ins künstlerische Wasser, Arbeiten warten bereits hinter der Eingangstür und im Flur des Haupthauses auf ihr Publikum. Kaffee und Kuchen an Stehtischen treffen auf Fotografien und Malereien an den Wänden. Gemälde, raumgreifende Installationen, Zeichnungen, Wandtexte, Skulpturen und Objekte - Die Studierenden zeigen ihr Können und die Hochschulen ihre Vielfalt aus den angebotenen Studiengängen Bildhauerei/Plastik, Fotografie/Medien und Malerei/Grafik. Die ausgestellten Arbeiten im Haupthaus, dem ehemaligen Websaal der Weberei Colsmann, profitieren von der lichtdurchfluteten Räumlichkeit mit industrieller Vergangenheit.

In der Nähe der Arbeiten sind Sticker angebracht, auf denen das Logo der Hochschulen zu sehen ist sowie die Namen der Studierenden und die Werksbezeichnung. Erst durch umständliches Suchen im Werkverzeichnis erfahren Interessierte, in welcher Klasse sich die Person befindet, die hier ihre Arbeit zeigt. Neben Titel, Technik, Maßen, Datum und Kontaktinformation ist im Verzeichnis leider kein Platz für weitere inhaltliche Informationen zu den Arbeiten, dafür sind jedoch die jeweilige Preisvorstellungen der Künstler*innen dort aufgelistet.

Absurditätlich täglich!”



Andrea Herrera hat dieses Semester ihren Abschluss gemacht, hinter ihr in einem Raum auf der zweiten Etage verteilt sind ihre Arbeiten zu sehen. „Ich habe mit dem Wort ‚absurd‘ gearbeitet. Um genau zu sein: Warum etwas absurd ist und was es bedeutet, absurd zu sein“, erzählt sie. Die Titel muten schon verwirrend an, klären weniger auf als dass sie Fragen nach Sinn und Unsinn befeuern: 1234,a=z, Electric chair, Egg, Histeria. Sie wolle mit ihren Werken nicht etwas Sinnloses machen, sondern das Wort „absurd“ definieren.

Herrera deutet auf eine Gerätschaft, bei näherer Betrachtung entpuppt sie sich als kleines Metallgestell in Stuhlform, auf dem eine Stoffbahn mit ausgestanzter Schrift vor- und zurückfährt. Monday, Tuesday, Wednesday, Thursday, Friday, Saturday, Sunday ist dort zu lesen. „Die Arbeit hier heißt Electric Chair. Ich habe mich mit der Frage beschäftigt, was Zeit und Raum ist“, erläutert die Absolventin. Herrera hat sieben Semester an der fadbk in Essen studiert: „Ich fand es sehr cool, ich habe mich hier sehr viel entwickelt. Ich habe mit Malerei angefangen und herausgefunden, dass das nichts für mich war. Dann habe ich mit Bildhauerei angefangen.“



Zwei detailliert gezeichnete mürrische Gesichter schweben auf weißem Papier, sind aufgespannt mit Wäscheklammern auf eine Schnur. Davor befinden sich auf zwei Sockeln jeweils eine kleine Gefäße, beide sind verschlossen. Die Arbeit ich, du, er, sie, es, wir, ihr, Sie von Kara Stephan  ist ebenfalls geheimnisvoll, regt zum Nachdenken an und scheint darauf zu warten, von den Ausstellungsbesucher*innen dekodiert zu werden.



Meike Poeses fotografische Arbeit Die Ecke wirft auch viele Fragen auf: Auf zwei Schwarzweißfotografien ist die Rückseite eines Menschen zu sehen, einmal nackt und einmal in schwarze Folie gewickelt. Die Aufnahmen zeigen den Körper frontal und mit starkem Kontrast. Die Arbeit wirkt düster und bedrückend, auch weil sie ihrem Titel entsprechend allein in einer Ecke ausgestellt ist. Aufgrund des Körpergewichts der Person und ihren Tätowierungen, die dem für Frauenkörper angelegten westlichen Schönheitsstandart nicht entsprechen, kann die Arbeit als eine visuelle Umsetzung des Body- beziehungsweise Fat Shamings gedeutet werden.

Erst zahlen, dann studieren

Im Gegensatz zu anderen Kunstakademien und Kunstuniversitäten ist das Studium an der staatlich anerkannten privaten Kunsthochschule nicht kostenlos. Monatlich 25 Euro Grundgebühr müssen Studierende zahlen, für den Unterricht in einer Künstlerklasse noch einmal 140 Euro und für jede weitere 100 Euro. Zwischenprüfungen lässt sich die Akademie mit 200 Euro vergüten, die Abschlussprüfung mit 300 Euro. „Es ist teuer, aber für mich ist es okay“, so Herrera. Für sie hat bei ihrer Wahl einer Universität vor allem der Betreuungsschlüssel eine Rolle gespielt: „Für mich ist es wichtig, dass die Uni nicht zu groß ist. Hier ist es alles persönlicher, man kann viele Fragen stellen und Angebote sofort bekommen. Das finde ich wichtig und deswegen gefällt es mir so gut. Und ich weiß, dass es sein kann, dass man Angebote nicht sofort hat, wenn man nicht dafür bezahlt.“

Wie an allen Hochschulen seit der Bologna-Reform sammeln auch die Studierenden an der HBK fleißig Credit Points, um am Ende ihres Studiums einen Abschluss zu erhalten. Das Studium ist nach Jahrgängen organisiert, wie etwa auch an der Folkwang Universität der Künste. An anderen Akademien ist es üblich, dass Studierende in verschiedenen Klassen eingeteilt sind und jahrgangsübergreifend bei einer Lehrkraft unterrichtet werden.

Wer Ausstellungen gewohnt ist, die einen durch Informationstafeln an den Wänden, einer einleuchtenden Kuration oder einer ausführlichen Broschüre an die Hand nehmen, wird sich wundern. Da bei Rundgängen oft auch Zwischenstände der jeweiligen Ausstellenden gezeigt werden, sind sie selten so konzipiert wie herkömmliche Ausstellungen. Mehr Informationen, als die fadbk und HBK liefern, wären jedoch wünschenswert.

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