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Ruheinseln im Trubel der Stadt: Öffentliche Bücherschränke

Ein Bücherschrank in der Fußgängerzone lädt zum Verweilen ein.

[Foto: Caroline Beck]

16.10.2022 17:04 - Caroline Beck

Ob als alte Telefonzelle, umfunktioniertes Vogelhäuschen oder Vitrinenschrank - immer mehr Miniaturbibliotheken schmücken die geschäftigen Städte und laden zum Stöbern ein. 

Öffentliche Bücherschränke sind wie eine Schachtel Pralinen: Man weiß nie, was man bekommt. Ob herzzerreißende, spannende, gruselige oder amüsante Geschichten, von kitschigen Romanen, Krimis oder Thrillern bis zu Klassikern und Fachliteratur sowie gelegentlich einem Kochbuch findet sich hier ein Sammelsurium an Schmökermaterial für jeglichen Geschmack. Als magisch anmutender Ort inmitten der Stadt wecken Bücherschränke die Neugier unterschiedlicher Passant:innen und regen auf ganz unverhoffte Weise zum Lesen an.

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Die Idee ist simpel: Die Bücherschränke befinden sich meist im öffentlichen Raum und sind für alle jederzeit zugänglich. Ohne Leihfristen, Mitgliedschaften, Öffnungszeiten oder sonstige Bestimmungen könnt ihr mitnehmen und lesen, was euch gefällt - ganz unverbindlich und anonym. Nach der Lektüre könnt ihr das Buch entweder behalten oder wieder zurückbringen. Im Idealfall tauscht ihr jedes entnommene Buch gegen ein eigenes ein. So wechselt sich die Auswahl der Bücher durchgehend ab, sodass es sich immer wieder aufs Neue lohnt, die Schränke zu inspizieren.

Bücherschränke fanden ihren Ursprung als Kunstinstallation

Bücherschränke zum öffentlichen und kostenfreien Austausch von Literatur gibt es noch nicht lange. Die Idee basiert auf dem Kunstprojekt Die offene Bibliothek des Künstler-Duos Michael Clegg und Martin Guttmann. In den 1990er Jahren wandelten sie alte Stromschaltkästen in Graz, Hamburg und Mainz durch Bücherspenden der Anwohner:innen in „kostenlose Freiluft-Bibliotheken” um. Daraufhin hat sich das Konzept der öffentlichen Bücherschränke, das von der Teilnahme und Mitgestaltung der Anwohner:innen lebt, nach und nach verselbständigt. Derzeit sind 2.965 öffentliche Bücherschränke in ganz Deutschland registriert.

Inzwischen werden alle denkbaren Kastenobjekte zu Bücherschränken umfunktioniert. Am häufigsten sind ehemalige Telefonzellen, die einen besonders nostalgischen Charme ausstrahlen. Seit sich Mobiltelefone etabliert haben, erfüllen die Sprechkabinen keinen Zweck mehr und man sieht sie nur noch vereinzelt, noch seltener in Betrieb. Als Miniaturbibliotheken erscheinen sie im neuen Glanz und bleiben dabei Mittel des Austauschs und der Kommunikation - denn immer wieder kommt es vor, dass Leute interessiert vor den Schränken verweilen und einander fremde Menschen beim Stöbern ins Gespräch kommen. 

Auf unkompliziertem Weg könnt ihr dadurch gebrauchten und aussortierten Büchern ein neues Leben bei anderen Leseratten schenken. Im besten Fall schickt ihr sie auf eine Reise durch die lesebegeisterte Welt und lasst sie durch viele neugierige Hände wandern. 

Unter den aussortierten Büchern finden sich nicht nur Lesenswertes und verloren geglaubte Schätze. Häufig sind die Schränke mit gar nicht so magischen Bänden gefüllt - langweilige Lexika, auseinanderfallende Schulbücher, schlecht geschriebene Schundromane, längst überholte PC-Handbücher, veraltete Reiseführer, fragwürdige Ratgeber und seltsamerweise stets mehrere Ausgaben des gleichen Buches, dessen sich niemand anvertrauen will und das still und leise vor sich hin staubt. Da freut man sich umso mehr, wenn man ein tolles Buch findet - und einfach so mitnehmen darf. 

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