Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Replace Plastic App - eine Aufforderung an Unternehmen

Einfach scannen und mitmachen. [Foto: Magdalena Kensy]

18.01.2022 12:23 - Magdalena Kensy

Plastikvermeidung ist in der heutigen Zeit ein großes Thema. Jennifer Timrott vom Verein Küste gegen Plastik hat dazu mit ihrem Team eine App entwickelt, bei der Unternehmen keine andere Möglichkeit bleibt, als sich mit dem Verpackungsmaterial ihrer Produkte auseinanderzusetzen. Schon mit einem Scan in der App kann jede:r eine Aufforderung an das Unternehmen zur Minimierung von Plastik weiterleiten. Wie genau das funktioniert, erklärt uns Jennifer Timrott im Interview. 

ak[due]llWie kann sich ein:e Außenstehende:r den Prozess vorstellen, wenn ein Produkt gescannt worden ist?

Jennifer TimrottGanz am Anfang stand die Frage: Wie gestalten wir das? Es war absehbar, dass größere Unternehmen, die oft gescannt werden, mehrere hundert E-Mails von uns kriegen würden. Dann wären wir in irgendwelchen Spam Filtern der Unternehmen verschwunden und unsere Aufforderung würde das Unternehmen nicht mehr erreichen. Deswegen haben wir gesagt, wir schicken E-Mails, wenn mit der App 20 Scans für ein Produkt zusammengekommen sind, oder Einzelscans von den entsprechenden Produkten nach vier Wochen. Die Unternehmen bekommen dann die Mails mit einer Liste von ihren einzelnen Produkten, die mit der App gescannt worden sind. Uns ist es wichtig, dass wir es so konstruktiv wie möglich versuchen. Wenn abgescannte Produkte nicht in unserer  Datenbank vorhanden sind, wird ein Formular angezeigt, in dem manuell die Daten vom Produkt eingegeben werden können, die wir dann verarbeiten. 

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ak[due]llWie werben Sie für Ihre App, um weitere Menschen zum Einscannen von Plastikprodukten zu animieren?

TimrottWir schalten keine Werbung, weil wir als kleiner gemeinnütziger Verein kein Budget für Werbekampagnen haben. Die App gibt es jetzt seit drei Jahren. Als wir damit fertig geworden sind, haben wir Gelder beantragt für eine Projektförderung. Damals sind wir abgelehnt worden und haben überlegt: Starten wir trotzdem mit der Kampagne oder lassen wir es sein? Aber wir hatten das Gefühl die Zeit ist reif und haben es gemacht. Weil wir nicht die personellen Ressourcen hatten, haben wir nicht viel Werbung gemacht. 
Der Witz ist, die App hat sich von selbst ziemlich stark verbreitet. Die Kampagne wurde bei Facebook gepostet und dann ist, obwohl wir gar nichts gemacht haben, die Nutzung durch die Decke gegangen. Ich weiß, dass wir am Anfang 200 bis 300 Scans am Tag hatten. Jetzt liegen wir zwischen 1.000 und 3.000 am Tag. 

ak[due]llWenn es nicht jetzt Zeit für das Thema ist, wann dann? 

TimrottDas ist  das Schöne. Was wir sehr ermutigend finden, ist, wie groß die Resonanz ist. Wenn wir jetzt noch eine Werbekampagne finanzieren könnten, dann wäre das schön, wenn die 1.000 bis 3.000 Scans am Tag nochmal verdoppelt oder verdreifacht werden. Das erhöht dann den Druck bei den Herstellern.

ak[due]llWie reagieren die Unternehmen? Wie sieht es in Bezug auf Standardantworten oder überhaupt keinen Reaktionen aus?

TimrottDas ist unterschiedlich. Es hängt davon ab, ob es größere Unternehmen sind oder kleinere. Was ganz häufig passiert, ist, dass wir Standardantworten aus der Kundenservice Abteilung bekommen. Dort stehen dann die Gründe, wie zum Beispiel, dass ihr Produkt aus Produktschutzgründen aus Plastik ist.
Wir reagieren dann nochmal auf diese E-Mails mit: ‚Okay, wir können verstehen, dass sie ihr Produkt schützen wollen, aber wir an der Küste sehen die Auswirkungen und das muss man ins Verhältnis setzen‘. Andere Unternehmen melden sich erst nach einer gewissen Zeit, nachdem sie kontinuierlich Kundenfeedback bekommen haben. Ich glaube, viele haben am Anfang gedacht: ‚Ach, das ist so ein Strohfeuer, da gehen alle los und holen sich diese App, das geht wieder vorbei‘. 
Bei den kleineren Unternehmen ist es häufig flexibler. Da ist der Kontakt schon ein bisschen direkter als bei großen Konzernen. Wenn wir mit großen Konzernen ins Gespräch gekommen sind, dann landet man meistens eine Etage höher in der Hierarchie, zum Beispiel in der Verpackungsabteilung oder der Nachhaltigkeitsabteilung. Sie signalisieren oft, dass sie sich über das Verbraucherfeedback freuen. Denen stärkt man den Rücken, auch wenn es nicht direkt wirkt. 

ak[due]llCoca-Cola hat im Januar 2020 gesagt, „Verbraucher wollen nach wie vor Plastikflaschen“. Kann das anhand der eingegangenen Scans Ihrer App bestätigt oder widerlegt werden? 

Timrott(lacht) Absolut. Die kriegen auch Post von uns. Getränkeflaschen sind ein Thema. Da ist meistens das Argument: ‚Die Kunden wollen das kaufen, weil sie nicht so schwer tragen wollen‘. Aber ich glaube auch, dass die Kunden von Coca-Cola dankbar wären, wenn sie eine gute Lösung von dem Unternehmen bekommen würden. Wir können versuchen, im privaten Haushalt Plastikmüll zu vermeiden, aber da muss natürlich auf der anderen Ebene auch etwas passieren.

ak[due]llViele Getränkekonzerne werben mit beispielsweise 40 Prozent recyceltem Plastik in Ihren Faschen. Ist das ein Ansatz, über den nachgedacht werden kann? 

TimrottKlar, es ist besser, das Material nochmal zu verwenden, bevor es gleich zu Müll wird. Wobei recycelte Plastikprodukte auch wieder Auswirkungen auf die Umwelt haben. Es ist leider nicht machbar, dass eine PET-Flasche immer wieder verwendet werden kann. Die Materialeigenschaften sind dann nicht mehr gut genug. 

ak[due]llWas schätzen Sie, inwieweit kann Ihre App den Plastikkonsum reduzieren und/oder das Bewusstsein stärken? 

TimrottWas wir häufig von Leuten hören, ist: Sie glauben, dass es eine gute Idee ist, weil sie jetzt das Gefühl haben, etwas zu tun und sich selbst bei dem Thema einzubringen. Sie sagen aber auch: ‚Wenn ich die App benutze, merke ich, wie viel Plastik ich im Alltag verbrauche.‘ Es ist ein guter Weg, dieses Thema den Unternehmen immer wieder auf die Agenda zu setzen. Wenn ich überlege, wie viele es von diesen festen Shampoos mittlerweile bei Rossmann gibt. Auf der Pappschachtel steht ‚plastikfrei‘. Die Unternehmen haben mittlerweile begriffen, dass plastikfrei für die Kunden ein Wert ist, den man kommunizieren sollte. 

ak[due]llWie sieht die Weiterentwicklung der App in den nächsten Jahren aus? Gibt es Pläne oder Vorstellungen? 

TimrottJa, wir sind gerade mit Volldampf dran. Wir wollen, dass Alternativen vorgeschlagen werden, wenn ein Produkt gescannt wird. Falls es das Produkt von anderen Unternehmen plastikfrei gibt. Der Hintergedanke dabei ist einfach, dem Nutzer einen Nutzmehrwert zu bieten, in dem man über Alternativen informiert, aber auch den Druck auf die Unternehmen nochmal erhöht. 

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