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GESELLSCHAFT

Rechtsrock-Hotspot in Hamm

Das Rechtrockkonzert fand auf dem Kentroper Weg statt. [Foto: David Peters]

27.08.2019 10:22 - David Peters

Am 17. August fand in Hamm erneut ein Rechtsrockkonzert statt. Die Stadt setzte ein zuvor verhängtes Verbot nicht durch.

Die Zufahrt zum Hinterhof des Kentroper Wegs 18 im westfälischen Hamm wurde durch einen Zaun, inklusive schwarzer Folie als Sichtschutz, versperrt. Hier hielt die lokale Neonazi-Szene am 17. August ein „Sommerfest“ ab. Zur inhaltlichen Gestaltung gehörten ein gegrilltes Spanferkel und drei Rechtsrock-Bands. Angekündigt waren die Gelsenkirchener Band Sturmwehr, die 1993 gegründet wurde und zu den bekanntesten Bands der deutschen Rechtsrockszene gehört, sowie Blutlinie und Snöfrid aus Schweden. Antifaschist*innen hatten im Voraus einen Flyer der Veranstaltung veröffentlicht. Interessierte konnten für die Veranstaltung im Neonazitreff „Zuchthaus“ Karten für 20 Euro erwerben.

Auf öffentlichen Druck wurde auch die Stadt Hamm tätig. Sie erließ eine Ordnungsverfügung, die jegliche öffentliche Veranstaltung im „Zuchthaus“ verbietet. Aus dem Verbot wurde aber nichts. Die Stadt bewertete das Neonazi-Konzert nicht als öffentliche Veranstaltung: „Bislang haben wir keine belegbaren Beweise, dass es sich bei der Veranstaltung im Kentroper Weg nicht um eine private Veranstaltung handelt“, teilte die Stadt auf Nachfrage mit. Auch vor Ort änderte sich an der Bewertung nichts. Der Rechtsdezernent der Stadt Hamm, Jörg Mösgen, erklärte hierzu: „Ich habe keinen Anhaltspunkt dafür, dass da eine Veranstaltung so stattfindet, wie sie im Internet beworben wird.“

Antifaschist*innen kritisieren die Stadt

Eine Überprüfung des Sachverhalts war für ihn und die Vertreter*innen des Ordnungsamts nicht möglich: Der bloße Verdacht durch einen Flyer, der im Internet aufgetaucht ist, reichte nicht aus, um sich Zutritt zum Gelände zu verschaffen und das Geschehen dort zu überprüfen, so Mösgen. Bei den anwesenden Gegendemonstrant*innen, die in der Nähe eine Kundgebung abhielten, sorgte das für Unverständnis. Johanna Schillack, Pressesprecherin des antifaschistischen Jugendbündnisses haekelclub590, teilte mit: „Es ist völlig unverständlich, warum die Stadt eine Verbotsverfügung erlässt, um diese nicht durchzusetzen. Wenn sich Stadt und Polizei von Neonazis offensichtlich vorführen lassen, sendet dies das völlig falsche Signal an die Naziszene in der Stadt: Ihr habt von uns nichts zu befürchten.“ Außerdem habe sich der Kentroper Weg 18 als Standpunkt der extremen Rechten überregionale Bedeutung entwickelt. „Hamm ist der Rechtsrock-Hotspot in NRW“, so das Bündnis.

Die lokale Antifa-Szene wies darauf hin, dass es sich nicht um das erste Konzert in Hamm handelte. Allein 2019 fanden hier sieben Konzerte statt. Auch mit Beteiligung von Mitgliedern des in Deutschland verbotenen Neonazi-Netzwerkes „Blood & Honour“. Das Bündnis haekelclub590 forderte die Stadt auf, die bau-, gewerbe- und ordnungsrechtlichen Voraussetzungen für solche Veranstaltungen im Kentroper Weg generell zu prüfen. Rechtsdezernent Mösgen stellte weitere Schritte gegen Neonazi-Konzerte in Hamm in Aussicht: „Wir wollen solche Naziveranstaltungen nicht. Wir werden das, was wir tun können, versuchen.“
 

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