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GESELLSCHAFT

Rassismus verbreitet sich schneller als Viren

Seit dem Ausbruch des Virus sind Personen, die asiatisch gelesen werden, verstärkt von rassistischen Äußerungen betroffen. [Foto: pixabay]

10.02.2020 15:47 - Anna Riemen

Inzwischen sind in Deutschland 14 am Coronavirus erkrankte Personen gemeldet (Stand: 08. Februar 2020). Laut Informationsseiten von Gesundheitsexpert*innen, wie dem Robert-Koch-Institut, dem Auswärtigen Amt und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, sei das Risiko für die Bevölkerung in Europa und Deutschland gering. Seit dem Ausbruch des Virus sind Personen, die asiatisch gelesen werden, verstärkt von rassistischen Äußerungen betroffen. 

31. Dezember 2019: Das WHO-Landesbüro in China wird über eine Häufung von Fällen einer Lungenentzündung unbekannter Ursache in Wuhan, einer Stadt in der chinesischen Provinz Hubei, informiert. Nach Angaben der chinesischen Behörden waren einige Patient*innen in Handel oder Verkauf auf dem Huanan-Seafood-Markt der Stadt tätig.

Wie kurz darauf bekannt wird, leiden sie an einem neuen Virus, einem Erreger aus der Familie der Coronaviren. Der Verlauf der Krankheit ähnelt dem einer Grippe. Ihre Symptome werden ähnlich behandelt und die Erkrankung verläuft nur selten tödlich.

Rassismus im Netz

Inzwischen sind auch in Deutschland 14 Menschen erkrankt. Meldungen über das Virus füllen täglich die Medienlandschaft. Menschen, die asiatisch gelesen werden, wie Tuan*, der im Ruhrgebiet studiert, berichten von Verhaltensauffälligkeiten ihrer Mitmenschen. Ihn belastet der Argwohn seiner Umgebung; Leute auf der Straße hielten Abstand, es werde getuschelt. Im Fitnessstudio wollen einige nicht dieselben Geräte wie er benutzen. Auch der asiatische Imbiss seines Vaters habe in letzter Zeit finanziell stark gelitten, klagt er.

Er beobachtet rassistische Vorkommnisse in diversen Facebookgruppen schon länger. Meistens würden andere problematische Themen aufgegriffen, die im Zusammenhang mit China stehen und die rassistische Hetze damit „gerechtfertigt“. „Ein Asiate hat sich beispielsweise darüber beschwert, dass er rassistisch behandelt wurde. Leute haben ihn gar nicht ernst genommen”, entrüstet er sich.

Zwischen der Ethnie einer Person und dem Risiko einer Erkrankung besteht kein unabdingbarer Zusammenhang.

Auch in sozialen Netzwerken, die im Zusammenhang mit Universitäten stehen, hinterlässt das Virus digitale Spuren. Auf dem Instagram-Profil „uniduebeichten“ wurde etwa ein Post geteilt, der sich durch stereotype Beschimpfungen und Fehlinformationen auszeichnete. „Es scheint generell Skepsis gegenüber Menschen asiatischer, nicht mal zwangsläufig chinesischer, Herkunft zu geben – selbst, wenn die nie zuvor in China waren und in Deutschland aufgewachsen sind,“ schildert UDE-Student Julian* seinen Eindruck.

Einige User*innen der Duisburg-Essener Universitäts-Facebookgruppen versuchen, ihren Argwohn damit zu rechtfertigen, dass sie lediglich „Vorsichtsmaßnahmen“ gegen eine mögliche Ansteckung träfen. Zwischen der Ethnie einer Person und dem Risiko einer Erkrankung besteht jedoch kein unabdingbarer Zusammenhang. Lediglich wenn eine Person aus einem betroffenen Gebiet zurückkehrt, können Sorgen oder Vorsichtsmaßnahmen angemessen sein.

Anfeindungen im Nahverkehr und am Campus

Wendy*, internationale UDE-Studentin, berichtet von einer Gruppe, die auf einer Zugreise das Abteil wechselte, als sie eintrat, ein Mann habe außerdem seinen Mund bedeckte, als sie an ihm vorbeikam. Am Campus, sagt Wendy, sei ihr dagegen noch kein Rassismus entgegen geschlagen. Yasin, der ebenfalls an der UDE studiert, hat in seinem Umfeld das Gegenteil mitbekommen. Kommiliton*innen vermieden aktiv in der Bibliothek Chines*innen. Abfällige, stereotyp-rassistische Kommentare seien an der Tagesordnung. „Es fielen auch Aussagen wie ‚sollen sie doch alle sterben‘ oder ‚kein Mitleid mit denen‘,“ berichtet er. 

Wendy versucht dem Verhalten, das ihr zuteil wurde, mit einem gewissen Grad an Verständnis zu begegnen. „Ich habe verstanden, weshalb die Leute vorsichtig wurden, es ist eine Art gefühlter Selbstschutz und ich gebe ihnen keine Schuld. Ich hoffe nur, dass sich die Anspannung bald löst,“ schließt sie.

*Name von der Redaktion geändert.

Lizensfreies Bildmaterial von pixabay

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