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GESELLSCHAFT

Psychische Gesundheit während der Pandemie

Während des zweiten Lockdowns war Merve nur ein Schatten ihrer selbst.

[Foto: Canberk Köktürk]

09.08.2021 14:44 - Canberk Köktürk

Einsamkeit, eine unsichere Zukunft und ein Virus, das weltweit mehrere Millionen Todesopfer gekostet hat. Die Corona-Pandemie ist laut einigen Studien für viele Menschen eine mentale Belastung. Auch Merves psychische Gesundheit leidet unter den Pandemie-Umständen.

Merve ist 28 Jahre alt und Sozialarbeiterin in der Suchthilfe. Als die Pandemie vor eineinhalb Jahren begann, beendete sie ihr Studium und stieg ins Berufsleben ein. Vor der Pandemie hatte sie bereits kleine depressive Verstimmungen: „Durch den Uni-Stress und die Arbeit habe ich mit der Psychotherapie angefangen und konnte auch schwierigere Zeiten gut meistern, da auch die äußeren Umstände in meinem Leben konstant waren.“ Seit der Pandemie hat sich in Merves Leben aber einiges verändert: „Die Werkzeuge und Strategien, die ich aus der Therapie mitgenommen habe, reichten irgendwann nicht mehr, weswegen ich in die Tagesklinik gegangen bin.“

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Erst durch den zweiten Lockdown wurde der Sozialarbeiterin bewusst, was die Pandemie für Auswirkungen auf ihr Leben hatte: „Anfangs war alles noch ganz gut. Der Sommer war schön, man konnte sich draußen treffen.“ Aber durch den Winter  wurde für sie alles schlimmer. „Wir hatten noch keine Testmöglichkeiten, wir mussten uns entscheiden mit wem wir uns treffen, das Wetter wurde schlechter und man konnte nicht einfach raus“, berichtet sie vom Winter 2020. „Nach der Arbeit war ich meistens allein, saß nur auf der Couch schaute Serien oder Nachrichten. Durch die Isolierung hat sich meine Angst vergrößert. Einkaufen wurde immer anstrengender.“

Umfragen und Studien zeigen: Merve ist nicht allein

Der Gesundheitsreport 2021, eine Forsa Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse zeigt, dass Merve nicht allein ist: 42 Prozent der Menschen in Deutschland haben sich im März 2021, während des zweiten Lockdowns, stark oder sehr stark von der Pandemie belastet gefühlt. Bei der Befragung im Mai 2020 waren es noch 35 Prozent. Zu den Hauptsorgen der Menschen gehören fehlende Treffen mit Freund:innen und Verwandten (89 Prozent) sowie Angst, dass Angehörige und Freund:innen an Covid-19 erkranken (60 Prozent).

Auch die NAKO Gesundheitsstudie, die vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung beauftragt wurde, hat Befragungen durchgeführt. Unter 60-Jährige Menschen berichten in der Umfrage, dass die Symptome von Angst und Depressionen angestiegen sind. Besonders betroffen waren junge Frauen. Auch der Anteil der Personen mit gemäßigten bis schwer ausgeprägten depressiven Symptomen stieg während der Pandemie von 6,4 auf 8,8 Prozent an.

Die Studie „Sozio-ökonomische Faktoren und Folgen der Verbreitung des Coronavirus in Deutschland“ der Universität Bielefeld und Sozio-oekonomischen Panel am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), zeigt ebenfalls, dass im zweiten Lockdown seit November 2020 Frauen, Menschen mit direktem Migrationshintergrund und junge Personen, Belastungen auf ihre psychische Gesundheit wahrgenommen haben. 

Medienkonsum verunsichert

„Wenn man Depressionen hat, dann ist einem die Sicherheit sehr wichtig. Dadurch, dass sich ständig was verändert hat und es permanent Nachrichten zur Pandemie gab, war das eine große Herausforderung“, erzählt Merve über ihre Zeit im zweiten Lockdown. Sie beginnt ihren Nachrichtenkonsum einzuschränken. „Gleichzeitig hatte ich aber ein schlechtes Gewissen. Es kann doch nicht sein, dass es mir egal ist?“, so die Sozialarbeiterin.
Vor allem ihr Job in der Suchthilfe verlangte, auf dem neuesten Stand zu sein. „Dort habe ich oft mit meinen Kolleg:innen Rücksprache gehalten, damit ich im privaten meinen Medienkonsum einschränken konnte.“ Seitdem sie selbst geimpft ist, den Medienkonsum reduziert hat sowie ihrem Aufenthalt in der Tagesklinik geht es Merve wieder besser. „Ich hoffe, es kommt im Herbst oder im Winter 2021 nicht wieder zu einem Lockdown“, sagt sie.

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