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GESELLSCHAFT

Produktivität ist kein Lifestyle, sondern ein Fehler der Gesellschaft

Wenn der Druck zu viel wird. [Foto: Jacqueline Brinkwirth]

09.09.2019 13:09 - Jacqueline Brinkwirth

Die Leistungsgesellschaft zwingt uns ständig produktiv sein zu müssen. Jede Stunde, jeden Tag, jede Woche. Burn-Out, Depressionen oder soziale Ängste können nicht nur eine Folge sein, sondern eine zusätzliche Belastung. Denn Menschen mit psychischen Erkrankungen sind oft nicht in der Lage, so produktiv zu sein, wie sie gern wären.

Ein Kommentar

Depressionen, mittlerweile als Volkskrankheit in den Köpfen vieler Menschen verankert, haben eine Reihe von Anzeichen und Symptomen, die Betroffenen häufig den Alltag erschweren. Dazu zählen neben Antriebslosigkeit, Reizbarkeit und Angstgefühlen auch Ermüdung und ein starkes Gefühl psychischer und physischer Erschöpfung. Und auch wenn sich depressive Verstimmungen und Depressionen bei jedem Menschen unterschiedlich äußern können, ist erleben die meisten Energielosigkeit.

Für Menschen mit psychischen Erkrankungen geht diese Rechnung nicht auf.

In der deutschen Leistungsgesellschaft ist das mehr als ein Hindernis im Alltag. Es ist eine Unmöglichkeit. Menschen müssen mittlerweile nämlich nicht nur im Job brillieren, sondern auch in der Schule, im Studium, bei Freizeitaktivitäten und im Privatleben. Was man auch tut, man sollte es im besten Fall so gut machen, dass die eigene Leistung ein professionelles Level erreicht.

Der Druck, ständig funktional und produktiv zu sein und alle Rollen im Alltag zu 100 Prozent zu erfüllen, geht auch mit dem Zwang zur Selbstoptimierung einher. Wenn etwas nicht optimal funktioniert, ändere nicht die gesellschaftlichen Strukturen, sondern arbeite einfach an dir selbst. So oder so ähnlich tragen es Werbung, Nachrichten und soziale Medien in die Welt. Für Menschen mit psychischen Erkrankungen geht diese Rechnung nicht auf.

Depressionen werden beispielsweise oft von Ängsten oder (in Ermangelung einer passenden deutschen Entsprechung) anxiety begleitet. Dabei gerät das Nervensystem in einen Ausnahmezustand, in dem der Blutdruck steigt, sich der Herzschlag dramatisch erhöht und sich die Muskeln verkrampfen. Atemnot, Übelkeit und starkes Schwitzen können ebenfalls Symptome sein. Studien belegen, dass eine Episode starker Angst, Nervosität oder Beklommenheit Betroffene meist die Energie eines ganzen Tages kostet. Folgen sind Antriebslosigkeit, Erschöpfung und ein erhöhtes Schlafbedürfnis.

Wenn die Gesellschaft also immer mehr Produktivität fordert, gibt es Menschen, die diese Forderung einfach nicht erfüllen können. Das ist weder menschliches Versagen, noch etwas, an dem ein Mensch arbeiten kann. Es ist schlicht ein Symptom einer Erkrankung wie Fieber bei einer Grippe. Was jede*r Einzelne daran ändern kann, ist, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass Produktivität kein Lifestyle und auch kein Lebensziel ist, sondern ein gesellschaftlicher Druck – dem man sich nicht unterwerfen muss, sondern so oft es geht entziehen sollte.

Mein Plädoyer ist folgendes: Scheiß auf Leistungsdruck, scheiß auf Produktivität. Fehler zu machen und mal nicht zu „funktionieren“ ist menschlich und keine Krankheit. Im Gegenteil: Lasst euch von einer kranken Gesellschaft nicht einreden, dass irgendwas davon eine Schwäche oder eure Schuld ist.

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