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GESELLSCHAFT

Populistische Kommunikation: So spricht Trump über COVID-19

Eine politische Figur, die sich Autenthizität durch politisch inkorrekte Sprache erhascht. [Foto: pixabay]
24.02.2022 14:38 - Ayssa Maiß

CN: Anti-Asiatischer Rassismus 

Am 13. März 2020 bezeichnet der damalige US-Präsident Donald Trump das Coronavirus erstmals als „Wuhan Virus“ und gerät in die Kritik. Diese weiß Trump für sich und seine populistischen Diskurse zu nutzen. Privatdozent Dr. Robin Kurilla von der Universität Duisburg-Essen (UDE) untersuchte Trumps populistische Rhetorik um COVID-19.

Dr. Kurilla arbeitete eigentlich an einer größeren Studie zur öffentlichen Sinnbewirtschaftung des Coronavirus. Doch speziell die Analyse der Äußerungen von Trump überraschte ihn: „Wider Erwarten war es tatsächlich nicht Trump, der beispielsweise ‚Kung Flu‘ zuerst benutzt hat“. Also untersuchte der Kommunikationswissenschaftler Trumps Aussagen zum Virus zwischen März und September 2020, beispielsweise in Pressekonferenzen oder Tweets. 

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Projekt gegen Fake News im Internet wird von Forschenden der UDE geleitet.
Von Julika Ude in Wissenschaft
 

 Im November 2021 erschien die Studie “Kung Flu”—The Dynamics of Fear, Popular Culture, and Authenticity in the Anatomy of Populist Communication in der Fachzeitschrift frontiers in Communication. Darin betrachtet Kurilla acht verschiedene Bezeichnungen. Ganz oben „China Virus“ mit 228 Nennungen in sechs Monaten. Bereits im März 2020 äußerten sich Zeitungen wie die New York Times missbilligend zu Trumps Wortwahl und Expert:innen befürchteten einen Anstieg von Xenophobie, also Fremdenfeindlichkeit.

 „Trump versteht es, Angriffe auf ihn in politisches Kapital umzumünzen“, erklärt Kurilla. So erwiderte die damalige Pressesprecherin McEnany auf Kritik, dass Trump Ausdrücke wie „Kung Flu“ nicht als erster benutzt habe: „The same phrase that the media roundly now condemns has been used by the media.“ Diesen ‚Irrtum‘ der Medienvertreter:innen nutzt Trump, um Feuer gegen die „lamestream media“ zu schüren – nur eines seiner diffusen Feindbilder.

Populismus und ‚the people‘

Während Medien und die WHO sensible Sprache propagieren, feiern Trumps Anhänger:innen seine Worte. „Es bringt ihm das Qualitätssiegel der Authentizität ein“, schreibt Kurilla. Eine Qualität, die in ein populistisches Schema passt. Populist:innen stellen sich als Vertreter:innen des ‚Volkes‘ gegenüber einem diffusen Feindbild dar. „Kennzeichnend für Populismus ist, dass er im Namen eines moralisch einwandfreien Volks vermeintlich korrupte Eliten angreift“, erklärt Kurilla.

Neben dem „unsichtbaren Feind“ COVID-19, greift Trump China direkt an. China habe die Jobs der US-amerikanischen Arbeiter:innen gestohlen und beute die USA aus, sind nur wenige der Beispiele, die Kurilla nennt. Ähnlich dämonisiere er, so Kurilla, die „‚far-left Democrats‘ und Eliten wie die Biden-Familie, die Trump zufolge in Zusammenarbeit mit China den Wohlstand der USA, besonders den der Arbeiterschaft bedrohten.”

„Hypersensibilisierung korrumpiert öffentliche Kommunikation“

Trump hingegen inszeniert sich als „People’s President“. Er vertrete zum Beispiel die Interessen der Arbeiter:innen, Kleinunternehmer:innen oder Farmer:innen gegenüber den gemeinsamen Feind:innen. Hier nutze Trump eine Rhetorik, die Angst und emotional motivierte Handlungen hervorrufe. Die Chinese Americans Civil Rights Coalition bringt dies in Zusammenhang mit einem Anstieg der rassistisch motivierten Straftaten gegen “asiatisch” gelesene Menschen bzw. AAPI (Asian American and Pacific Islanders). Entsprechend hat die Organisation bereits im Mai 2021 eine Beschwerde gegen Donald Trump beim New Yorker Bundesgericht eingereicht. Für seine wiederholten rassistischen Äußerungen in Zusammenhang mit dem Coronavirus fordert sie 22.9 Millionen US-Dollar.

Mit Ausdrücken wie „Sleepy Joe Biden“ oder „Crazy Nancy“ verletze Trump die Kultur der politischen Korrektheit, ernte dafür allerdings Sympathien, stellt Kurilla fest. Medien mögen dies kritisieren, die Reaktion hänge jedoch letztendlich vom Publikum ab. Trump weiß, diese Angriffe für sich zu nutzen. „Trump stellt seine Ankläger so dar, als handelten sie aus politischen Gründen zu Lasten des Wohlergehens ‚des Volkes‘“, verdeutlicht Kurilla. Den Boden, auf dem Trumps Rhetorik gedeiht, sieht Kurilla teilweise in einem gesellschaftlichen Trend verankert: „Es lässt sich eine Hypersensibilisierung feststellen, die nicht gerade dazu beiträgt, Prozesse gesellschaftlicher Polarisierung zu vermindern. Im Gegenteil: Sie korrumpiert öffentliche Kommunikation.“

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