Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Paris is burning – again

(Foto: Lup)

18.12.2018 16:09 - Lucienne Ruppert

Seit dem 21. Oktober gibt es in Frankreich Aufstände der Gelbwesten. Bei den Aufständischen handelt es sich um Menschen aus der Arbeiter*innenschicht, die nicht nur gegen die Reformen und gegen Präsident Macron protestieren sondern auch eine Umverteilung der Ressourcen fordern. Die Bewegung ist bereits das zweite Protestmoment in Frankreich in diesem Jahr. Wir haben mit den im Sommer streikenden Studierenden gesprochen, die sich mittlerweile organisiert haben und wieder protestieren.

In Frankreich läuft es so, wie es der Kapitalismus nun mal will: Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer. Eine Umverteilung findet nicht statt. Als die französische Regierung im Oktober eine Erhöhung der Benzinpreise ankündigte, war das der Tropfen, der das Fass für viele der Arbeiter*innenschicht zum Überlaufen brachte.

Menschen, die schon jetzt in prekären Zuständen lebe, und ihr Auto sowie Sprit zum Arbeiten brauchen, können nicht einfach mal mehr für Benzin bezahlen. Aber das war nur der Auslöser, jetzt sind die Gelbwesten jeden Tag auf der Straße und protestieren lautstark gegen eine Regierung, der gefühlt nur das Wohl der Reichen am Herzen liegt. Sie fordern höheren Mindestlohn und Renten sowie die Wiedereinführung der im Vorjahr abgeschafften Vermögenssteuer. Dass das französische Wort für „Kündige!“ sich auf Macron reimt, nutzen sie großzügig aus.

"Eine Studentin hatte eine epileptische Krise. Aber für sie wurde kein Krankenwagen gerufen."

Die Gelbwesten gerieten unter viel Kritik als sie vor ein paar Wochen in Paris teure Autos anzündeten. Arbeiter*innen, die sich ein Leben lang das Geld für einen Porsche zusammen sparen, sollen sich doch wohl einen gönnen dürfen, hieß es auf vielen Social-Media-Plattformen. Ein Statement, das vom Missverständnis darüber zeugt, wer sich überhaupt einen Luxuswagen leisten kann und tut.

Doch die Wut und Frustration der französischen Bevölkerung erwachte nicht erst vor Kurzem. Im April dieses Jahres, wurde das Land durch die zahlreichen Universitätsstreiks lahmgelegt: Hochschulen wurden von Studierenden gesperrt und besetzt – manche monatelang. Es folgten Demonstrationen und gewaltgeprägte Auseinandersetzungen mit den CRS, ein Einsatzkommando vergleichbar mit den deutschen Einsatzhundertschaften, die bei Fußballspielen und Demonstrationen eingesetzt werden.

Schon damals ging es um die zahlreichen Universitätsreformen unter Präsident Macron, die das Problem der mangelnden Universitätsplätze lösen sollten, doch eigentlich nur die Selektion darum, wer überhaupt studieren kann, verschärften. Nämlich nur diejenigen, die es sich leisten können und ohnehin schon aus „guten“ Verhältnissen kommen.

Round #2

Heute streiken in den Universitäten wieder Studierende, Mitarbeiter*innen und Professor*innen. Zu den protestierenden Unis zählt auch wieder die Sorbonne Nouvelle. Diese, weil die Universitäten für nicht-französische Studierende hohe Studienkosten einführen möchten – bis jetzt war studieren in Frankreich kostenfrei oder sehr günstig. Diese neue Regelung gehört zu der Studiumreformpolitik von Macron, der mit dem englischen System, wo Studierende mehrere Tausend Euro Studiengebühren im Jahr hinblättern müssen, liebäugelt.

Tom*, Studierende*r der Universität Sorbonne Nouvelle, erzählt der akduell, dass die Studierenden, die im vergangenen Streik aktiv waren, sich seitdem jede Woche treffen, um weiter über weiteres Vorgehen zu reden. Aus dieser Gruppe traten jetzt eine Gewerkschaft und ein Kollektiv – also eine gleichberechtigte Gruppe – hervor, sie*er gehört letzterem an. Dass die Studierenden jetzt wieder streiken, hat nichts mit der Gelbwesten-Bewegung zu tun, allerdings wurde bei Generalversammlungen dafür gestimmt, den Streik der Gelbwesten zu unterstützen, da beide gegen die Verelendungspolitik von Macron protestieren.

Viele haben die Gewalt der CRS in Videos gesehen, die in letzter Zeit im Internet kursieren, die brutale Niederschlagung von Protesten ist in Frankreich jedochnichts Neues. Im Gegenteil zu Deutschland ist in Frankreich eine Protestkultur zugegen, in der beide Seiten Gewalt als wesentlich akzeptiertes Mittel sehen. Auch im Sommer 2018 erlebte Yann* Polizeigewalt. Bei den Aufständen im vergangenen Frühling war die Polizei bei Demos immer gegenwärtig. Yann* erzählt von einem Erlebnis bei einer Demo im vergangenen Mai, bei der alle Teilnehmer*innen von den CRS stundenlang mit Tränengas und Reizstoff beschossen wurden.

Wenn man in Frankreich bei Protesten von der Polizei kontrolliert wird und Augentropfen oder Maalox, ein Medikament dass die Effekte von Reizstoff legt, bei sich trägt, kann man festgenommen werden. Also hatte Yann an dem Tag nichts dabei, um sich vor den Reizstoffen schützen zu können. Tatsächlich wurde so heftig gesprüht, dass die CRS sogar einen ihrer eigenen Kollegen außer Gefecht setzten. Yann berichtet: „Es wurde ein Krankenwagen gerufen und ein CRS wurde evakuiert. Währenddessen hatte eine Studentin eine epileptische Krise. Aber für sie wurde kein Krankenwagen gerufen.“ Die Studierenden protestieren aber trotz solcher Erlebnisse weiter für einen gerechten Zugang zu Bildung.

*Name der Redaktion bekannt

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