GESELLSCHAFT

Organspendeausweis: Eine wichtige und persönliche Entscheidung

Einen Organspendeausweis zu besitzen muss nicht heißen, auch Spender*in zu sein. (Foto: esa)

26.04.2018 23:33 - Elena Wüllner



Ich tippe „Organspendeausweis“ in die Google-Suchleiste ein und drücke Enter. 140.000 Ergebnisse in 0,23 Sekunden. Ein Klick auf das dritte Suchergebnis der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) lässt mich staunen: „Der Organspendeausweis – Sagen Sie Ja oder Nein“. Ich gehöre zu den 81 Prozent der Bevölkerung, die einer BZgA-Befragung aus dem Jahr 2016 nach eine positive Einstellung gegenüber dem Organspendeausweis haben, aber immer noch keinen im Portemonnaie haben. Vielleicht, weil ich mich bisher nicht ausreichend darüber informiert habe. Denn einen Organspendeausweis zu besitzen muss nicht heißen, auch Spender*in zu sein.

Auf der und dann ausgedruckt werden. Bei Bedarf wird dieser auch kostenlos zugeschickt. Nach fünf Tagen wirft der Postbote die deutschsprachige Version in meinen Briefkasten. Bei Auslandsaufenthalten wird dazu geraten, auch einen Ausweis in der Landessprache auszufüllen. Zwar gelten in verschiedenen Ländern unterschiedliche gesetzliche Bestimmungen zur Organ- und Gewebespende, dennoch ist der Ausweis auch im Ausland gültig und sollte somit von den dort ansässigen Ärzt*innen verstanden werden.

Mein Umschlag beinhaltet einen Papp-Flyer mit integriertem Organspendeausweis zum Heraustrennen. Auf der Vorderseite sollen Name, Geburtsdatum und Adresse angegeben werden. Auf der Rückseite werden die wichtigen Entscheidungen getroffen. Viermal steht dort das Wort „oder“. Ich kann mich dazu entscheiden, nach der Feststellung meines Todes alle Organe und Gewebe zu spenden oder Ausnahmen anzugeben. Ich kann aber auch die Spende komplett verneinen. Die letzte Möglichkeit ist die, eine festgelegte Person zu bestimmen, die die Entscheidung für die Spende nach dem eigenen Tod trifft.

Ich schiebe den Flyer zur Seite und gehe nochmal ins Internet. Mir fehlen  immer noch Infos, um eine Entscheidung zu treffen, auch wenn sie nicht bis ans Lebensende bindend ist. Denn wenn ich mich umentscheide, muss ich den Ausweis nur vernichten und kann einen neuen mit meiner geänderten Antwort ausfüllen. Die Angaben von Organspender*innen sind nur auf dem Ausweis festgehalten und werden an keinem zentralen Ort registriert. Datenschutz ist also garantiert.

Wann werde ich Spender*in?

Für mich ist eine Frage besonders wichtig: Ab wann werde ich zur Spenderin? Auf der Seite der BZgA wird der „unumkehrbare Ausfall der gesamten Hirnfunktionen (Hirntod)“ als Voraussetzung genannt. Der Hirntod muss von zwei, in Organspende und Transplantation nicht involvierte Fachärzt*innen unabhängig voneinander geprüft werden. Beide müssen dabei dem vorgeschriebenen Protokoll der Bundesärztekammer folgen. Der genaue Verlauf wird detailliert erklärt. In dieser Hinsicht bin ich beruhigt.

Und wie geht es dann weiter? Es schaltet sich die gemeinnützige Organisation Eurotransplant ein. Deutschland, Belgien, Kroatien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Slowenien und Ungarn sind Teil davon. Die Stiftung führt Wartelisten für Spenderorgane und eine mit gespendeten Organen. Für jedes Organ gibt es unterschiedliche Kriterien, nach denen die Spender*innen ausgewählt werden.

Ich soll meine Entscheidung auf dem Organspendeausweis festhalten, auch wenn ich nicht spenden möchte. An dieser Stelle frage ich bei Christina Auffenberg vom BZgA-Referat für Organ- und Gewebespende Blutspende nach: „Wer sich selbst zu Lebzeiten entscheidet und das auch dokumentiert, erspart seinen Angehörigen im Todesfall eine zusätzliche Belastung. Im Fall der Fälle müssen die Angehörigen nämlich die schwierige Entscheidung übernehmen, ob Organe und Gewebe gespendet werden sollen.“ Für mich ist es das entscheidende Argument, um den Organspendeausweis auszufüllen.

Aber was ist mit den Menschen, die auf eine Organtransplantation warten? Bei der BZgA lassen sich dazu sämtliche Statistiken durchsehen und vergleichen. Ich stoße auf eine Liste aller acht Eurotransplant-Länder und deren Organspender*innen aus dem Jahr 2016. Es waren insgesamt 2.021. Aber Ende 2016 warteten allein mit 10.476 Menschen fünfmal so viele auf eine Niere. Auch wenn eine höhere Anzahl von potentiellen Spender*innen wünschenswert wäre, so ist es doch eine sehr persönliche Entscheidung. „Die Entscheidung für oder gegen die Organ- und Gewebespende berührt das Selbstbestimmungsrecht eines jeden einzelnen Menschen. Beide Entscheidungen sind gleichermaßen zu respektieren“, sagt Christina Auffenberg. Ich mache mir dieses Selbstbestimmungsrecht zunutze und habe meinen Ausweis ausgefüllt. Seitdem gehöre ich zu den 32 Prozent der 81 Prozent pro-Organspende-Menschen, die einen Organspendeausweis bei sich tragen.

 


Einen Organspendeausweis kann man auch bei bei Krankenkassen, Krankenversicherungsunternehmen sowie Pass- und Meldeämtern abholen. Auch in einigen Arztpraxen oder Apotheken gibt es ihn.

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