Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Nichts zum Anziehen im Schrank

Ab in den schwarzen Sack. [Symbolfoto: Magdalena Kensy]

03.10.2020 09:40 - Magdalena Kensy

Kleidung begleitet uns ein Leben lang, als Kinder werden die Anziehsachen noch von den Eltern ausgesucht und in der Jugend wird ein neuer Style ausprobiert. Es gibt immer neue Anreize der Modeindustrie, Kleidung kaufen. Doch was passiert mit den Sachen, die nicht mehr getragen werden? Der Kleidercontainer, Spenden oder ab in den Müll?

Bluten für die Umwelt

Ein Ratgeber für nachhaltige Periodenprodukte.
 

Läden werben mit Ausverkäufen, Saisonrabatten oder mit ihrer neuesten Kollektion. Warum das ein Warnzeichen sein sollte – und kein Schnäppchen ist – erkennt man aktuell an dem Altkleidermarkt, der vor dem Kollaps steht. Weggeschmissene Kleidung ist von der Qualität her so schlecht, dass niemand mehr etwas damit anfangen kann. Altkleidercontainer, welche für Spenden  gedacht sind, können ihren Zweck nicht mehr erfüllen. Gut erhaltene Kleidung wird zum Teil auch an Secondhand-Läden in Deutschland oder Westeuropa verkauft.

Die Alternative Recycling stößt ebenfalls an Grenzen: „Es ist tatsächlich so, dass von Textilien, die in die Altkleidersammlung gegeben werden, lediglich noch 50 bis 60 Prozent überhaupt tragbar sind. Und dann stellt sich natürlich die Frage: Was machen wir mit den anderen 40 bis 50 Prozent?“, erklärt Thomas Ahlmann, Leiter des Dachverbands Fairwertung von gemeinnützigen Altkleidersammlern.

Statt zu recyceln muss, wenn es überhaupt möglich ist, downgecycelt werden. Was nicht über Second Hand weiterverkauft werden kann, geben Sortierbetriebe an Recyclingbetriebe, wo Putzlappen, Dämmmaterial oder Malervlies aus dem übrigen Material produziert wird. Kleidung hochwertig zu recyceln ist bisher technisch kaum möglich. Fasern aus alten Blusen oder Hosen zurückzugewinnen, um neue Kleidung zu produzieren, funktioniert kaum. „Man schätzt, dass weltweit gesehen weniger als ein Prozent der Fasern aus Alttextilien tatsächlich wieder in eine neue Kleidung kommt. Also insofern findet Faserrecycling in der Textilindustrie nicht statt.“

Hungerlohn, Plastik und Chemikalien

Doch woher kommt die Flut auf die Altkleidercontainer? Das Stichwort lautet: Fast Fashion. „Clothes that are made and sold cheaply, so that people can buy new clothes often“, so lautet die Definition des Cambridge Dictionary. Klamotten, die günstig hergestellt und verkauft werden, sodass Menschen immer öfter neue kaufen. Vor dem Urlaub noch schnell eine Badehose oder einen Bikini kaufen, nochmal ein Shirt, welches so aussieht wie die anderen im Schrank, nur weil es gerade reduziert ist. Jede:r Deutsche kauft im Jahr durchschnittlich 60 Kleidungsstücke. Modelabels wie Zara und H&M richten sich nicht mehr nur nach den Jahreszeiten. Stattdessen kommen bei Zara 24 Kollektionen pro Jahr auf den Markt. Bei H&M sind es zwölf. Innerhalb von 14 Jahren (2000 bis 2014) ist die Anzahl der gekauften Kleidungsstücke pro Jahr um 60 Prozent gestiegen. Während zur selben Zeit die Tragezeit der Kleidungsstücke um die Hälfte gesunken ist. 

Die Überlastung der Altkleidercontainer bekommen die Verbraucher:innen nur am Rande mit. Die Folgen sind jedoch viel gravierender. Arbeitsbedingungen und Umwelt müssen den Bergen von produzierten Kleidungsstücken standhalten. Die erhöhte Nachfrage nach immer mehr, immer günstigerer Kleidung führt zur Ausbeutung von Textilarbeiter:innen in Entwicklungsländern. Schlechte Bezahlung, welche kaum zum Leben reicht, und geringer Arbeitsschutz sind für die Arbeiter:innen nicht wegzudenken, während das nächste Kleidungsstück genäht wird.

Zwei Kollektionen pro Monat auf den Markt zu bringen hat enormen Einfluss auf die Umwelt. Die produzierte Ware der gesamten Modeindustrie in das Geschäft zu den Endverbraucher:innen zu liefern, verursacht jährlich über eine Milliarde Tonnen CO2, weit mehr als der gesamte Flugverkehr. Mikroplastik und giftige Chemikalien gelangen bei jedem Waschgang ins Wasser. Und 100 Prozent Baumwolle bedeutet nicht, dass das Kleidungsstück die Umwelt weniger belastet. Die Herstellung benötigt 15.000 Liter Wasser pro Kilo. Gerade in Ländern mit Dürreperioden eine außerordentliche Belastung.

Was Endverbraucher:innen tun können

Die Lösung des Problems liegt bei zwei Parteien, den Endverbraucher:innen und den Herstellern. Hersteller argumentieren, dass Verbraucher:innen die Kleidung kaufen und eine Nachfrage da ist. Die Nachfrage besteht, weil das Angebot zum Kleidungskauf auf dem Markt ist. Gleichzeitig kann die vorhandene Kleidung sorgsam behandelt werden. Wer sein langweiliges Shirt nicht mehr sehen kann, muss nicht unbedingt in den nächsten Laden ein neues kaufen. DIY, Do it yourself! Im Internet kursieren die verschiedensten Varianten, langweilige Sachen mit eigener Hand ein neues und modernes Leben einzuhauchen.

Langsame Mode konzentriert sich auf zwei Saisons pro Jahr.

Es gibt auch auf der Herstellerseite einen Gegenentwurf zur Fast Fashion: Slow Fashion. Langsame Mode konzentriert sich auf zwei Saisons pro Jahr, nutzt möglichst schonend hergestellte und recycelbare Materialien und achtet darauf, dass die jeweiligen Kleidungsstücke länger haltbar sind. Menschen- und Arbeitsrecht haben Priorität. Zwar muss für ein Slow Fashion Kleidungsstück etwas tiefer in die Tasche gegriffen werden, aber die längere Lebensdauer gleicht das wieder aus. 

Wer nicht so tief in die Tasche greifen kann oder will, schaut vielleicht einfach im Second Hand Laden vorbei. Da bekommt jedes Kleidungsstück eine zweite oder dritte Chance und ihr vielleicht ein neues Lieblingsteil. 

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