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GESELLSCHAFT

Mit gutem Gewissen investieren: Geht das?

Ist Grünes Wachstum möglich?

[Foto: pixabay]

23.03.2021 16:59 - Özgün Ozan Karabulut

Ökologisches und ethisches Investment ist längst kein Nischenthema mehr. Etablierte Finanzdienstleister achten auf Klimaneutralität und bieten Finanzprodukte nach bestimmten Kriterien an. Kann man nachhaltige Geldanlagen und Wachstum miteinander vereinbaren? Wir haben mit Helge Peukert, Professor für Plurale Ökonomik an der Universität Siegen, darüber gesprochen. 

Wer sein Geld an der Börse in Form von Aktien, Anleihen oder in Fonds anlegt, ist meistens auf langfristigen Gewinn bedacht. Auswirkungen auf Gesellschaft oder Umwelt werden bei der Wahl des Portfolios oder der Anlage traditionell seltener berücksichtigt. Im Fokus stehen die Rendite und das Potenzial einer Aktie, sie sind einer der ausschlaggebenden Kriterien für ein mögliches Investment. In den letzten Jahren geht der Trend hin zu Finanzprodukten mit einem ökologischen und nachhaltigen Anspruch. Marktführer wie der weltweit größte Vermögensverwalter BlackRock werben mit Nachhaltigkeit und Verantwortungsbewusstsein.

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Kriterien für nachhaltige Fonds werden unter dem Oberbegriff Environmental, Social, und Corporate Governance (ESG) zusammengefasst. Neben ökologischen und sozial Aspekten wird eine gute Unternehmensführung beachtet. ESG ist bisher kein geschützter Begriff. „Viele der ESG-Angebote sind eher grün angestrichen als tatsächlich ökologisch, dank manchmal äußerst großzügig ausgelegter Auswahlkriterien“, bemängelt Helge Peukert, Professor für Plurale Ökonomik an der Universität Siegen.

Die Auswahlkriterien für ESG-Fonds sind nicht einheitlich definiert, auf der EU-Ebene soll dies mittels eines taxonomischen Werks gelöst werden. „Das wird auf eine Ampellösung hinauslaufen. Die Ampel an sich ist gut, nur die Frage ist, wann ist was grün, das ist schon problematisch“, meint Peukert. Dr. Karin Bassler, Geschäftsführerin beim Arbeitskreis Kirchlicher Investoren, sieht die Regularien seitens der Politik eindeutig und verständlich vermittelt: „Die Grüne Taxonomie bestimmt ganz klar für jede Branche, was klimaschädlich ist und was nicht. Die EU hat sich verpflichtet, bis 2050 klimaneutral zu werden, diesem Ziel unterliegen wir alle.”

Grün oder verwässert?

Einige Themenfonds sind auf erneuerbare Energien spezialisiert: „Wir können uns Elektromobilität aber ökologisch gesehen eigentlich gar nicht leisten. Für die Batterieteile werden die Anden zerstört, das ist nicht nachhaltig“, kritisiert Peukert die Zusammensetzung der Fonds. Für Anleger:innen ist die Diversifizierung von besonderem Interesse. Indem das Vermögen in verschiedene Branchen oder Unternehmen angelegt wird, kann das Risiko vermindert werden. Ein möglicher Verlust bei einem Unternehmen kann in einem breit gestreteutem Portfolio ausgeglichen werden. Die meisten grünen Fonds sind laut dem Siegener Wirtschaftsprofessor jedoch zu stark diversifiziert. „Je breiter diversifiziert ein grüner oder ethischer Fonds ist, desto stärker verwässert wird er auch zwangsläufig und wird seinem Anspruch weniger gerecht“, so Peukert.

Ethisches Investment-2.jpg
Die Börse ist nur einen Klick entfernt. [Foto: pixabay]
 

Für Bassler können Divestment und Ausschlusskriterien in Geschäftsbereichen wie Kohleförderung und Rüstung hilfreiche Instrumente sein, um Einfluss auf die Unternehmen auszuüben: „Wenn es um kontroverse Geschäftspraktiken geht, ist es uns als große institutionelle Anleger wichtig, den Hebel, den wir haben, zu nutzen, um Unternehmen in Hinblick auf Wahrnehmung von Schöpfungsverantwortung und Beachtung von Menschenrechten voranzubringen.“ Für sie sind ethisches Investment und Rendite bei Beachtung einiger Kriterien durchaus miteinander zu vereinbaren. Privatanleger:innen sieht sie in der Pflicht, sich mit dem eigenen Verhalten an der Börse auseinanderzusetzen: „Jeder muss selber für sich entscheiden, was ein No-Go ist. Das Angebot ist groß, es kann einem niemand die Arbeit abnehmen, die Kriterien für sich selber festzulegen und sich schlau zu machen.“

Für Peukert ist der Zielkonflikt zwischen Rendite und Nachhaltigkeit fundamental. Für ihn sind die ESG-Angebote nicht ausreichend, um grundlegende Veränderungen herbeizuführen: „Grüne Geldanlagen besitzen momentan verschiedene elementare Schwachpunkte, sodass man nur extrem wenige als hilfreiches Element im Kampf gegen den Klimawandel ansehen kann. Überhaupt kann man sich fragen, ob grüne Investments im gegenwärtigen Finanzsystem Konstruktives bewirken können.“

Fondsgesellschaften und Finanzdienstleister seien in der Pflicht zu handeln: „Sie müssten mal wirklich zu einem vernünftigen Preis grüne Sachen auflegen, das tun die aber nicht.” Eine mögliche Alternative könne hierbei die Bundesregierung darstellen. „Wieso sollte man nicht in Konkurrenz zu Privatanbietern treten? In dem Moment, wo viele das staatliche Angebot wahrnehmen, würden die Privaten in den Wettbewerb treten und selbst aktiv werden“, meint Peukert. Inwieweit Anleger:innen Ethik und Nachhaltigkeit mit ihrem Investment vereinbaren, hängt von den eigenen Präferenzen, Intentionen und Wertvorstellungen ab. Das wachsende Angebot an ethischen und ökologischen Finanzprodukten ist gestiegen. Die Entscheidung über das eigene Investmentverhalten können die Anbieter einem erleichtern, aber nicht vollständig abnehmen.

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