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GESELLSCHAFT

Meine (gar nicht mal so) goldenen Zwanziger

Rechts oder links: Welcher Weg ist der Richtige? [Foto: Lena Janßen]
26.06.2021 13:52 - Lena Janßen

akduell-Redakteurin Lena ist noch keine 30 Jahre alt – sie ist Jahrgang 1993 – dennoch rückt der Tag des runden Geburtstages immer näher. Dabei war sie doch gerade erst Anfang 20. Zeit für ein Resümee.

Eine Kolumne von Lena Janßen

Zehn Jahre sind eine lange Zeit. Das dachte ich mit zarten 20, frisch von zu Hause aus- und in die eigenen vier Wände eingezogen. Mit Träumen, Zielen und großen Plänen im Gepäck. Relativ bald stellte ich allerdings fest: Ich hab keinen Plan. Von nichts. Zum ersten Mal alleine für mich selbst zu sorgen war eine größere Herausforderung, als ich bis dahin vermutet hatte. Wäsche waschen, einkaufen, kochen, zur Uni gehen, einen Nebenjob finden: Ich tat mich schwer damit, alles unter einen Hut zu bekommen. 

Bitte nicht anfassen

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Ich musste an die Worte meine Mutter denken, die mich vor meiner Leichtfertigkeit gewarnt hatte: „Es wird nicht alles rosig sein, so wie du es dir vorstellst. Alleine leben heißt Verantwortung übernehmen.“ Ich tat ihre Worte ab. Doch wie das mit Müttern so ist: Sie sollte Recht behalten.

Die ersten zwei Jahre meiner 20er verbrachte ich in einer Wohngemeinschaft in Bonn. Nach einem halben Jahr lief dort nichts mehr, wie ich es mir erhofft hatte. Schon nach einem Semester brach ich das Studium ab und begab mich stattdessen in therapeutische Behandlung. Diagnose: Depressionen. Selten habe ich mich so verloren gefühlt, wie in dieser Zeit. Ich hatte keine Perspektive für die Zukunft. Wusste nicht, was ich beruflich machen will. Mein Kopf redete mir ein: „Du kannst eh nichts.“ Ich glaubte es.

Depression versus Zukunftspläne

Anderthalb Jahre jobbte ich als Nanny, bis ich mich entschied einen Neustart zu machen. Hauptsächlich weil meine Eltern mich dazu drängten etwas mit meinem Leben anzufangen. Dem äußeren Druck konnte ich nicht standhalten. Obwohl ich mich noch nicht bereit fühlte, schickte ich Bewerbungen an Universitäten in ganz NRW. Die Universität Duisburg-Essen war die einzige, von der ich eine Zusage bekam. Kurz darauf zog ich nach Duisburg und begann erneut zu studieren. Wieder sollte die Depression mir einen Strich durch die Rechnung machen. Mit 23 Jahren ging ich für drei Monate in die Psychiatrie und mit 24 erneut für mehrere Wochen. Bei der Hälfte meiner 20er angekommen, konnte ich ein abgebrochenes Studium vorweisen und hatte beim erneuten Versuch die Regelstudienzeit bereits weit überschritten. Dabei war mein Plan ein ganz anderer gewesen: Mit 25 Jahren wollte ich den Bachelor abgeschlossen haben, arbeiten und nebenbei im Master studieren. Stattdessen lag ich Tag für Tag depressiv im Bett, mit keinerlei Perspektive für die Zukunft.

Es kostete mich viel Arbeit an mir selbst, bis sich das Blatt Stück für Stück wendete. Nach zwei Jahren Auszeit konnte ich mein Studium wieder aufnehmen, mit mehr Enthusiasmus und Freude als je zuvor. Erfüllung fand ich durch das Fach dennoch nicht. Lange Zeit wägte ich das Für und Wider ab, dann entschied ich auch dieses Studium ohne Abschluss zu beenden und stattdessen einen Quereinstieg in den freien Journalismus zu wagen. Durch Kontakte, die ich über die Jahre gesammelt hatte, war ein sanfter Einstieg in das Berufsfeld möglich und erleichterte mir die Entscheidung, mein Studium abzubrechen. 

Seit Beginn meines 20. Lebensjahres bin ich einige Umwege gegangen. Umwege, mit denen ich nicht gerechnet habe. Dennoch ist es gut, wie es gekommen ist. Heute weiß ich, dass ich nicht glücklich geworden wäre mit einem Studium, das ich nur durchgezogen habe, um es durchzuziehen. Stattdessen habe ich zu mir und meinen Bedürfnissen gestanden. Mein Leben mit 28 Jahren ist sicher nicht so, wie die 20-jährige Lena es geplant oder sich erträumt hat. Es ist ein anderes Leben, aber dafür nicht weniger gut. 
 

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