Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Mein „Nein“ reicht aus

Mein Nein zählt mehr als mein Bezieungsstatus. [Symbolbild:pixabay]

20.04.2020 14:46 - Laura Lindemann

Wenn ich früher mit 14 Jahren bei einer U16-Disco mit meinen Freundinnen und einem lauwarmen Becks-Lemon abtanzte, war es für uns gang und gäbe jeden uns lästig werdenden Typen mit einem „Sorry, aber ich bin vergeben“ abzuwimmeln. Damals hinterfragte ich diese Handlung nicht. Ich war froh, den meist aufdringlichen Kerl losgeworden zu sein. Denn es war doch selbstverständlich, dass man vergebene Mädels nicht antanzt. Einfach keine Lust zu haben, das zog nicht. Heute bin ich darüber wütend. 

Ein Kommentar von Laura Lindemann

Neulich schrieb mich ein Typ in meinem Alter bei Instagram an. Er redete von einem „Boomerang-Effekt“, den sein Herz beim Anblick meines Profils bekommen habe und ob wir uns nicht kennenlernen wollen. Ich musste kurz an mein 14-jähriges Ich zurückdenken. Damals hätte ich ihm geschrieben, dass ich in einer Beziehung bin und deshalb nicht mit ihm schreiben kann. Ob das stimmte oder nicht, spielte keine Rolle. Alle in meinem Umfeld machten das so. Diesmal antwortete ich höflich, aber deutlich, dass ich kein Interesse habe und nicht mit ihm schreiben möchte. Denn nur das ist die Wahrheit. Ich legte mein Handy beiseite und beschäftigte mich nicht weiter mit der Sache. Kurz darauf prasselten Nachrichten auf mich ein wie „Das kann sich ja sicher noch ändern“ oder „Neue Kontakte sind doch immer gut“. Blockieren? Wütend ignorierte ich ihn. Dann die Nachricht: „Außer du bist vergeben, dann ist es sinnlos und ich lasse dich in Ruhe.“ Blockieren bestätigen? Auf jeden Fall! 

Die Situation ist auf vielen Ebenen dramatisch. Erst einmal scheinen meine Meinung, meine Gefühle und mein Wort keine Bedeutung für das Gegenüber zu haben. Erst wenn ein anderer Mann ins Spiel kommt, hat mein Nein einen Wert. Ich werde als Frau mit meiner Meinung nicht ernst genommen und respektiert.

Ich bin erschrocken über die Situation und fühle mich ins Mittelalter zurückkatapultiert. Wenn früher die Väter entschieden, wen es zu heiraten galt, entscheidet heute mein Beziehungsstatus darüber, ob ich blöd angemacht werden darf oder nicht. Mit diesen veralteten Denkmustern muss gebrochen werden. Neun von zehn Personen aus dem Kreis meiner Liebsten kennen die Situation, ihr Desinteresse einer Person gegenüber auf eine*n Beziehungspartner*in zu schieben. Acht von ihnen sind weiblich und haben die Erfahrung mit Männern gemacht, die bei einem einfachen „Nein“ nicht locker ließen. Ganz nach dem Prinzip: Ein Männchen kämpft um ein Weibchen und ob es gewinnt, ist nicht abhängig von der Frau, sondern von dem*der Beziehungspartner*in. Dieses Phänomen zeigt Alltagssexismus in seiner Reinform, den es zu bekämpfen gilt. Wenn ich jetzt meinen Gin-Tonic schlürfe und dumm angemacht werde, weiß ich, dass ich meine Ausrede von früher nicht brauche. Denn wer mein Nein nicht akzeptiert, der glaubt, irgendwelche Besitzansprüche an mich zu haben. Und das hat wirklich niemand außer mir selbst. 
 

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