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GESELLSCHAFT

Magnitz und der Domino-Effekt

                                  (Symbolbild: flickr.com/ Marco Verch / CC BY 2.0)

11.01.2019 18:15 - Maren Wenzel

Ein Kommentar von Maren Wenzel

Warum der AfD-Politiker Frank Magnitz am Montagabend in Bremen von drei Tätern verfolgt und anschließend angegriffen wurde, ist bislang unklar. Dennoch richten sich Bremer Polizei, Bremer Politik und sogar der Bundespräsident nach der Darstellung der AfD, die einen „Mordanschlag aus politischen Motiven” propagiert. Sie überlassen damit statt den Fakten der rechten Partei die Deutungsmacht.

Oft verlaufen Debatten über ein Ereignis wie eine Reihe umfallender Dominosteine. A sagt und dann sagen B, C und D ähnliches wie A. Die AfD, so scheint es, hat es leicht, Debatten anzustoßen und tut das eifrig. Noch bevor die Polizei den Tatvorwurf bekannt gab, sprach AfD-ler Magnitz von einem „Mordanschlag“, AfD-Chef Gauland von einem „ganz klaren Mordversuch“. Nach Sichtung des Videomaterials vom Tatort, das mittlerweile von der Polizei auch veröffentlicht wurde, stellte sich heraus: Es gab kein Kantholz und auch keine Tritte wie von Magnitz behauptet. Der Tatvorwurf lautet Gefährliche Körperverletzung und nicht versuchter Mord.

ZEIT ONLINE spricht trotzdem weiter von einem „Attentat“, Medien wie die Tagesschau zitieren Magnitz fortlaufend mit der Deutung eines „Mordanschlages“. Und das obwohl sie gleichzeitig berichten, dass die Polizei lediglich wegen Gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Damit zeichnen sie ein dramatischeres Bild vom Ereignis. Eine solche Berichterstattung erhöht die Aufmerksamkeit für die AfD.

Noch etwas ist auffällig in dieser Debatte. Aufgrund von Magnitz’ Funktion als AfD-Politiker vermuten Bremer Polizei und Staatsanwaltschaft eine politisch motivierte Tat. Bemerkenswert, wie früh sie öffentlich so spekulieren können.

Der AfD spendet so ein Mutmaßen jedenfalls Rückenwind. Denn auch Gauland macht für den Angriff „Hetze“, die der AfD von Seiten der Politik und Medien entgegenschlage, verantwortlich. Dass aus den Reihen der Rechten immer wieder rassistische, islamfeindliche, frauenfeindliche, antisemitische und menschenfeindliche Ausfälle stammen, gehört hier zwingend zum ganzen Bild.

Trotzdem folgt die Bremer Landesregierung der AfD indem sie von „Gewalt gegen Andersdenkende“ spricht. Und zuletzt schreibt auch noch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in einem Offenen Brief an Magnitz von „Politischer Gewalt“ gegen die AfD. Zur Erinnerung: Es fehlt bislang wirklich jegliches Motiv. Was passiert, wenn es doch versuchter Raub war oder die Täter nicht ermittelt werden?

Aber wen interessiert das schon, wenn die sinnbildlichen Steine dieser Debatte mit einem „Klick-Klick-Klick-Klick“ bereits fallen? Für dieses Phänomen gibt es übrigens einen Begriff aus der Psychologie: ‘Selektive Wahrnehmung’. Die AfD hat wieder einmal bestimmt, wie ein Ereignis wahrgenommen und worüber gesprochen wird. Es sollte alarmierend sein, dass eine rechte Partei das nach wie vor tun kann. Auch weil sowohl Politik als auch Medien immer noch die Diskursmacht der AfD stützen.

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