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GESELLSCHAFT

“Lösch dich, du Fotze!” - Diskriminierung in der Gamingszene

[Symbolbild: Kecko/flickr.com/CC BY-SA 2.0]
​​​​​​​10.12.2018 13:31 - Victoria Göres

#GamerleaksDE – dieser Hashtag hat in der letzten Zeit besonders auf dem Kurznachrichtendienst Twitter Wellen geschlagen. Das eigentliche Problem – Diskriminierung in der Gaming-Szene – ist bei weitem nichts Neues. Wieso ist es dennoch so präsent, wer leidet darunter und wie kann man dagegen vorgehen?

Anders als man bei dem Namen vermuten mag, wurden hierbei keine Details aus noch nicht erschienenen Spielen veröffentlicht (also „geleakt“). Es geht dabei vielmehr um die Gaming-Community an sich und insbesondere ihre Probleme. Dass es da teilweise alles andere als freundlich zugeht, ist nichts Neues – man muss sich nur einmal die Chats in Multiplayer-Spielen wie League of Legends ansehen, um zu wissen, dass da gerne mit Beleidigungen um sich geworfen wird. Genauso ist Sexismus in vielen Spielen ein ziemlich alter Hut. Wenn man da an die Debatten um beispielsweise GTA V aus dem Hause Rockstar North denkt, die bereits 2013 aufkamen, ist auch das etwas, was die Spieler*innen gut kennen.
Was ist also dieses Mal mit den Gamerleaks anders als davor? Wie gesagt geht es dabei explizit um die Community an sich, nicht um das, was beispielsweise Publisher und Entwickler tun. Denn was die Gamerleaks ansprechen, reicht deutlich weiter als „nur“ Beleidigungen im Chat. Diese sind nur das Resultat sexistischer, rassistischer und ableistischer Strukturen, die die Gamingszene in einem enormen Ausmaß durchziehen.

Hass und Hetze im Netz

Unter dem Hashtag #GamerleaksDE schilderten Betroffene in den letzten Tagen und Wochen ihre Erfahrungen. Ähnlich wie beispielsweise bei #metoo berichteten insbesondere Frauen* davon, wie oft sie aufgrund ihres Geschlechts oder auch ihrer Herkunft von Mitspielern* diskriminiert wurden. Die Erfahrungen reichten von diskriminierenden und abwertenden Kommentaren bis zu sexueller Belästigung und sogar Drohungen. Außerdem berichteten viele, wie auf Sprachchat-Servern von Discord und Teamspeak der Nationalsozialismus glorifiziert,  der Holocaust geleugnet und systematische Hetze betrieben wird.

Der Diskriminierung wird Raum geboten, anstatt entschieden dagegen vorzugehen.

Erschreckend dabei ist: Für die Betroffenen ist das nahezu Alltag. Viele Frauen* nutzen keine Sprachchats, aus Angst vor negativen Erfahrungen. Zu Recht, möchte man meinen. Diejenigen, die unter dem Hashtag berichteten und die Diskriminierung thematisierten, ernteten vor allem eines: Hass. Beleidigungen und Hetzkampagnen gegen größere Accounts, die von Erfahrungen berichteten und Vergewaltigungsdrohungen füllten die Kommentarspalten unter den Posts. Das kommt einem doch glatt bekannt vor. Im August 2014 machte #Gamergate die Runde – Eine Hasskampagne, die neben der amerikanischen Entwicklerin Zoë Quinn auch andere Frauen* der Szene traf. Quinns Exfreund veröffentlichte einen Blogpost, in dem er sie fälschlich beschuldigte, ihren Erfolg durch sexuelle Gefälligkeiten erreicht zu haben und löste damit eine organisierte Welle des Hasses aus. Darauf folgte eine große Debatte über Sexismus in der Szene.
Diskriminierende Strukturen in der Community sind also längst bekannt. Ein handfestes Problem, das sich nicht auf der schier unerreichbaren Ebene der Entwickler*innen, der Serverbetreiber*innen oder dergleichen abspielt. Ein Problem, das an der Basis, wo die breite Masse ist, stattfindet. Wieso ist dieses Thema, obwohl es schon so lange bekannt, immer noch so groß?

Ubisoft zeigt, wie es geht

Die Antwort ist recht einfach – jede*r, der*die in einem Spiel oder in Social Media einmal einen Account gemeldet hat, kennt das. Viel zu oft kommt bei rechtswidrigen oder beleidigenden Inhalten die Meldung „Kein Verstoß gegen unsere Richtlinien“ zurück, das Posten solcher Inhalte bleibt oft folgenlos. Auch soziale Netzwerke wie Facebook haben enorme Probleme mit Hasskommentaren und dennoch scheint alles Melden und Thematisieren nichts zu nützen. Der Diskriminierung wird so Raum geboten, anstatt entschieden dagegen vorzugehen.

Dabei ist es nicht utopisch oder unrealistisch, solchem Verhalten Einhalt zu gebieten. Ubisoft ist es in Rainbow Six: Siege gelungen, ein schnelles und effektives System gegen Diskriminierung zu schaffen. Der Chat im Spiel ist „gefiltert“ – bestimmte diskriminierende Worte werden automatisch erfasst und direkt geahndet. Wer also im Chat gegen andere hetzt, wird sehr schnell temporär gebannt, Wiederholungstäter*innen werden härter bestraft.

Damit zeigt Ubisoft eine klare und eindeutige Haltung – etwas, was in der Gamingszene viel zu selten ist. Oft überlässt man die Spieler*innen sich selbst. Die Mehrheit der Communitymitglieder ist dabei gar nicht diskriminierend, schweigt allerdings, anstatt sich zu solidarisieren. So wird oft unbewusst das Signal gesendet, dass man diese Diskriminierung toleriert. Dabei geht es doch so einfach – Ubisoft macht es vor. Daher muss in der Gaming-Community vor allem eins passieren: Mund aufmachen, laut werden, Position beziehen und sich mit den Opfern solidarisieren – schließlich sind wir Gamer* eigentlich gute Teamplayer. Es wird Zeit, dass wir das zeigen.

 

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