Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Lebensverkürzende Maßnahmen im 21. Jahrhundert

Soll eine belanglose Nachricht wirklich die Letzte sein? [Foto: Magdalena Kensy]

17.06.2019 14:07 - Magdalena Kensy

Schon mit 17 darf man in Begleitung der Eltern hinter das Steuer. Nicht selten sitzen die Fahrer*innen alleine im Wagen und haben dabei das Handy in der Hand und das Navigationsgerät eingeschaltet. Warum das zu großen Problemen führen kann, hat uns der Polizeibeamte André Krüger erzählt. Eine Studie des ADAC zeigt zudem, dass Gefahren auch bei anderen kleinen Ablenkungen drohen. 

Aus dem Autoradio heraus beginnt der Nachrichtensprecher die Staumeldungen zu präsentieren. Wegen eines Unfalls gibt es kilometerlange Staus; wenn es ein schwerer und großer ist, wird darüber auch in den Lokalnachrichten im Fernsehen berichtet. Am Abend erfährt man, dass der*die Fahrer*in die Kontrolle über das Fahrzeug verloren hat. Dieses Szenario ist kein Einzelfall, täglich hört man über Unfälle, welche Staus auf den Autobahnen und gesperrte Straßen in der Stadt verursachen. Eine Ursache ist die Benutzung des Handys während der Fahrt.
 
„Sobald der Motor des Pkw gestartet wird, darf das Mobiltelefon vom Fahrer nicht mehr aufgenommen oder gehalten werden“, gibt Polizeibeamter André Krüger zu verstehen. Falls doch, kann es zu einer hohen Geldbuße kommen. „Die Benutzung eines Handys wird mit 100 Euro und einem Punkt in Flensburg bestraft.“ Smartphones werden immer weiter entwickelt, um möglichst viel Service zu bieten. Ob man während der Fahrt ein Handy oder ein Navigationsgerät benutzt, macht keinen Unterschied. Es ist nicht von Bedeutung, welches Modell oder welche Marke jemand besitzt. Doch ist es verheerender, was das einzelne Modell noch für zusätzliche Spielereien besitzt, um den*die Fahrer*in die Konzentration zu nehmen.

Krüger berichtet, dass aus jeder Generation Autofahrer*innen mit dem Handy am Steuer sitzen. Jüngere Autofahrer*innen nutzen Smartphones deutlich häufiger als ältere. Das liegt daran, dass bei jüngeren Menschen die Handynutzung allgemein viel höher liegt. Nicht selten werden aber auch ältere Bürger*innen angehalten, weil Sie nicht mit der Freisprechanlage telefoniert haben, sondern das Handy am Ohr hatten, so Krüger.

Eingreifen bevor es zu spät ist

Im Jahr 2018 gab es nach Angaben des deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) 67.913 Schwerverletzte und 3270 Tote bei Verkehrsunfällen. Im Februar 2019 kamen alleine 192 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) ist das im Vergleich zum Februar 2018 ein Anstieg um 3,8 Prozent. Die Zahl der Verletzten erhöhte sich im selben Zeitraum um 0,8 Prozent. Um der Zahl der Verkehrsopfer entgegen zu wirken, gibt es seit dem Jahr 2008 die

Bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h legt der*die Autofahrer*in bei einer einsekündigen Ablenkung unbemerkt 14 Meter zurück.

Verkehrssicherheitskampagne „Runter vom Gas“.  Dies wurde vor 11 Jahren vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und dem DVR ins Leben gerufen. Die Plakate warnen mit dem Slogan „#TippTippTot“ vor der Handynutzung am Steuer. 
 
Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und DVR Geschäftsführerin Ute Hammer demonstrierten im Juni 2018 zur Kampagne, wie gefährlich die Handynutzung am Steuer sein kann. Bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h legt der*die Autofahrer*in bei einer einsekündigen Ablenkung unbemerkt 14 Meter zurück. Scheuer kommentierte diese Demonstration in dem Bericht des DVRs wie folgt, “Eine Nachricht auf dem Smartphone getippt, bedeutet über 250 Meter blind fahren. Damit riskiert man nicht nur das eigene Leben, sondern auch das der anderen Verkehrsteilnehmer.” 

Der Druck ständig erreichbar zu sein oder etwas zu verpassen, lenkt die Hand oft zum klingelnden oder vibrierenden Smartphone. Die Selbsteinschätzung, eine Nachricht schreiben zu können und zeitgleich den laufenden Verkehr zu folgen, ist ein Mythos. 90 Prozent der relevanten Informationen im Straßenverkehr werden über unsere Augen aufgenommen. Nach Meinung von Hammer sollten deswegen auch Beifahrer*innen einschreiten, wenn der*die Fahrer*in zum Handy greifen möchte. 

Es ist okay nicht erreichbar zu sein

Das Navigationsgerät gilt als gutes Mittel um von einem Ort zum anderen zu gelangen. Der ADAC fand 2015 in einer gemeinsamen Studie mit dem österreichischen Automobilclub ÖAMTC heraus, dass der Blick beim Bedienen des Navigationsgeräts am längsten von der Straße weg wich. Dicht gefolgt vom Telefonieren mit dem Handy.

Doch auch andere Nebentätigkeiten wirken sich auf das Fahrverhalten aus. So hat die Studie bewiesen, dass selbst bei geringen Geschwindigkeiten 76 Prozent der Fahrer nicht vor plötzlich auftretenden Hindernissen hätten bremsen können. Aktuelle Crashtests haben gezeigt, dass nachträglich angebrachte Geräte oder Verschönerungen zu Verletzungen bei einem Unfall führen können. Der Wunderbaum zum Beispiel, welcher an den Innenspiegel gehängt wird. „Diese Bewegung nimmt bis zu 30 Prozent der Konzentration des Fahrers in Anspruch“, warnt Arnulf Volkmar Thiemel vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg in Bayern in einem Bericht des Spiegel.

Wer sich selbst ertappt und zugeben muss, das Handy bei der Fahrt öfter in der Hand zu haben als gedacht, für den hat Krüger noch einen Rat: „Entweder man schaltet sein Handy auf lautlos und legt es in die mitgeführte Tasche oder aber man schaltet den Flugmodus ein, sodass man erst gar keine Nachrichten oder Anrufe empfängt.“ Für 15 Minuten nicht erreichbar zu sein ist nichts Schlimmes, die Welt dreht sich weiter. Bevor der Motor gestartet wird kann zur Not noch eine Nachricht verschickt werden mit den Worten: „Sorry ich sitze gerade im Auto. Bin jetzt erstmal nicht erreichbar.“
 

Der 1. Mai in Duisburg: Proteste gegen Rechte Hetze

Drei akduell-Redakteurinnen haben die Proteste rund um den 1. Mai in Duisburg begleitet.
 

KSK feiert gelungene Premiere in Essen

Seit 50 Jahren existiert der Kunsthistorische Studierendenkongress. Nun war Essen erstmals Gastgeberstadt – mit Erfolg.
 

!Vom Stammtisch

Warum sich keine Sau für Hochschulpolitik interessiert

 
Konversation wird geladen