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GESELLSCHAFT

Lebensmittelverschwendung senken mit Too Good To Go: Zu gut, um wahr zu sein?

Auch Ketten wie Backwerk verkaufen Lebensmittel über Too Good To Go. [Foto: Lara Wantia]
29.07.2022 16:29 - Lara Wantia

Das Unternehmen Too Good To Go setzt sich mit seiner App dafür ein, dass Supermärkte, Restaurants und Bäckereien weniger Lebensmittel verschwenden. Wie gut funktioniert das?

In einer kleinen Bäckerei-Filiale in einer Stadt im Ruhrgebiet hat sich eine Schlange gebildet. Es ist abends, halb sieben, die Theke fast leergeräumt. Die Kassiererin reicht eine Brötchentüte nach der anderen über die Theke. „Für Sie auch Too Good To Go?“, spricht sie die nächste Kundin an. Sie muss nicht mehr erklären, was das ist, jeder im Laden scheint es zu kennen. Die Kundin nickt und nimmt zwei vollgepackte Tüten entgegen. 

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Vor allem in größeren Städten nutzen viele Restaurants, Bäckereien und Supermärkte Too Good To Go. Die App soll dafür sorgen, dass Unternehmen weniger Lebensmittel verschwenden, die sonst im Müll landen. Dafür zählt sie sowohl deutschlandweit oder international vertretene Ketten wie Starbucks oder Rewe als auch regionale oder lokale Läden zu ihren Partnern. Kund:innen können auf einer Karte nach Angeboten in der Umgebung nach den Unternehmen suchen.

Die App zeigt die Restaurants, die Entfernung in Luftlinie, die verfügbaren Portionen und die Abholzeit an. Außerdem weist sie darauf hin, ob Kund:innen ein Gefäß brauchen, um das Essen mitzunehmen. Die App suggeriert den ursprünglichen Preis und den vergünstigten, für den Nutzer:innen die Portion bekommen.
Die Auswahl an Läden ist aber nicht immer groß. Wer in einem Stadtteil am Stadtrand lebt, dem zeigt die App entweder Läden an, die eine Bahn- oder Autofahrt von mindestens einer halben Stunde innerhalb dieser Stadt entfernt sind oder die in der nächsten größeren Stadt liegen. Oft erscheint der Hinweis: Hier gibt‘s gerade nichts zu retten.

Laut Bundesministerium für Ernährung werden in Deutschland 12 Millionen Tonnen Lebensmittel pro Jahr weggeworfen. Über die Hälfte entsteht in privaten Haushalten. 1,4 Millionen Tonnen entfallen auf die Primärproduktion, 2,2 Millionen Tonnen auf die Verarbeitung von Lebensmitteln und 0,5 Millionen Tonnen auf den Groß- und Einzelhandel. Dazu kommen 1,4 Millionen Tonnen für die Außer-Haus-Verpflegung, zu der Restaurants zählen. Löst Too Good To Go dieses Problem der Lebensmittelverschwendung?

Unternehmen müssen nachhaltig produzieren

Kritiker sehen Probleme im Konzept der App. Sie befürchten, dass diese Unternehmen nur eine weitere Plattform biete, um Lebensmittel zu verkaufen. Too Good To Go erhält für jede verkaufte Portion eine Provision. Das Unternehmen braucht also viele Bestellungen und dafür viele Partner, um Gewinn zu erzielen und zu wachsen. Der Vorwurf: Too Good To Go kommerzialisiere, dass Unternehmen zu viele Lebensmittel produzieren.

Laut der Umweltschutzorganisation WWF reicht es nicht, wenn Unternehmen nur darauf achten, wie sie übriggebliebene Lebensmittel weiterverkaufen können. Stattdessen müssten sie darauf achten, dass sie nachhaltig einkaufen und produzieren, um Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Wichtig seien zum Beispiel nachhaltige globale Lieferketten, bei denen Kleinbauern einen besseren Zugang zum Markt bekommen und die die Rohstoffe in den Anbaugebieten schützen.

Manche Unternehmen kooperieren nicht mit Too Good To Go, obwohl sie große Mengen an Essen wegschmeißen. „Wir hatten zwei riesige Mülltonnen voll mit Essen“, schildert ein ehemaliger Mitarbeiter eines Buffets. Er habe seine Chefs gefragt, warum sie das Essen nicht bei Too Good To Go anbieten. Sie haben sich dagegen entschieden: Aus Angst, dass die Menschen nicht mehr zum Essen kommen und das Buffet bezahlen würde, wenn sie die Lebensmittel „günstig an der Hintertür erwerben können“ und damit sich keine obdachlosen Menschen am Hintereingang versammeln. Ganz verhindern kann Too Good To Go die Lebensmittelverschwendung aktuell also nicht.

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