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GESELLSCHAFT

Lass wachsen

Ich lass meine Haare wachsen. Na und? [Foto: Lena Janßen]

09.06.2019 15:18 - Lena Janßen

Weibliche Körperbehaarung ist auch heute noch ein Tabu. Am Besten sollte den Körper einer Frau kein einziges Haar zieren (außer der Kopfbehaarung, die sollte möglichst lang sein) und zusätzlich sind viele von Körperbehaarung schnell angeekelt. Warum ich keine Lust mehr auf dieses Stigma habe. 

Ein Kommentar von Lena Janßen

Ich erinnere mich noch gut an den Tag, an dem ich aus der Schule nach Hause kam und zu meiner Mutter sagte: „Mama, ab heute muss ich mich rasieren.“ Ich war 14 und meine Klassenkameradinnen machten es alle. Beine und Achseln. Wer es nicht machte, war automatisch uncool, eklig und ging nicht mit der Zeit. Seitdem stand ich jeden morgen 15 Minuten eher auf und rasierte mich, denn auch Haarstoppeln waren nicht gern gesehen. Eines Tages im Hochsommer fragte eine Freundin mich, warum ich denn die Haare auf meinen Armen nicht auch rasieren würde. „Das geht gar nicht, mach die weg“, sagte sie und so begann ich auch diese Haare zu rasieren. Ich war glatt wie ein Babypopo.

Heute sehe ich die Sache mit der Körper-behaarung mehr als entspannt.

Erst einige Jahre später fing ich an, die Sache mit der Körperbehaarung von einer anderen Seite zu betrachten. Nachdem ein Exfreund mich immer wieder darauf aufmerksam gemacht hatte, das ich mich „auch mal wieder rasieren“ könnte, rasierte ich mich mehrere Wochen aus Protest nicht und stellte fest: Ich fühlte mich dadurch gar nicht unwohl und auch nicht weniger als Frau. Denn im Endeffekt sind es nur Haare. Sie erfüllen zum Beispiel den Zweck, unsere Haut vor Kälte zu schützen. Und ich verstehe auch nicht, warum bei diesem Thema Unterschiede zwischen den Geschlechtern gemacht werden. Männer dürfen überall am Körper ihre Haare wachsen lassen und gelten meist erst dann als richtig männlich (auch das ist ein Stigma). Bei Frauen ist es das genaue Gegenteil, sie gelten erst als attraktiv und ästhetisch, wenn sie sich die Beine, die Achseln und den Intimbereich rasieren. Ausnahme stellt allerdings die weibliche Kopfbehaarung dar, denn Frauen mit einer Kurzhaarfrisur werden oftmals als weniger weiblich und attraktiv deklariert.  

Heute sehe ich die Sache mit der Körperbehaarung mehr als entspannt: Wenn ich mich rasieren möchte, dann rasiere ich mich und wenn nicht, dann nicht. Der Unterschied zu früher ist, ich entscheide selbst darüber. Ich mache es nicht an einem Ideal fest, an der gesellschaftlichen Idee von Ästhetik oder männlichen Meinungen. Dabei hat mir auch die Auseinandersetzung mit Feminismus geholfen. Wenn ich mich heute entscheiden muss, ob ich morgens 15 Minuten länger im Bett liegen bleibe oder meinen Körper glatt rasiere, dann drehe ich mich noch einmal gemütlich um. Und ich bin auch nicht weniger hygienisch deswegen, ich pflege meinen Körper trotz meiner Körperbehaarung ganz normal. Die Hauptsache ist doch, das ich mich mit mir und meinem Körper wohl fühle. Das tue ich mit sprießenden Haaren am Körper genauso, wie ohne. Ich kann trotzdem eine attraktive Frau sein und mich als solche fühlen.

Klar, manchmal ernte ich erstaunte oder angeekelte Blicke, wenn ich im Sommer ein Kleid trage und meine Beine nicht rasiert sind. Zu Beginn hat mich das verunsichert, doch mittlerweile kümmere ich mich nicht mehr darum. Denn ich umgebe mich in meinem privaten Umfeld mit Menschen, die mich mit Körperbehaarung genauso lieben, wie ohne. Es ändert schließlich nichts an meinem Charakter. Den Gedanken mich rasieren zu müssen, den habe ich also verworfen und deswegen lasse ich wachsen! 

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