Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Kulturell leben: Jüdisches Leben in Deutschland

14.05.2018 12:09 - David Peters

Am 9. Mai fand im Dortmunder Dietrich-Keuning-Haus (DKH) die Auftaktveranstaltung der Reihe „Kulturell leben“ statt, hier ging es im speziellen um jüdisches Leben in Deutschland. Der Verein Multikulturelles Forum möchte mit dieser Reihe in Zusammenarbeit mit dem DKH und dem Planerladen die kulturelle Vielfältigkeit in Deutschland sichtbarer machen.

Die Moderation des Abends übernahm Deniz Greschner vom Verein Multikulturelles Forum, sie begrüßte die zahlreichen Besucher*innen, ehe Ármin Langer, der Mitbegründer der Salaam-Schalom Initiative einen Auszug aus seinem Buch „Ein Jude in Neukölln“ vortrug, in dem er davon betont, dass es zwischen Islam und Judentum keine Feindschaft gibt und man näher zusammenrücken müsse.  Langer schreckt auch nicht davor zurück mit dem „importierten Antisemitismus“ kurzen Prozess zu machen und fügte hinzu: „Der Antisemitismus hat nicht ´33 angefangen.“ Dafür gab es seitens des zahlreichen Publikums viel Applaus, ebenso für seine Aussage, dass Antisemitismus ein gesamtgesellschaftliches Problem sei, wobei er Bezug auf die „Mitte-Studien“ der Universität Leipzig nahm. Als Abschluss seines Beitrages wünschte sich Langer, die Debatte über Antisemitismus zu versachlichen und mit weniger Emotionalität zu führen. Die tatsächliche Problematik eines „Juden in Neukölln“ fiel dabei etwas unter den Tisch, gerade wenn man sich die Auflistung antisemitischer Vorfälle (auch in Neukölln) auf Plattformen wie report-antisemitism anschaut.

Im Rahmen der Veranstaltung wurde die ebenfalls im Keuning-Haus befindliche Ausstellung „L’Chaim – Auf das Leben!“ eröffnet, die dort noch bis zum 30. Mai zu besuchen ist. Die Ausstellung ist ein Projekt der KIgA (Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus) und soll über das jüdische Leben in Berlin berichten, sowie über den Ansatz der Bildung präventiv gegen Antisemitismus wirken.

Diskussion ohne Streit, aber Problem verfehlt

Shlomit Tulgan, eine Jüdin mit türkischen Wurzeln, las aus „Daughters and Sons of Gastarbeiters“ vor, wie sich ihre eigene Identität während ihres Lebens in Berlin und anderen europäischen Städten prägte und wie sie mit dem Zugehörigkeitsgefühl kämpfte. Den Abschluss des Abends bildete die folgende Podiumsdiskussion unter Leitung des Journalisten Alexander Völkel, die allerdings zu wenig Streitpunkten unter den Diskussionsteilnehmern führte, dafür allerdings zu Erstaunen bei einigen Gästen. Diese wunderten sich über die mangelnde Auseinandersetzung mit antisemitischen Vorfällen und darüber, dass während des ganzen Abends öfter der Begriff des „antimuslimischen Rassismus“ fiel als „Antisemitismus“ – und das bei einer Veranstaltung über das jüdische Leben in Deutschland.

Die Veranstaltung im Ganzen präsentierte einen positiven Ansatz: mit Vorurteilen brechen, Kontakte und Austausch suchen und sich nicht rechtspopulistischen Aussagen, wie der Heraufbeschwörung eines „importierten Antisemitismus”, hingeben. Trotzdem darf man nicht über die Probleme schweigen und muss antisemitische Vorfälle und Gefahren klar benennen und verurteilen, denn es reicht bei Antisemitismus nicht aus lediglich auf einem „guten Weg” zu sein.

 

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