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GESELLSCHAFT

Kükentöten 2.0

Ein Ende der Höchstleistungszucht ist nicht in Sicht. [Foto: pixabay]

12.11.2020 09:15 - Canberk Köktürk

Am 09. September 2020 hat die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner (CDU) einen Gesetzesentwurf vorgestellt, der das Töten von Eintagsküken in der Geflügelzucht ab Ende 2021 verbieten soll. Laut dem deutschen Tierschutzbund ist das eigentliche Problem damit nicht behoben.

Seit 2008 fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) mit 8 Millionen Euro Forschungen, die das Töten männlicher Küken in der Geflügelzucht überflüssig machen sollen. Dabei wurde die Methode der Geschlechterbestimmung bei Embryonen mit 5 Millionen Euro gefördert. Ab Ende 2021 soll Deutschland weltweit das erste Land sein, das das Töten von männlichen Eintagsküken per Gesetz verbietet. Das Neue Verfahren bestimmt das Geschlecht der Embryonen vor dem Schlüpfen zwischen dem 9. Und 14. Bruttag. Ein Küken schlüpft durchschnittlich am 21. Bruttag. 

Das BMEL bezeichnet die ab 2021 einsetzbare Methode als „Brückentechnologie“, da Ende 2023 das Geschlecht des Embyros bis zum 6. Bruttag bestimmt werden soll. „Denn es liegen wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse vor, dass sich das Schmerzempfinden erst ab dem 7. Bruttag entwickelt.“, hieß es aus dem Ministerium. Durch diese Methode werden die männlichen Küken nach dem Schlüpfen nicht mehr geschreddert, sondern sollen schon vorher aussortiert werden.

Der deutsche Tierschutzbund sieht die Geschlechterbestimmung als einen wichtigen aber kurzfristigen Schritt. Er lehnt jegliche Methoden ab, die nach dem 6. Bruttag einsetzen. Aktuell kann das Geschlecht der Hühnerembryonen aber nur zwischen dem 9. Und 14. Bruttag ermittelt werden. Vielmehr sieht der deutsche Tierschutzbund das eigentliche Problem der Höchstleistungszucht durch die neue Methode nicht behoben. Die Legehennen würden dadurch an zuchtbedingten Erkrankungen, wie beispielsweis Knochenbrüchen und Eileiterentzündungen, stark leiden. Die Probleme würden sich durch die Geschlechterbestimmungsmethode nicht ändern.

Gibt es alternative Methoden?

Das BMEL hat neben der Geschlechterbestimmungsmethode, auch die Alternativen „Zweitnutzungshuhn“ und „Aufzucht von männlichen Küken“ mit 3 Millionen Euro gefördert. Bei der „Aufzucht von männlichen Küken“ werden die männlichen Eintagsküken gemästet und ihr angesetztes Fleisch anschließend verarbeitet. Da die Brüderhähne der Legehennen keine nennenswerte Brustmuskulatur bilden, wird diese Methode als unwirtschaftlich beurteilt. 

Die Alternative „Zweitnutzungshuhn“ wird vom deutschen Tierschutzbund bevorzugt. Zweinutzungshühner sind Tiere, bei denen züchterisch sowohl eine akzeptable Lege- als auch Mastleistung verwirklicht wird. Hierbei werden aber die Höchstleistungen von normalen Legehennen und Masthühnern nicht erreicht. Der deutsche Tierschutzbund setzt sich für diese Methode ein, da bei den Zweitnutzungshühnern die zuchtbedingten Probleme deutlich geringer ausgeprägt sind.
 

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