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GESELLSCHAFT

Kühner(t) Kevin mischt die SPD auf

Kühnert schläft laut seinem Pressesprecher derzeit nur 4 bis 5 Stunden pro Nacht. (Foto: dpe)

21.02.2018 10:07 - Dennis Pesch



Wie kein anderer Juso-Vorsitzender in den vergangenen Jahren ist Kevin Kühnert in den medialen Fokus gerückt. Er ist das Gesicht einer Kampagne in der SPD, die die Große Koalition ablehnt. Ausgerüstet mit einer 20-Stunden-Stelle und einem Pressesprecher machte der Soziologiestudent und Kommunalpolitiker aus Berlin auf seiner #NoGroKo-Tour durch die Bundesrepublik auch in Duisburg halt.

Selten hatten die Jungsozialist*innen so viel Einfluss auf eine parteiinterne Diskussion, dass sogar dem SPD-Vorstand die Beine vor der kommenden Abstimmung an der Basis der Sozialdemokrat*innen zittern. Am Freitagabend, 16. Februar, luden die NRW-Jusos die SPD-Basis zur Diskussion ein. Gekommen waren nicht nur die SPD-Mitglieder, die es zu überzeugen gilt. 73 Prozent der rund sind über 50 Jahre alt, 42 Prozent sind im öffentlichen Dienst tätig. Von den 500 Menschen, die an der Veranstaltung teilnahmen, dürften wenige zu diesem Parteikern gehört haben. Dafür lockte Kevin Kühnert vor allem junge Menschen, aus verschiedenen politischen Lagern, in die Duisburger Mercator-Halle.

Derzeit ist er allgegenwärtig, gibt unzählige Interviews. Als Kühnert in die Halle kommt, wartet die versammelte Presse auf ihn. Ob Fragen zur Personaldebatte in der SPD, zu Merkels Kanzlerinnenschaft, zum oder zu seiner Person selbst. Kühnert wirkt routiniert, beinahe souverän, handelt alle Fragen im 10 Minuten-Takt ab, macht ein Foto mit den NRW-Jusos und schreitet unter donnerndem Applaus in den Saal. Im Raum schwebt ein diffuses Gefühl von Hoffnung, ganz besonders bei der politischen Linken, wie Student Magnus feststellt. „Vor zwei Jahren bin ich in die Linkspartei eingetreten“, sagt er. „Und dann hast du gemerkt, dass du in NRW wohnst?“, frage ich. „Genau“, antwortet Magnus enttäuscht. Vor allem von Sahra Wagenknecht und ähnlichen in NRW aktiven Linken-Politiker*innen hielte er gar nichts, erklärt er.



Haltungen, die belohnt werden

Nachdem Kühnert dazu aufrief, in die SPD einzutreten, um eine Große Koalition zu verhindern und die SPD zu erneuern, entschied sich Magnus für einen Parteiwechsel. „Ich habe am Tag, als ich der Linken meinen Austritt mitgeteilt habe, online den SPD-Mitgliedsantrag ausgefüllt“, sagt er. Magnus sieht sich als progressiv. Kapitalismus, Arbeit, Diskriminierung, Klimawandel, Digitalisierung, Minderheitenrechte, Migration, Pflege, Wohnen – solche Themen beschäftigen den 32-Jährigen täglich, auch in seinem Alltag. Genauso wie Kevin Kühnert also. Folglich applaudiert Magnus für viele Aussagen Kühnerts, etwa als er erklärt, warum junge Menschen einen starken politischen Verdruss spüren: „Ihre Zukunft, die eigentlich politisch verhandelt werden soll, die wird gar nicht verhandelt, sondern aufgeschoben und der nächsten Generation vor die Füße geschmissen“, sagt der Jungsozialist mit Blick auf den Koalitionsvertrag. Fast 1.000 Mal stehe im Vertrag das Wort „wollen“. Das drücke zwar einen politischen Willen aus, eine Lösung und Finanzierung dieses Willens sei in dem Koalitionsvertrag aber meist genau dann nicht zu finden.

Magnus findet, die SPD müsse Menschen wie ihn abholen, „dafür ist die Partei gegründet worden“, sagt er. Viele der wesentlichen Parteiziele seien wichtig, etwa die Befristung von Arbeitsverträgen abzuschaffen, um Menschen mehr soziale Sicherheit zu gewährleisten. Durch den Koalitionsvertrag, so rechnen GroKo-Befürworter wie SPD-Bundestagsabgenordneter Ulrich Kelber vor, könnten 400.000 Menschen in Zukunft einer Befristung entgehen. Kühnert hingegen sieht das kritisch: „Es gibt große Befürchtungen – ich habe dazu mit Gewerkschaftsjugenden gesprochen – dass auf Werksverträge, Scheinselbstständigkeit oder eine Sachgrundbefristung ausgewichen wird. Ob die 400.000 am Ende wirklich profitieren, dahinter steht ein Fragezeichen.“ Als der Juso-Vorsitzende zur Pointe ansetzt, hat er Magnus Zustimmung längst gewonnen.

Außerdem treibt die beiden das Thema Flucht um. Vielen Anwesenden im Mercator-Saal ist eine humane Flüchtlingspolitik wichtig. Besonders als Kühnert ausführt, dass die Partei Haltung zeigen müsse, brandet im Saal Applaus auf. Der akduell sagt Kühnert nach der Veranstaltung: „Das ist für mich eine Frage von Grundwerten. Die definiert man nicht danach, wie gerade die gesellschaftliche Stimmung ist. Mir ist vollkommen klar, dass beim Thema Flüchtlingspolitik diese Hegemonie nicht darin besteht, dass die Leute sagen ‚Refugees Welcome‘. Hier muss man aber um Mehrheiten, um gesellschaftliche Hegemonie kämpfen“, meint der Jungsozialist. Ob Magnus demnächst aktiv in der SPD mitmischen wird, wusste er am Ende der Veranstaltung zwar nicht, Kühnerts Aussagen haben ihm wenigstens jedoch Hoffnung auf eine progressive Politik in Deutschland gemacht.

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