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GESELLSCHAFT

Kostenlose Verhütungsmittel für Studierende

Die Qual der Wahl: Chemisch, hormonell oder durch eine Barriere – es gibt viele Verhütungsmethoden. Eine Beratung kann da oft hilfreich sein. (Foto: lenz)

17.04.2018 07:42 - Lorenza Kaib



Die meisten Studierenden stehen vor der Qual der Wahl des für sie geeigneten Verhütungsmittels. Darüber hinaus müssen sie sich mit den dadurch anfallenden Kosten herumschlagen. Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Hochschule Niederrhein unterstützt ab diesem Semester seine Studierende mit einem Beratungsangebot und der Übernahme von Verhütungsmittelkosten. Vergangenen Mittwoch, 11. April, fand die erste offene Beratung statt.

„Im Radio hatte ich gehört, dass es Modellkommunen gibt, in denen für Frauen die Verhütungsmittelkosten übernommen werden, wenn sie diese nicht selbst tragen können.  Und dann habe ich mich gefragt: Warum initiieren wir das nicht für unsere Studierenden?“, sagt Hendrik Sachtler, AStA-Vorsitzender der Hochschule Niederrhein. Die Idee stand. Für die Umsetzung wandte sich der AStA an die Beratungsstelle “.

Alle Verhütungsmittel können bezahlt werden

Studierende, die bis zu 20 Jahre alt sind, bekommen ihre Verhütungsmittel zumindest teilweise von der Krankenkasse bezahlt. Auch Studentinnen*, die in Krefeld leben, müssen sich um die Finanzierung keine großen Gedanken machen, da die Stadt eine der Modellkommunen ist. Doch gibt es an der Hochschule viele Studierende, auf die beides nicht zutrifft. Sie können sich vom AStA unterstützen lassen: „Wir sind der letzte ‘Rettungsanker’ – wenn niemand anderes es bezahlen würde, dann machen wir das. Wir bezahlen im Moment alles außer Kondome – die liegen hier sowieso und man kann sie sich einfach mitnehmen“, erläutert Sachtler.

Finanziert wird das Angebot durch den Sozialfonds des AStAs. „Wir haben geschaut, wie weit unser Sozialfonds in den letzten Semestern ausgeschöpft wurde und wieviel im Fonds verblieben ist. Das waren etwas mehr als 4.000 Euro. Deshalb haben wir den Betrag für dieses Semester auf 4.000 Euro festgesetzt und schauen jetzt, wie der Verhütungsmittelfonds genutzt wird“, so Sachtler. Er freut sich darüber, dass sich in der ersten Beratungsstunde bereits Interessierte eingefunden hatten: „Es wurden fünf Beratungen und drei Übernahmen von Verhütungsmittelkosten durchgeführt. Für uns ist das eine sehr gute Zahl.“ Darüber, dass der Fonds nicht reichen könnte, macht sich Sachter jetzt schon Gedanken: „Das könnte theoretisch schnell passieren, weil so eine Spirale auch 300 oder 400 Euro kosten kann. Sollte das wirklich passieren, haben wir auch überlegt, ob der Übernahmebetrag auf 100 oder 150 Euro pro Studentin begrenzt werden muss.“

Offene Sprechstunde für Studierende

Die offenen Sprechstunden finden im Wechsel jeweils in Mönchengladbach und in Krefeld statt. Auf Datenschutz legen sowohl pro familia als auch der AStA großen Wert: „Personenbezogenen Daten möchten wir nicht erheben, deshalb zahlen wir pro familia einen Abschlag. Was am Semesterende übrig bleibt, wird dann zurück an den AStA gezahlt.“ pro familia übernimmt die komplette Durchführung: Sie lassen sich das Rezept zeigen, zahlen den Betrag und stempeln das Rezept.

„Die Sprechstunden sind für alle Geschlechter offen. Es geht dort auch nicht nur um Verhütungsmittel, sondern allgemein um Familienplanung und damit auch Studienplanung – Männer sind da genauso angesprochen“, stellt Sachter klar.  Die Ärztin von profamilia habe letzte Woche etwa ein Kondometer dabei gehabt, mit der man die passende Kondomgröße bestimmen kann, und Infomaterial für Männer*.

HS Niederrhein: Ein Vorreiter in Sachen Verhütung?

Das, was sich gerade an der Hochschule Niederrhein etabliert, könnte auch an anderen Universitäten Studierendenvertreter*innen inspirieren und neue Projekte anstoßen. „Das wäre sehr, sehr wünschenswert“, findet auch Sachtler. Zurzeit arbeite er daran, die Hochschule selbst mit ins Boot zu holen. „Unsere Hochschule – oder der Familienservice – hat ein Problem, weil sie sich Vereinbarkeit von Familie und Studium anders vorstellen als der AStA. Für den Familienservice ist es nicht so fassbar, dass eine  eigenständige Familienplanung genauso dazu gehört“, sagt der AStA-Vorsitzende.

„Es geht ja nicht darum, keine Kinder zu bekommen. Jeder sollte selbst entscheiden, wann und wie er das möchte. Ich finde das bevormundend, zu sagen ‚Wir unterstützen euch, wenn ihr denn Familie habt, sonst seht zu, wie ihr euer Studium selbst managed‘“, führt er aus Rückhalt für das Projekt findet er auch im Hochschulgesetz: „Wir sollen uns ja als Studierendenvertretung  um soziale Belange der Studierenden kümmern. Was gibt es da Wichtigeres als Vereinbarkeit von Studium und Familie und Familienplanung?“
 


Jede*r kann sich kostenlos und anonym bei pro familia beraten lassen. Eine Auswahl an Beratungsstellen im Ruhrgebiet findet ihr hier:










 

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