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GESELLSCHAFT

K.I.Z. für Frauen: Drei Superheldinnen für den Feminismus

Eskalieren mit K.I.Z. [Foto: Jacqueline Brinkwirth]

06.04.2020 11:11 - Jacqueline Brinkwirth

Zum Weltfrauentag am 8. März kamen in den Dortmunder Westfalenhallen rund 11.000 Frauen* zusammen, um beim Frauenkonzert der Berliner Rapper K.I.Z. ordentlich zu feiern. Was das Konzert so besonders machte und warum Events nur für Frauen* ziemlich cool sind.

Eine Kolumne 

Skepsis. Das war mein erstes Gefühl, als ich mit den Tickets für das Frauenkonzert überrascht wurde. Ein Event nur für Frauen*? Klingt erstmal unwirklich und ein wenig irritierend.

Dieses Gefühl hielt sich tapfer, bis wir uns am 8. März für den Einlass anstellten. Anders als bei Konzerten, die ich vorher besucht hatte, konnte ich unter den Menschen in meiner Umgebung auf Anhieb keine auffälligen Gemeinsamkeiten feststellen. Im Gegenteil: Die Menge war so bunt gemischt, dass ich mir für einen Moment die Frage stellte, ob wir tatsächlich alle für die gleiche Band hier waren.

Ohne Leibesvisitation und lediglich eine kurze Taschenkontrolle von ausschließlich weiblichen Sicherheitspersonal später standen wir bereits im Foyer der Halle. Unkompliziert und deutlich entspannter als bei anderen Konzerten, das gab mir auf Anhieb ein Wohlgefühl. Neben einer einsamen Cocktailbar gab es drinnen kein pink glitzerndes Hinweisschild für die nächste Prosecco-Schenke, sondern Bier und überwiegend weibliches Barpersonal. Die wenigen Männer, die entweder Brezeln verkauften oder Tickets kontrollierten, stachen aus der Masse heraus wie Kakteen in einem Beet aus Wildblumen.

Schmeiß' dein Bier in die Menge

Meine anfängliche Irritation war plötzlich verflogen. Was blieb, war Vergnügen und Freude über die Frauengruppen, die im Raucherbereich Selfies machten und ihre Solidarität mit anderen Frauen* durch starke Messages auf T-Shirts bekundeten.

Der Saal explodierte mit der gebündelten Energie von Frauen*, die sich nicht zurückhalten mussten.

In der Halle angekommen tanzten wir vor Beginn der Show gemeinsam mit 11.000 Anderen zu Katy Perrys I Kissed a Girl und Nicky Minajs Anaconda. Es war ein unglaublicher Anblick: Schafft man Räume, in denen sich Frauen* abseits des männlichen Blicks frei bewegen können, sind sie locker, gelöst und geben einen Fick auf gesellschaftliche Stereotype und Rollenbilder. Sie lassen sich einfach fallen. Genau das passierte auch, als Maxim, Nico und Tarek in Superheldinnenkostümen und wallenden Perücken die Bühne betraten. Der Saal explodierte mit der gebündelten Energie von Frauen*, die sich nicht zurückhalten mussten, ihr Bier in die Menge schmeißen und einfach nur sie selbst sein konnten.

Mich hat selten etwas so begeistert, wie der Vibe dieses Konzerts. Dazu trugen natürlich auch die satirischen, bitterbösen und pointierten Texte des Rap-Trios bei. Was ein Konzert wie dieses eindringlich zeigt: wie viel Potenzial in Frauen* schlummert und wie wenig es braucht, eine Umgebung zu schaffen, in der sie sich sicher genug fühlen, dieses Potenzial freizusetzen. Über drei Stunden dauerte die Eskalation mit K.I.Z. an diesem Abend an. War ich vorher nicht unbedingt ein Fan, zähle ich mich heute definitiv dazu. Frauen* zu feiern ist wundervoll – das haben K.I.Z. schon lange begriffen. 

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