Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Kein Spielraum für Frauen

(Foto: Erik Körner)

29.01.2019 11:34 - Erik Körner

Obwohl Frauen mittlerweile fast die Hälfte der Videospiel-Community ausmachen, müssen sie immer noch um Anerkennung und Respekt kämpfen. Drei Spielerinnen berichten von ihren negativen Erfahrungen mit ihrem männlichen Umfeld.

Ein am 1. November 2018 publizierter Artikel mit dem Titel „Beste Online-Spiele für Frauen“, in dem neben dem Online-Rollenspiel World of Warcraft Titel wie Bejeweled 2 oder Farmville aufgeführt wurden, erntete harsche Kritik vieler Spielerinnen. Sie sind der Ansicht, der Artikel impliziere, Frauen seien nur an einsteiger*innenfreundlichen, simplen Spielen mit mangelndem Tiefgang interessiert.

„Wir haben einfach immer die Klappe gehalten.”

Zahllose Männer sind der Annahme, viele spielende Frauen würden hauptsächlich mit solchen Titeln ihre Zeit verbringen, stempeln sie verächtlich als „Fake Gamerinnen“ ab. Konsumentinnen der Games, die Männer als „richtige“ Spiele ansehen, werden nichtsdestotrotz bewusst marginalisiert.

Selbst in simplen Hobbies lassen sich patriarchale Strukturen erkennen. Zirca 47 Prozent aller Spieler*innen sind Frauen, wie eine im Juni 2018 veröffentlichte Studie des Verbands der Deutschen Games-Branche ergab. Dennoch zeigt sich weiterhin, dass Videospiele lange eine weitestgehend von Männern beherrschte Domäne waren. Sie exkludieren Frauen gezielt, verhalten sich toxisch und versuchen damit, den Rest ihrer scheinbaren, schwindenden Machtposition aufrechtzuerhalten.

Sexismus auf alltäglicher Basis

Sandra, seit über 20 Jahren Videospielerin, benutzt seit geraumer Zeit die Voice-Chat-Funktion im Online-Shooter Overwatch nicht mehr. Die ihr gegenüber geäußerten Kommentare reichten von simplen Aggressionen bis hin zu reinem Sexismus: „Einige wollen einem echt das Gefühl geben, dass man als Frau in ihrem Spiel nichts zu suchen hat“, erzählt sie. „Oder, dass man ja nur spiele, um irgendwelche Männer auf sich aufmerksam zu machen, was natürlich Bullshit ist. Viele Frauen spielen Games, seit sie Kinder sind. Wir haben einfach immer die Klappe gehalten“, fügt sie hinzu.

Solch herabwürdigendes Verhalten ist kein Einzelfall.

Die seit den Neunzigern spielende Caroline musste bereits ähnliche Erfahrungen machen: „Früher konnte ich Battlefield mit Voice spielen, da war das seltsamerweise kein Problem. Erst später wurde es für mich persönlich sehr toxisch.“ Im Laufe der Zeit vermehrten sich frauenfeindliche Kommentare: „Die üblichen Anmachsprüche, Sandwich-Wünsche und was man sich eben vorstellen kann.“

Abseits des Voice-Chats in Spielen scheinen spielende Frauen auch im Alltag nicht ernstgenommen zu werden. Chantal, die nahezu ihr gesamtes Leben mit Spielen verbracht hat, wird in Gaming-Läden oft sowohl von Verkäufern als auch von anderen Kunden nicht ernst genommen. „Es wird davon ausgegangen, dass man das für einen spielenden Freund tut und selbst keine Ahnung hat“, beschwert sie sich. Sie stellt fest: „Das Gaming-Interesse von Frauen wird noch viel zu sehr belächelt und unterschätzt.“

Ein Problem mit zahlreichen Wurzeln

Einen Lösungsansatz für die Situation zu finden, scheint schwierig. Nicht zuletzt, weil es eine Vielzahl an Ursachen für die Misogynie gibt. Chantal ist der Ansicht, man müsse in der Vermarktung beginnen. „Wenn nur Casual-Games wie Farmville, Candy Crush und Co. explizites Marketing für eine weibliche Zielgruppe erhalten und alles andere trotz eventuell sogar starker weiblicher Hauptfigur auf Männer ausgerichtet ist, dann fühlen sich Männer so, als wären die ‚richtigen‘ Games nur für sie gemacht, obwohl das natürlich einfach nicht stimmt.“ Erst neulich heuerte die Essener Gamestop-Filiale im Limbecker Platz freizügig bekleidete Promoterinnen für das Veröffentlichungsevent vom Resident Evil 2-Remake an. Die Objektifizierung von Frauen zu Marketingzwecken zeigt, dass sie eher als schmückendes Beiwerk denn als gleichgestelltes Mitglied einer Gemeinschaft betrachtet werden. Es wird keine Umgebung geschaffen, in der sich Frauen anerkannt fühlen können.

Sandra hingegen beanstandet direkt die toxische Maskulinität ihrer Mitspieler. Wer nicht dem männlichen Idealbild eines risikofreudigen, kräftigen, kämpferischen Charakters entspricht, ist nicht willkommen: „Für solche Typen ist erstmal alles, was mit Frauen zu tun hat, irgendwie schwach und deswegen verachtenswert.“ Neben frauenfeindlichen Aussagen wird auch vor Beleidigungen von Homosexuellen nicht zurückgeschreckt: „Das sind Leute, die ‚gay‘ als Beleidigung benutzen. Die hängen mit ihrem Denken und ihren Rollenbildern doch im letzten Jahrtausend fest.“ Caroline sieht es ähnlich: „Es wäre schön, wenn wir alle einfach genießen könnten. [...] Statt die Frauen unter den Spielenden ständig mit Hass zu bombardieren, um sie aus dem vermeintlich elitären Dunstkreis der Gamer auszugrenzen.“
 

Am liebsten wär’ ich untenrum nackt

Warum Hosentaschen und Passformen den Jeanskauf zu einer nervtötenden Angelegenheit machen.
 

10 Dinge, die man beim Pendeln erledigen kann

Mal wieder in der Bahn und keine Idee wie man die Zeit überbrücken kann? Hier 10 Dinge, wie man das Pendeln effektiv nutzen kann.
 

Den eigenen Vater verklagt und verraten?

Die eigene Familie zu verklagen kann schwierig sein. Wenn der Vater im Ausland sitzt, ist das nicht gerade einfacher. Wir erklären, warum.
 
Konversation wird geladen