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GESELLSCHAFT

K-Pop gegen Polizeigewalt und Rassismus

Aufnahmen von Konzerten sind für K-Pop-Fans eine Selbstverständlichkeit. 

[Symbolfoto: pixabay]

15.06.2020 17:14 - Erik Körner

In den letzten zwei Wochen haben Fans koreanischer Popmusik selbst gefilmte Konzertmitschnitte genutzt, um die US-amerikanische Polizei zu sabotieren und diskriminierende Hashtags zu überfluten. 

Wie ihr Name vermuten lässt, lieben K-Pop Fans koreanischen Pop. Viele benennen ihre Accounts nach K-Pop-Stars oder haben Bilder von ihnen als Profilbild. Ihr Twitter-Auftritt besteht größtenteils daraus, ihre Begeisterung für das Genre mitzuteilen. Wer keinen K-Pop hört, kommt auf Twitter zwangsläufig mit K-Pop-Fans in Kontakt. Oft posten sie in den Kommentaren viraler Tweets sogenannte Fancams – selbst dann, wenn der Tweet keinen Bezug zu K-Pop hat. Fancams sind kurze, selbst gefilmte Konzertmitschnitte, die K-Pop-Bands, oft aber nur einzelne Bandmitglieder, während ihrer Bühnenshow zeigen. Ihre Fancams treffen außerhalb des Fan-Kreises häufig auf Unverständnis und Kritik. Auf die Frage, warum sie kontextlos ihre Fancams posten, reagieren K-Pop-Fans meistens abweisend. Dass sie lediglich die Welt auf ihre Lieblingskünstler*innen aufmerksam machen wollen, ist die wahrscheinlichste Erklärung. 

Eine Flut von Clips

So widersprüchlich es klingt: In den vergangenen zwei Wochen haben sich K-Pop-Fans durch ihre Fancams zum Liebling Twitters etabliert. Seit dem Mord an George Floyd durch einen weißen Polizisten finden in den USA Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt statt. Um dagegen vorzugehen, bat die Polizei in Dallas am 31. Mai auf Twitter darum, ihnen Videos von „illegalen Aktivitäten während der Proteste“ zu schicken. Außerdem konnten Videos der Proteste anonym in der App „iWatch Dallas“ hochgeladen werden. Nur einen Tag später informierte die Polizei in einem Tweet: „Wegen technischer Schwierigkeiten ist die iWatch Dallas App temporär nicht verfügbar.“ Mehrere Nachrichtenseiten, wie GQ oder Vox, berichteten, dass K-Pop-Fans der Grund dafür seien. 

Sie sollen die App mit ihren Fancams überlastet haben. Einige sendeten ihre Clips direkt an die Polizei Dallas. Letztere haben bis dato nicht bestätigt, ob K-Pop-Clips tatsächlich am Versagen der App Schuld sind. Allerdings ist das wahrscheinlich. Denn selbst die Kommentarsektion beider Tweets blieb nicht von Konzertmitschnitten verschont. Noch am 31. Mai ging ein Tweet viral, dessen Verfasser*in K-Pop-Fans dazu aufrief, „ihre Fancams einmal für etwas Gutes zu nutzen.“

Diesem Aufruf folgten die K-Pop-Fans kurze Zeit später erneut. Gegner*innen der Proteste und der Black Lives Matter-Bewegungen begannen, Tweets mit Hashtags wie #AllLivesMatter, #WhiteLivesMatter oder, wie in Deutschland, #RassismusGegenWeiße ebenfalls zu posten. Deren Verfasser*innen empfanden den #BlackLivesMatter-Hashtag als diskriminierend gegenüber weißen Menschen. Doch wer auf einen dieser Hashtags klickte oder danach suchte, fand statt diskriminierender Kommentare Fancams und Bilder von K-Pop-Künstler*innen mit kritischen Kommentaren. So schreibt Twitter-Nutzer*in notRogue1: „Das #WhiteLivesMatter Hashtag wurde offiziell überrannt. Rassisten, es ist Zeit, zu gehen.“
 

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