Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Jungs gegen Jungs

Symbolbild

27.09.2018 13:26 - Maren Wenzel

 

Chemnitz, Köthen – erst eine Gewalttat, dann die Instrumentalisierung durch rechte Gruppen. Solche Taten haben eine auffällige Gemeinsamkeit: männliche Gewalt. Darüber haben wir mit Burak Yilmaz, Jugendarbeiter des Gleichstellungsprojekts Heroes von Jungs e. V. aus Duisburg, gesprochen.

Männer sind laut Polizeilicher Kriminalstatistik weit häufiger tatverdächtig bei Gewaltverbrechen als Frauen. Der Körperverletzung waren 2017 zum Beispiel 85.627 Männer und dagegen nur 16.265 Frauen tatverdächtig. Während sexualisierte Gewalt oder Freiheitsberaubung vor allem Frauen treffen, sind Männer häufiger Opfer von anderen Gewaltverbrechen. Ein Mann zwischen 21 und 25 Jahren ist doppelt so gefährdet, getötet oder verprügelt zu werden, wie eine Frau.

Gewalt wird als Männlichkeitsideal gesehen. Das sagt Burak Yilmaz. Seit der Gründung von Heroes im Jahr 2011 bietet er Workshops, Gesprächsgruppen und kreative Arbeit für Jugendliche an. Sprüche wie „wenn dich einer schlägt, schlag zurück“, kennt er. „Das ist eine selbsterfüllende Prophezeiung. Es ist häufig ein Ideal, das man anstrebt. Und selbst wenn man es schafft, nicht das Ideal zu haben, nimmt man das über die Diskurse auf und verinnerlicht es“, so Yilmaz zur Wirkung.

1.800 Jugendliche erreichen er und sein Kollege Selim Asar im Jahr. Zu Gewalt sagt er: „Auf der einen Seite bekommt man viel Macht zugesprochen. Auf der anderen Seite fällt es deshalb schwer, über die eigenen Schmerzen zu sprechen. Häufig haben Jungs schlicht keine Worte dafür.“ Vor allem jene, die nicht dem einzigen Ronaldo-Poster im Klassenzimmer entsprächen, würden wegen ihres Körpers Opfer der Mitschüler*innen, so der Jugendarbeiter. „Egal, ob Grundschule oder Gymnasium: Die Erwartungen an Männlichkeit sind sehr starr. Dabei gibt es Jungs, die deshalb auf der Strecke bleiben.“

Nach Chemnitz und Köthen versuchten extreme Rechte und Rechtspopulist*innen das Thema Messerattacken einseitig zu besetzen. Schuld für die Gewalt sei allein der Migrationshintergrund. Abschiebungen wurden gefordert, Menschen von denen angenommen wurde, sie seien Migrant*innen, gejagt. „Das passiert, wenn man Erfahrungen von Teilen der Community nimmt und auf alle ausweitet. Aber wer wird dann abgeschoben? Auch jemand, der das gleiche starre Geschlechtsbild hat, aber Christian heißt – oder jetzt nur die Mohammeds?“ fragt Jugendarbeiter Yilmaz.

Natürlich gebe es junge Menschen, die Männlichkeit und Ehre nie hinterfragt hätten und Druck auf jene ausüben, die hier leben – vor allem Mädchen. Aber es gebe auch solche, die reflektierter seien und solche, die große Sprünge in der Reflexion dessen machen würden. „Diese Entwicklung wird nicht anerkannt von der Mehrheitsgesellschaft, obwohl das wichtig wäre, um sie zu bestärken“, so Yilmaz. Er fordert Raum abseits von Präventionsmaschinen, die schnell dafür sorgen sollen, dass Jugendliche nicht gewalttätig würden. „Die Emanzipation von patriarchalen Strukturen dauert Generationen. Deutschland ist dafür das beste Beispiel“, so Yilmaz. Ginge es nach ihm, müssten solche Themen im Schulunterricht verankert werden. Sexuelle Selbstbestimmung sei ein absolutes Zukunftsthema.

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