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GESELLSCHAFT

Ist es zurzeit ok, die Familie zu treffen?

Moralisches Abwägen in Krisensituationen [Foto: pixabay]

13.04.2020 15:33 - Alexander Weilkes

Social Distancing verlangt, dass sich Menschen, zumindest physisch, voneinander fernhalten. Treffen mit der Familie stellen da keine Ausnahme dar. Traditionen aufzugeben fällt besonders schwer. Jedoch können gerade Familienmitglieder einer erhöhten Gefahr ausgesetzt sein, durch eine Infektion mit SARS CoV-2 an schweren Krankheitsverläufen zu leiden.

Eine Kolumne von Alexander Weilkes

10 Dinge, auf die man sich nach dem Social Distancing freuen kann

 

Natürlich fällt es auch bei Freund*innen schwer, der Versuchung eines Treffens zu widerstehen. Wer Lebensalter und mögliche Vorerkrankungen der beteiligten Personen jedoch ins Kalkül zieht, wird sich ein solches Treffen mitunter dennoch erlauben. Die eigenen Eltern und gerade die Großeltern muss man hingegen schon oftmals bereits aufgrund ihres Alters zur Risikogruppe zählen. Die Wahrscheinlichkeit, dass bei ihnen nach der Infizierung mit SARS CoV-2 ein schwerer Krankheitsverlauf eintritt, ist groß. Liegt bei einem Familienmitglied zudem noch eine Vorerkrankung wie eine chronische Lungenkrankheit, Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems oder Diabetes vor, steigt das Risiko zusätzlich. 

Zwar beobachtet man auch bei jungen und gesunden Menschen schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle, diese sind aber äußerst selten. Das bedeutet jedoch nicht, diese Gruppe könne nicht infiziert werden. Seitens des Robert Koch-Instituts geht man derzeit davon aus, dass man auch ohne Anzeichen von Symptomen Überträger*in des Virus sein kann. Wie groß diese Gruppe ist, weiß zurzeit niemand genau. Deswegen ist Social Distancing, besser gesagt Physical Distancing, also das Abstandhalten und Vermeiden von körperlicher Nähe, ein solidarisches Instrument, um vor allem Risikogruppen zu schützen.

Darum sind Familienfeste momentan besonders problematisch
Wenn Familienmitglieder zur Risikogruppe zählen, ist es geboten, sich momentan nicht in ihre Nähe zu begeben. Das ergibt sich aus den bisher vorhandenen Informationen. Besonders bei traditionellen Treffen, die an Geburtstagen und Feiertagen stattfinden, fällt dies schwer. Nicht wenige Menschen dürften ins Grübeln geraten, wenn sie darüber nachdenken, wie sie auf die Einladung eines Elternteils oder der Großeltern zu ihrem Geburtstag derzeit reagieren sollen.

Psychologisch kann das für alle Betroffenen eine schwierige Angelegenheit sein. Dass eine unsichtbare gesundheitliche Gefahr von engsten und vertrauten Familienmitglieder ausgeht, kann zum Beispiel für Eltern hart sein, die ihre Kinder jetzt nicht sehen können. Auf der andere Seite fühlt man sich als junger und gesunder Mensch oftmals sicher, erkennt aber die mögliche Gefahr, die von der eigenen Person ausgehen könnte. Dennoch möchte man ein wichtiges Familientreffen nicht leichtfertig absagen und Menschen, die man lieb hat, womöglich kränken. Was tun?

Risiko abschätzen, miteinander sprechen

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sagt geplante Familientreffen vorerst ab. Das gilt in erster Linie dann, wenn klar ist, dass Menschen aus einer Risikogruppe anwesend sein werden. Möchte man sich dennoch treffen, sollten möglichst wenig Personen zusammenkommen. Körperlicher Kontakt und gemeinsame Aufenthalte in geschlossenen Räumen sollten ebenfalls vermieden werden. Das Tragen eines (selbstgemachten) Mund-Nasen-Schutzes kann das Risiko verringern, eine andere Person durch Husten, Niesen oder Sprechen anzustecken. Darüber hinaus sollte ein erhöhter Körperabstand gehalten werden. Ob ein Treffen unter solchen Auflagen überhaupt erstrebenswert ist, darf man sich durchaus fragen.

Das Kommunizieren der Bedenken, die man in Bezug auf Familientreffen derzeit hat, kann Missverständnisse verhindern und Enttäuschung mildern. Bei einer Absage von Treffen können (Video-)Anrufe Abhilfe schaffen. Ein Skype-Essen mitsamt Geburtstagsständchen mag zunächst skurril wirken, kann aber dennoch Spaß machen und gleichermaßen verantwortungsvolle Zuneigung ausdrücken. Darum geht es auch bei einer Absage: Diese drückt in diesem Fall Wertschätzung aus.

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