Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Integration auf Augenhöhe?

15.06.2018 22:51 - Britta Rybicki

Die Landesinitiative „NRW! Das machen wir! Integration von Geflüchteten in Arbeit und Ausbildung” präsentiert am vergangenen Mittwoch, 6. Juni, Erfolgsgeschichten in der Liebfrauenkirche in Duisburg. Wie man den Einstieg künftig erleichtern will, stand nicht auf der Tagesordnung. Und auch der Redeanteil von Betroffenen fällt an diesem Tag eher mau aus.

„20.000 Menschen haben im vergangenen Jahr einen Arbeitsplatz in NRW gefunden und 500 weitere einen Auszubildenden-Vertrag unterschrieben”, sagt Franz-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Soziales und Gesundheit des Landes Nordrhein-Westfalen. Eine neue Herausforderung sei hingegen, Geflüchtete in Jobs zu vermitteln. Denn nur dann könnte Integration erfolgreich sein, meint Laumann, bevor er das Rednerpult für „Erfolgsgeschichten” frei räumt. „Wir sollten heute auch über die Dinge sprechen, die gelungen sind”, ergänzt er und winkt Vertreter*innen von Bildungsträger, Behörden, Unternehmen nach vorne und Menschen, um die es vordergründig gehen sollte: Die betroffenen Arbeitnehmer*innen.

Gespräch wie auf dem Elternabend

Doch leider rücken diese in den Hintergrund. Die Zuschauer*innen fühlen sich vermutlich zurück in die Schulzeit versetzt. Denn statt eines auf Augenhöhe moderierten Gesprächs, erwartet sie eine dieser peinlichen Unterhaltungen wie etwa auf einem Elternsprechtag. Wenn man zwar anwesend ist, Lehrende und Elternteil aber in der dritten Person von einem sprechen und es eigentlich auch gar nicht gewünscht ist, dass man auch etwas dazu sagt – obwohl man ja Verursacher*in der guten oder schlechten Schulnote ist. So ähnlich müssen sich die erwachsenen Männer auf dieser Veranstaltung gefühlt haben. Inbesodnere als einer der Unternehmer, ader Betriebsleiter des Walsumer Brauhauses, Johannes Langhoff, dann zum fünften Mal von seiner „großen Begeisterung” berichtete. Schließlich hätten seine „deutschen Lehrlinge” alle schon zu Beginn der Ausbildung aufgegeben.

„Dieses Problem begegnet uns in der Jobsuche mit Geflüchteten leider sehr oft”, sagt Jan Kluth, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Institut für berufliche Entwicklung arbeitet. In einem dreimonatigen Projekt hat er sich ausschließlich auf die Vermittlung von Geflüchteten auf dem Arbeitsmarkt konzentriert. Im Auftrag des Integration Points der Agentur für Arbeit Wesel hätten sie mit zunächst zehn Personen an einer individuellen Karriereperspektive gearbeitet. „Dabei ist mir oft aufgefallen, dass Arbeitgeber sich als Vormund ihres Angestellten verstehen. Obwohl sie das bei seinen Kollegen nicht tun”, erklärt Kluth. Es ist nur eine von vielen Barrieren, denen sich Betroffene in dieser Situation stellen müssen. Und zwar erst nachdem sie eine Arbeitserlaubnis erhalten, ausreichende Sprachkenntnisse erlangt haben und vermutlich weiterhin auf Wohnungssuche sind. Hinzu kommt die Angst, je nach Herkunftsland, trotzdem jederzeit abgeschoben werden zu können.

Stures Ausbildungssystem

Hürden, denen sich Betroffene während ihrer Ausbildung stellen müssen, über die auf dieser Veranstaltung aber nicht gesprochen wird. Auch die Anerkennung von Berufsausbildungen oder akademischen Abschlüssen wird nur kurz angerissen. „Deutschland hat so ein stures Ausbildungssystem, dass man sehr schnell durchs Raster fällt – eine Berufsausbildung also nicht anerkannt wird”, kritisiert Kluth. „Man sollte diese Rahmung etwas lockern und vielleicht andere Ausbildungsprogramme entwickeln, die realistischer zu schaffen sind. Denn gerade an den schriftlichen Theorieprüfungen würden viele scheitern, da diese auf Deutsch abgehalten werden müssen. Obwohl man ja schon beim Führerschein zumindest schon die Möglichkeiten hätte, die Theorieprüfung auf englisch durchzuführen.

Die Veranstaltung ist beinahe bezeichnend für die Haltung, die man nach Kluth dringend ändern müsse. „Man sollte die Menschen, die zu uns gekommen sind, als Bereicherung verstehen.” Strenge Regelungen und Gesetzmäßigkeiten solle man außen vor lassen und pragmatischer und lösungsorientierter an das Problem herangehen. „Warum setzt man zum Beispiel nicht die Menschen, die seit fünf Jahren hier sind und schon eine fertige Berufsausbildung haben, als Spezialisten an Schulen ein?”, schlägt Kluth vor. Dadurch, dass sie Nachfolger*innen in ihrer Herkunftssprache unterrichten könnten, würde man zumindest eine Hürde abbauen – nämlich die Kommunikationsprobleme.

|Theorieklatsche|

Der Geldbeutel blutet mit

 
 

Warum demonstriert man gegen das Polizeigesetz?

Wir haben uns auf der noPolGNRW-Demo umgehört, warum die Menschen dort waren.
 
 

Senatswahl 2018: Aylin Kilic für die Grüne Hochschulgruppe (GHG)

Es treten Kandidat*innen von vier politischen Listen der Universität Duisburg-Essen an. Wir haben ihnen vier Fragen gestellt.
 
Konversation wird geladen