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GESELLSCHAFT

Initiative Uferretter sorgt sich um Sechs-Seen-Platte

Die Initiative Uferretter will die Bebauung bis ans Ufer desam Duisburger Masurensees verhindern. Dirk Mertens, Rudi Grittner und Martin Dobberstein (v.l.n.r.) engagieren sich auch in der Bürgerinitiative. (Foto: fro)

11.04.2018 16:06 - Philipp Frohn



Bis ans Ufer des Masurensees an der Duisburger Sechs-Seen-Platte sollen in Zukunft bis zu siebenstöckige Häuser emporragen. Die Bürgerinitiative Uferretter stellt sich dem Bauvorhaben entgegen. Das Naherholungsgebiet solle weiterhin für alle zugänglich sein.

„Der Masurensee ist mein zweites Wohnzimmer“, sagt Dirk Mertens, der sich bei den Uferrettern engagiert, und spricht damit sicherlich vielen Duisburger*innen aus der Seele. Die Sechs-Seen-Platte in Wedau ist ein absoluter Besucher*innenmagnet. Im Frühling und Sommer genießen viele Menschen dort auf der Liegewiese direkt am Wasser die Sonne oder schwimmen (eigentlich unerlaubt) im See. Auch Grillen und Zelten ist auf dem Gelände gestattet – gebührenfrei. Doch einem Teil des Naherholungsgebietes könnte es demnächst an den Kragen gehen. Auf einer Fläche von insgesamt 60 Hektar – ein Zehntel davon liegt in öffentlicher Hand – sollen 3.000 hochwertige Wohneinheiten entstehen. Neben Einfamilienhäusern ist geplant, vor allem bis zu siebenstöckige Mehrfamilienhäuser für die circa 9.000 zukünftigen Bewohner*innen zu errichten. Ein Großteil der Immobilien soll auf dem brachliegenden Bahngelände zwischen Bissingheim und Wedau entstehen. Aber das Bauprojekt 6-Seen-Wedau sieht auch vor, bis ans Ufer zu bebauen. Die Natürlichkeit der Seelandschaft solle einer Uferpromenade aus Glas, Holz und Beton weichen, die an Häuserwänden mündet, so die Uferretter.

„Natur- und menschenfeindlich“



Nicht weniger als der Erhalt des Naherholungsgebietes stünde auf dem Spiel, betont Martin Dobberstein, der die Initiative Uferretter im September vergangenen Jahres ins Leben gerufen hat. Unter der Bebauung würde sowohl das hiesige Ökosystem leiden, aber auch für einen Großteil der Bürger*innen würde  die Lebensqualität sinken, findet die Initiative. Ein Stück Natur würde privatem Wohnungsbau weichen. „Das Projekt ist natur- und menschenfeindlich,“, meint Dobberstein. Gemeinsam mit 20 weiteren Aktivist*innen macht er regelmäßigeine Stippvisiten am Masurensee, informiert Passant*innen über die Folgen des Projekts und veranstaltet verschiedene Aktionen, die Aufmerksamkeit schaffen sollen. Auch mit Oberbürgermeister Sören Link (SPD) haben sich die Uferretter schon getroffen, um ihre Argumente gegen das Vorhaben hervorzubringen. Viel ist dabei nicht herumgekommen. Die Stadtspitze sieht die Bebauung als großes Leuchtturmprojekt und spricht in der stellt sich ebenfalls hinter das Großprojekt und sagt, dass die künstlich angelegte Uferpromenade naturnah sei. Insgesamt fühlen sich die Uferretter von der Politik nicht gut aufgeklärt, es mangele an Transparenz und Mitbestimmungsmöglichkeiten. Eine partizipative Gestaltung der Stadt sehe anders aus.

Dabei richten sich die Uferretter gar nicht gänzlich gegen das Projekt 6-Seen-Wedau. Das brachliegende Gelände für dringend notwendigen Wohnraum zu erschließen, sei durchaus wünschenswert. Vor allem Sozialwohnungen seien notwendig, pflichtet Uferretter Rudi Grittner bei. Lediglich auf eine Bebauung bis ans Uferbett soll verzichtet werden. „Auch einige Meter weiter vom Ufer entfernt hätte man dann noch eine Immobilie in der ersten Reihe am See," sagt Grittner. Die Initiative befürchtet nämlich eine zunehmende Bebauung weiterer Uferflächen an der Sechs-Seen-Platte, sollte an der Masurenallee der Stein ins Rollen gebracht werden.

Spätestens im Herbst dieses Jahres soll der Rat der Stadt Duisburg über den Bebauungsplan abstimmen. Bis dahin wollen die Uferretter gegen das Wohngebiet direkt am Ufer weiter mobilisieren. Und wenn alle Stricke reißen, überlegen sie auch, ein Bürgerbegehren zu initiieren. Ist das erfolgreich, können die Duisburger*innen in einem Bürgerentscheid direkt entscheiden.

 

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