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GESELLSCHAFT

Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt – außer Sexismus

(Screenshot: Erik Körner)

01.10.2018 11:33 - Unbekannter Autor


Das Strategiespiel Total War: Rome 2 sieht sich momentan mit einer Welle negativer Rezensionen auf Steam konfrontiert. Grund dafür ist ein neues Update, das  weibliche Generäle ins Spiel aufnimmt . Nicht allen Spieler*innen sagte diese Entscheidung zu.

„Ha, das Update ist politisch korrekt! Mindestens die Hälfte aller

Total War: Rome 2 ist ein Teil der Strategiespielreihe Total War, in dem man auf einer großen Karten eine historische Fraktion steuert. Man baut zum Beispiel Städte aus oder stellt Armeen auf. Dieses läuft im Rundenformat, ähnlich wie beim Gesellschaftsspiel Siedler, ab. Für jede Armee braucht man einen General, dieser war bislang immer männlich. Treffen feindliche Armeen auf der Kampagnenkarte aufeinander, schaltet das Spiel um in einen Echtzeitmodus und der Kampf wird auf einem Schlachtfeld ausgetragen.

Generäle müssen Frauen sein!“ brachte den Stein als Kommentar eines Nutzers unter dem Screenshot ins Rollen. Gepaart mit dem spöttischen Ton der Anmerkung verleitet dieser zur Annahme, Total War: Rome 2 beinhaltete unverhältnismäßig viele weibliche Generäle. Innerhalb weniger Tage häuften sich die Beschwerden gleichermaßen echauffierter Spieler*innen. Sie behaupteten, der Entwickler Creative Assembly würde die historische Richtigkeit ihres Werkes opfern, um sich all jenen anzubiedern, die Progressivität und Inklusion in Videospielen verlangen. Die Pfeile an den Seiten des Fensters, die  deutlich auf mehrere auswählbare – potenziell männliche – Figuren hinweisen, wurden scheinbar außer Acht gelassen.

Höchstwahrscheinlich unwahrscheinlich

Creative Assemblys Community Managerin Grace Carroll ließ in einem Post auf Steam verlauten, dass „Total War-Spiele historisch authentisch, nicht aber historisch akkurat“ sind. „Wenn euch weibliche Generäle so sehr aufregen, entfernt sie mithilfe von Mods

oder spielt es erst gar nicht“, fügte sie hinzu. Des Weiteren veröffentlichte der Twitteraccount von Total War ein Statement, das  die Behauptungen der Kritiker als unfundiert identifizierte . „Es gibt keine Änderungen an den Spawn-Raten rekrutierbarer weiblicher Generäle. Weibliche Charaktere tauchen immer wieder im Spiel auf, haben jedoch eine zehn bis fünfzehn prozentige Chance als rekrutierbare Generäle zu erscheinen. Die Ausnahmen sind die griechischen Staaten, Rom, Karthago, und einige östliche Fraktionen, bei denen die Chance bei null Prozent liegt, sowie Kush, bei denen die Chance bei fünfzig Prozent liegt.“

Von besonderer Relevanz für die Situation ist der vorletzte Absatz des Bildes. „Spieler*innen haben die Möglichkeit, die prozentualen Chancen mithilfe Mods zu verändern.“ Dass der Screenshot einer modifizierten Version des Spiels entsprang, ist nicht vollständig auszuschließen. Ebenso groß ist das Risiko weiterer gefälschter Aufnahmen in der Zukunft.

Stimmen die Zahlen?

Erst, wenn jemand ein Spiel auf Steam kauft, kann eine Rezension geschrieben werden. Somit möchte Valve, Inhaber Steams, uninformierte Bewertungen verhindern. Problematisch ist hierbei allerdings Steams Rückerstattungsangebot: Es ist möglich, ein Spiel innerhalb von zwei Wochen zurückzugeben, insofern es nicht länger als insgesamt zwei Stunden gespielt wurde.

Folglich kann jede*r ein Spiel erwerben, dieses negativ bewerten und es sich anschließend rückerstatten lassen. Wenn jemand eine Bewertung zu einem Spiel auf Steam schreibt, dann wird auch die Zeit angegeben, die die Spieler*innen in dem jeweiligen Spiel verbracht hat. Ein Blick auf die geringe Gesamtspieldauer diverser Autor*innen negativer Rezensionen verrät: einige der Stimmen stammen vermutlich nicht einmal aus der aktiven Community von Total War: Rome 2. Viele Käufe scheinen nur mit Intention, den Ruf des Spiels ruinieren zu wollen, getätigt worden zu sein.

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Der schlagartige Anstieg negativer Kritiken auf Total War: Rome 2.

Weitere Auswirkungen

Abseits Steams haben viele Kritiker*innen ihrer Wut über Creative Assemblys Entscheidung auch auf Youtube freien Lauf gelassen. Darüber hinaus hat selbst die Neo-Nazi-Website Dailystormer einen Artikel veröffentlicht, in welchem sie die Entwickler als „Behinderte“ bezeichnen und das frequente Vorkommen starker Protagonistinnen in modernen Videospielen beanstanden.

Ebenso rücksichtslos ist der Umgangston im Steamforum von Total War: Rome 2: Personen, die Creative Assembly unterstützen, werden unter anderem plump als „Feminazi“ oder „Social Justice Warrior“ abgestempelt, beides sind Bezeichnungen, die aus rechten Kontexten stammen, während ihre Gegenargumente häufig auf Ignoranz treffen.
Nichtsdestotrotz steht das Entwickler*innenteam hinter ihrer Entscheidung und zeigt, dass in der Videospielindustrie kein Platz für rückständiges sowie ausgrenzendes Gedankengut ist.

 

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