Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Beziehungsweise

Ich bin kein Cliquentyp - oder?

07.03.2020 11:18 - Lena Janßen

Die Clique – sie besteht aus mehreren Personen, die Freund*innen sind und gemeinsam etwas unternehmen. Vor allem für Teenager*innen und Jugendliche kann die Clique eine große Rolle spielen. Unsere Redakteurin war nie ein großer Fan von Freundeskreisen, bis sich ihre Meinung auf Grund einer neuen Clique änderte. 

In meinem Leben war ich bereits das ein oder andere Mal Teil einer Clique. Sowohl in der Schule, als auch in meinem Heimatort. Doch richtig wohl gefühlt habe ich mich als Mitglied einer solchen freundschaftlichen Gruppe nie. In der Schule waren meine Freundschaften Mittel zum Zweck. Sie dienten dazu, in der großen Masse an Schüler*innen nicht allein unterzugehen und sich als Außenseiter*in mit den anderen Außenseiter*innen zusammenzutun. Die Clique in meinem Heimatort entstand durch die Clique meiner Eltern. Ein ewig währender Kreislauf: Menschen bilden einen Freundeskreis, daraus entstehen Pärchen, diese bekommen Kinder und die Kinder wiederum freunden sich an. Und wieder von vorn.

In Cliquen befand ich mich immer am Rand, nie in der Mitte. Im Mittelpunkt zu stehen war nicht mein Ding und auch wenn ich durch die Gruppe seltener allein war, fühlte ich mich oft einsam. Ich hatte nie das Gefühl, jede Person des Freundeskreises als den gesamten Menschen greifen zu können, der er*sie war. Ich konnte kein Gefühl von intensiver, freundschaftlicher Nähe zu einzelnen Personen aufbauen. Das hat mir gefehlt. 

Der Wendepunkt 

Heute führe ich eine handvoll sehr enger Freundschaften mit Einzelpersonen, die sich auf meinen Geburtstagen mal begegnet sind, sich verstehen und sich gegebenenfalls bei Instagram folgen. Aber eine Clique ist daraus nicht entstanden. Das ist gut so! Eine intensive Freundschaft zwischen zwei Personen hat sich für mich immer passender angefühlt. Doch auch diese Geschichte hat einen Wendepunkt. Seit geraumer Zeit bin ich Teil einer Clique geworden. Diese Gruppe besteht aus vier Frauen, die eines gemeinsam haben: Alle schätzen ein gutes Glas Wein.

So kam es, dass wir zu viert in einer Bar saßen und sich meine Meinung gegenüber Cliquen änderte: Wir sind zwar ein überschaubarer Personenkreis, aber ich kenne alle drei Frauen gut. Ich habe auch als Einzelperson zu ihnen eine gute Beziehung. Ich fühle mich ihnen allen nah. Wir sind zwar unterschiedlich, aber wenn ich ein Anliegen habe, dann bekomme ich nicht nur Verständnis und Unterstützung von drei Menschen gleichzeitig, sondern auch drei verschiedene Meinungen – auf einmal. Diese Menschen helfen mir dabei, Dinge auch aus anderen Perspektiven zu betrachten. Ich fühle mich wahrgenommen. Was damals in der Schule eine Zweckverbindung war, fühlt sich in dieser Clique als Zugehörigkeit an. Wir haben sogar eine WhatsApp-Gruppe. Wenn uns das nicht zu einer waschechten Clique macht, dann weiß ich auch nicht!

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