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GESELLSCHAFT

I Quit!

Eine Kündigung zu schreiben, kann erleichternd und beängstigend zugleich sein. [Symbolbild: Helena Wagner]
27.06.2022 10:42 - Helena Wagner

Einen (Neben)Job kündigen ist keine leichte Sache. Gerade für Menschen, die tendenziell Konfrontationen aus dem Weg gehen wollen, kann eine Kündigung eine große Überwindung sein. Unsere Redakteurin erzählt von ihren Sorgen.

Eine Kolumne von Helena Wagner

Ich habe Nebenjobs, seitdem ich 15 Jahre alt bin. Dabei habe ich schon einiges gemacht: Von der Gastronomie in einer Dorfkneipe über Glühwein am Stand ausschenken bis hin zur Supermarktkasse und als Verkäuferin in verschiedenen Einzelhandelsläden. Jedoch ist es bisher immer so gewesen, dass ich einen externen Grund hatte, das Arbeitsverhältnis zu beenden. Entweder war es die Schule, die nicht mehr mit den Arbeitszeiten zusammengepasst hat, Umzüge oder Geschäftsschließungen. Ich kam trotz meiner Erfahrungen in verschiedenen Arbeitsverhältnissen nicht in die Situation, dass der Grund für meine Kündigung der war, dass ich nicht mehr dort arbeiten wollte. 

Wenn das Studium zum Nebenjob wird

Wie es ist, den Job zu verlieren, von dem man abhängig ist, erzählt unsere Redakteurin.
Von Helena Wagner in Schwerpunkt
 

Das hat sich vor Kurzem geändert. Ich habe einen Bürojob angenommen, der mir auf den ersten Blick sehr zugesagt hat. Ich konnte mir die Arbeitszeiten so legen, wie sie zu meinem Studienplan passten, bekam ein gutes Gehalt und die Arbeit war gut für meinen Lebenslauf. Ich nahm den Job gerne an und freute mich riesig über die Zusage. Als ich anfing, merkte ich jedoch schnell, dass die Arbeit nicht so war, wie ich sie mir in meiner romantischen Vorstellung ausgemalt hatte.

Mit Bauchschmerzen zur Arbeit

Die Firma war sehr hierarchisch aufgebaut, die Chefetage bestand aus Mutter und Sohn, die ein sehr traditionelles Bild einer Geschäftsleitung pflegten. Persönliche, abwertende Bemerkungen zu Aussehen oder Kleidungsstil von Seiten der Chefetage standen an der Tagesordnung. Das wurde mir bereits beim Bewerbungsgespräch klar, als die Chefin mich mit den Worten: „Sie haben aber schlimme Akne. Kommt das von der Maske oder ist das einfach so?“ begrüßte. Solche Bemerkungen zogen sich durch das ganze Arbeitsverhältnis und mir wurde schnell klar, dass ich bei diesem Job nicht lange bleiben werde. Ich merkte, wie ich mich immer mehr zur Arbeit schleppen musste und Bauchschmerzen hatte, bevor ich die Tür zum Büro öffnete.

Sich wegen einem Nebenjob so verrückt zu machen, ist es nicht wert. Also beschloss ich, die Kündigung einzureichen. Das Problem: In der Woche, in der ich die Kündigung einreichen wollte, fand ich heraus, dass zwei andere Kräfte ebenfalls wenige Tage vor mir ihre Kündigung eingereicht hatten. „Scheiße“, dachte ich, „wenn ich jetzt auch kündige, werden die im Büro ausrasten und ich werde es abbekommen.“ Ich druckte die Kündigung trotzdem aus und spürte dabei einen Cocktail aus Glücksgefühlen und Angst.

Als ich die Treppen zum Büro hochstieg, klopfte mir mein Herz bis zum Hals. Ich wusste, dass kündigen für mich nur das Richtige ist, jedoch hatte ich totale Angst vor der Reaktion meiner Chefin. Ich rechnete mit dem Schlimmsten. Als ich dann vor ihrem Tisch stand und ihr erklärte, dass ich kündige, war sie natürlich nicht begeistert. Aber die erwarteten persönlichen Bemerkungen blieben überraschenderweise aus. Sie wünschte mir für meinen weiteren Weg alles Gute und nach fünf Minuten war die Sache erledigt. Kündigen ist wohl doch nicht so schwer, wie ich gedacht habe.   
 

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