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GESELLSCHAFT

Hunde als emotionale Stütze im Alltag: Emotional Support Animals

Das Geschirr kennzeichnet die Hunde nach außen. [Foto: Petra Köhler]

07.01.2022 13:30 - Helena Wagner

Assistenzhunde für Einschränkungen, die äußerlich sichtbar sind, sind in der Öffentlichkeit kein ungewöhnliches Bild mehr. Doch Hunde können auch bei psychischen Krankheiten behilflich sein, als Emotional Support Animals (ESAs). Petra Köhler vom Deutschen ESAHunde-Zentrum erklärt, wo die Unterschiede zwischen ESAs und Assistenzhunden liegen und wobei sie den Menschen unterstützen können.

Petra Köhler ist Trainerin im deutschen ESAHunde-Zentrum. Dort werden keine Assistenzhunde, sondern die in Deutschland wenig bekannten Emotional Support Dogs ausgebildet. Wie der Name schon sagt, helfen diese besonders bei psychischer Erkrankung und sind für die emotionale Unterstützung des:der Halter:in da. Sie helfen, wie Assistenzhunde, ihren Halter:innen im Alltag.

Jedoch gibt es grundlegende Unterschiede: „Assistenzhunde haben ganz andere Rechte als ESAs. Seit dem 01. Juli 2021 ist im Grundgesetz festgelegt, dass sie Zutritt zu öffentlichen Bereichen wie zum Beispiel Geschäften, Universitäten oder öffentlichen Verkehrsmitteln haben. Das war bislang nur den Blindenhunden erlaubt“, erklärt Köhler die rechtliche Lage. ESAs haben diese Rechte noch nicht: „Bei ihnen handhabt man den Zutritt mittels der ‚Goodwill‘-Entscheidung.“ Das bedeutet, dass zum Beispiel Universitäten oder Ladenbesitzer individuell entscheiden, ob der Hund Zutritt bekommt.

ESAs sind, genau wie Assistenzhunde, gekennzeichnet und somit nach außen hin als solche erkennbar. Dies kann zu Fragen führen wie: „Warum hast du diesen Hund?“ Gerade bei psychischen Krankheiten wie einer posttraumatischen Belastungsstörung können solche Fragen ein Trigger für beispielsweise eine Panikattacke sein. Die einfachste Antwort laut Köhler ist in einer solchen Situation: „‘Er arbeitet.‘ Auf einer Krankmeldung steht ja auch nicht die Krankheit drauf, sondern nur, dass man krank ist. Deswegen ist der Hund kein Freifahrtschein für fremde Dritte, eine Auskunft über den Grund des Hundeführens zu verlangen.“

Kann jeder Hund ein Emotional Support Animal sein?

Vor dem Anschaffen eines ESAs ist es sinnvoll, das Vorhaben erst einmal mit der:dem Therapeut:in zu besprechen. Diese:r hilft dabei, zu evaluieren, ob das Tier eine Stütze für die:den Erkrankte:n sein kann oder eventuell zu einer Verschlechterung des Zustands führen könnte. Bei psychischen Krankheiten wie schweren Depressionen, einer posttraumatischen Belastungsstörung oder Angstzuständen sollte man sich fragen, ob man mit einem Tier klarkommt: „Was helfen kann, ist der Fakt, dass der Mensch gezwungen ist, das Bett zu verlassen. In schweren Phasen kann der Hund einen dazu zwingen, aufzustehen. Wenn man den Hund jedoch an den:die Partner:in oder Familie abdrücken kann, ist es nicht sinnvoll“, erläutert Köhler. Das Alleinige kümmern kann also helfen, bei Situationen aktiv zu werden. Betroffene sollten die Entscheidung jedoch mit einem:einer Therapeut:in absprechen. Immerhin wird das Tier auf den:die Besitzer:in geprägt sein.

ESA Bild 1 Training.jpgDie Hunde lernen in der Ausbildung, mit verschiedenen Situationen umzugehen. [Foto: Petra Köhler]

Doch kann jeder Hund ein ESA werden? „Jein. Genauso wie bei Assistenzhunden müssen ESAs ein gewisses angeborenes Wesen mitbringen. Eine Wesensfestigkeit und hohes Empathievermögen. Studien haben jedoch leider gezeigt, dass das meistens nicht mit Tierheimhunden möglich ist, weil man nicht zu 100 Prozent sagen kann, welche Traumata die Hunde mitbringen“, erklärt Köhler. Man kann also Tiere, die man vielleicht bereits hat, bei einer Erkrankung ausbilden lassen. Einen Welpen zu adoptieren ist nicht in jedem Fall nötig. ESAs müssen, anders als Assistenzhunde, keine staatliche Prüfung ablegen. Die Ausbildung ist freiwillig, wird daher jedoch nicht von der Krankenkasse übernommen. Diese übernimmt die Kosten erst, wenn ein Schwerbehindertenausweis mit einem Behindertengrad von 50 vorliegt.

Studium mit Hund?

Erkrankte Studierende können im Alltag auch von einem ESA profitieren. Köhler beschreibt die Tätigkeit eines ESAs im Alltag so: „Sie sind in der Lage, hinter oder vor dem:der Hundeführer:in Wege oder Durchgänge zu blockieren, Medikamententaschen zu bringen, durch Türen zu führen oder auch den:die Besitzer:in zu beruhigen, indem sie an ihnen hochspringen. So können sie in brenzlichen Situationen eingreifen, die der:die Halter:in nicht alleine gemeistert bekommt.“

Im Studium können sie in Absprache mit der Universität im Alltag auf dem Campus integriert werden. So können ESAs zum Beispiel mit ihrer Anwesenheit in Prüfungssituationen beruhigen oder in Menschenmassen Halt geben. Köhler betont zum Schluss noch einmal, wie wichtig die Kommunikation zwischen Erkrankten, Tier und Helfenden ist: „Trotz der nicht erforderlichen staatlichen Prüfung sollte man bei der Anschaffung eines Tieres in Kontakt mit einer Tierschule oder dem ESA-Zentrum treten, die nicht nur beim Training helfen, sondern auch bei der Kommunikation mit der Universität“, so Köhler.

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