Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Beziehungsweise

Herzrasen statt Kastenflimmern

26.03.2019 10:03 - Laura Lindemann

Pornosucht ist eine Sucht, die nicht nur den Alltag, sondern auch eine Beziehung negativ beeinflusst. Denn wie Alkohol und Zigaretten können auch Pornos wie Drogen wirken. Eine Droge, über die zu wenig gesprochen wird. Die Folgen sind Vielen unbekannt.

Härter, schneller, verruchter. Darauf kommt es den meisten Konsument*innen von Internetpornografie an. Und das schon in Kinderjahren. Gary Wilson, Autor des Buches Your Brain On Porn, setzt sich mit dem Thema Pornosucht und dessen Folgen auseinander. In seinen Vorträgen zitiert er Forscher, die herausfanden, dass sich die meisten Jungen spätestens mit zehn Jahren für Pornos interessieren. Vor allem für die Internetpornografie. Eine Gesellschaft, die nach dem Höher-Schneller-Weiter-Prinzip lebt, verlangt dies natürlich ebenfalls beim Schauen der Erotik-Filme. Während man sich früher anhand eines Posters befriedigt hat, spucken diverse Pornoseiten heute immer abstrusere Filme aus, die der Realität fortwährend ferner werden. Aber nicht nur die Filme entfremden sich, auch die Nutzer*innen verlieren zunehmend jegliches Verhältnis zur realen Sexualität.

Sucht fängt da an, wo der*die Betroffene leidet. Dort wo der eigene Tagesablauf beeinträchtigt wird.“

So auch Jonas*, Student  aus dem Ruhrgebiet. Im Alter von 14 Jahren fing er an, exzessiv Internetpornos zu schauen. Immer häufiger war er schlecht gelaunt oder müde. „Das Pornoschauen fühlte sich mit der Zeit nicht mehr schön an, sondern eher wie etwas, das gemacht werden musste. Ich hatte einen innerlichen Drang danach“, erinnert sich der heute 20-Jährige. „Bei Klassenfahrten habe ich mich deshalb darauf gefreut, bald wieder zu Hause zu sein. Die Pornos waren eine Art Belohnung für mich.“  Jonas sagt von sich, süchtig gewesen zu sein.

Viel mehr als nur die Hand

„Sucht fängt da an, wo der*die Betroffene leidet. Dort wo der eigene Tagesablauf beeinträchtigt wird“, weiß die Paar- und Sexualtherapeutin Bettina Schimanski. Bei Jonas ist das heute noch der Fall, auch wenn er keine Pornos mehr schaut. Seit ein paar Monaten führt er eine glückliche Beziehung. „Allerdings ist unser Sexleben von Frustration geprägt. Ich habe immer wieder Probleme, ‚hart‘ zu bleiben.“ Das führte zu extremen Versagensängsten, weshalb er sich eine Zeit lang nicht mehr traute, seine Freundin überhaupt zu berühren. Für die ausbleibende Erektion hat Bettina Schimanski eine Erklärung: „Der Körper ist beim Schauen von Pornos völlig unbeteiligt. Meist wird ja nur eine Hand zur Befriedigung bewegt.“ Dass beim Sex mit dem*der Partner*in Sinneswahrnehmungen wie Fühlen, Riechen, Schmecken und vor allem Emotionen eine große Rolle spielen, kann den Körper dann überfordern.

„Die Bilder- und Videowelt ist einfacher, als sich selbst zu streicheln und den eigenen Körper zu erkunden. Viele meiner Patienten, meistens sind es Männer, müssen erstmal ein Gefühl für ihren Körper bekommen“, erzählt Schimanski. Deshalb lernen ihre Patienten*innen in der Therapie, durch Übungen wieder einen Zugang zur Sexualität über die Sinneszellen ihres Körpers zu bekommen.

Auch wenn Jonas manchmal noch Schwierigkeiten hat, sich auf den Sex mit seiner Freundin einzulassen, geht es ihm viel besser, seitdem er keine Pornos mehr schaut. „Es wirkt so, als wären die Sensoren für Intimität in meinem Körper abgestorben und würden jetzt langsam wieder zu wachsen und leben anfangen“, beschreibt er seine momentane Situation. Sein Tipp ist es, offen mit dem*der Partner*in über das Thema zu sprechen. Anfangs projizierte seine Freundin Jonas‘ Situation auf sich und war schließlich über seine Ehrlichkeit erleichtert.

Jonas ist einer von unzähligen Betroffenen. Obwohl das Thema in vielen Teilen der Gesellschaft immer noch tabuisiert wird, haben sich im Internet bereits viele Plattformen und Foren, wie zum Beispiel die No-Fap-Bewegung, zum Austausch entwickelt. Mit Erfolg.  „Wenn ich jetzt mit meiner Freundin intim bin, spüre ich etwas, was ich noch nie zuvor gespürt habe. Alles fühlt sich intensiver und schöner an“, sagt Jonas mit einem Lächeln. 

*Der Name wurde von der Redaktion geändert
 

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