Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Hausbesuche statt Altenheime

Ältere Menschen sind oft auf Unterstützung angewiesen. [Foto: pixabay]
21.06.2021 12:41 - Özgün Ozan Karabulut

Präventive Hausbesuche können Senior:innen dabei unterstützen, selbständig zu bleiben. Norman Bannenberg und Professor Martin Karlsson, Inhaber des Lehrstuhls für Gesundheitsökonomik an der Universität Duisburg-Essen (UDE), haben mit norwegischen Kollegen die Auswirkungen von präventiven Hausbesuchen in Norwegen erforscht.

Langzeitpflege ist in Norwegen ein fester Bestandteil des öffentlichen Gesundheitssystems. Das Land ist eines der OECD-Staaten, das einen erheblichen Anteil seines Bruttoinlandsprodukts für Langzeitpflege verwendet. Die kostenintensive Pflege und der Anstieg der älteren Menschen in der Bevölkerung haben dazu geführt, dass vermehrt präventive Maßnahmen, wie die vom Forscherteam untersuchten Hausbesuche, umgesetzt werden sollen. Bei den Hausbesuchen erkundigen sich Pfleger:innen nach der mentalen und körperlichen Verfassung der Senior:innen und geben Empfehlungen, wie Risiken im Haushalt vermieden werden können. Falls notwendig, stellen sie Informationen über Pflegeheime oder Pflegedienste bereit.

Das Team um Karlsson hat in seiner Studie untersucht, ob präventive

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Hausbesuche die Gesundheit von älteren Menschen positiv beeinflussen können. Bislang fehlten wissenschaftliche Forschungen, die einen solchen Ansatz verfolgen. „Um dies zu klären, bedarf es Studien, die über eine ausreichende Stichprobe verfügen, die einen angemessenen Beobachtungszeitraum haben und Variablen einbeziehen, die eindeutige Indikatoren des Gesundheitszustands sind“, meint Karlsson. Für die Studie hat das deutsch-norwegische Forscherteam Daten aus Norwegen der Jahre 1994 bis 2017 verwendet.

Präventive Hausbesuche auch in Deutschland

Die Forschungsergebnisse zeigen, dass in Gemeinden mit angebotenen präventiven Hausbesuchen die Sterblichkeit von Senior:innen und die Häufigkeit ihrer Krankenhausaufenthalte bedeutend zurückgehen. „Außerdem nehmen die betroffenen Menschen häufiger häusliche Pflegeangebote wahr und Altenheimaufenthalte werden weniger“, so der Gesundheitsökonom der UDE.

Karlsson fordert, dass präventive Hausbesuche auch in Deutschland vermehrt gefördert werden sollen. „In einigen Bundesländern haben in den vergangenen Jahren Modellphasen begonnen – etwa 2015 in Rheinland-Pfalz. Sie ähneln dem norwegischen Modell und haben ein positives Feedback hervorgerufen.“ Allerdings gebe es von Kommunen auch Bedenken vor vermeintlich hohen Personalkosten, erklärt Karlsson. Schätzungen zu Folge wird im Jahr 2050 mehr als ein Viertel der deutschen Bevölkerung das 67. Lebensjahr überschritten haben. Die Zahl der Personen, die auf Pflege angewiesen sind, wird also steigen.

Auch die öffentlichen Ausgaben für Langzeitpflege werden ein höheres Niveau erreichen. Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung wurde die Unterstützung der präventiven Hausbesuche festgelegt. Einen Stellenwert wie in den skandinavischen Staaten Norwegen und Dänemark, in denen zwischen 1998 und 2000 die ersten präventiven Hausbesuche angeboten wurden, haben sie jedoch bei weitem nicht, betont der UDE-Professor.
 

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