Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Hambacher Forst: RWE gegen Umweltaktivist*innen

(Foto: dap)

17.09.2018 13:05 - David Peters

Kaum ein Thema ist momentan in den Medien so stark vertreten, wie der Konflikt um den Hambacher Forst. Auf der einen Seite stehen Umwelt-Aktivist*innen, die verhindern wollen, dass der klägliche Rest des Waldes gerodet wird und auf der anderen der Energieriese RWE, der dort weiterhin Braunkohle fördern möchte.

Zwischen Köln und Aachen liegt das beschauliche Buir. Viel ist hier eigentlich nicht los und doch ist Buir überregional bekannt, denn im Norden des Städtchens liegen der Tagebau Hambach, der größte Tagebau Deutschlands, und ein Waldstück. RWE möchte eben diesen Wald roden, da unter ihm Braunkohle liegt. RWE hält die Rodung für zwingend erforderlich um den Fortschritt des Tagebaus und die deutsche Stromversorgung nicht zu gefährden und stützt sich dabei auch auf die Politik der damaligen rot-grünen Landesregierung aus 2016, die in einer Leitentscheidung eine weitere Vergrößerung des Tagebaus bestätigte. Umweltverbände und Aktivist*innen versuchen das zu verhindern, da sie einerseits den Wald schützen wollen und andererseits Kohlekraftwerke, aufgrund der Umweltverschmutzungen ablehnen. Die Aktivist*innen halten den Wald besetzt und haben Camps, Baumhäuser und Barrikaden im Wald errichtet.

Wenige Tage vor Beginn der Räumungsarbeiten machte der Hambacher Forst noch einen recht ruhigen Eindruck. Zwar standen an jedem Zugang zum Wald oder dem Wiesencamp Polizist*innen, die Spaziergänger*innen, Aktivist*innen und Pressevertreter*innen kontrollierten und durchsuchten, der Zutritt wurde allerdings gewährt. Inzwischen hat sich die Situation verschärft, Pressevertreter*innen wird der Zugang zum Wald oder gewissen Bereichen verweigert und eine Berichterstattung wird verhindert. Die Polizei widerspricht diesen Schilderungen unterschiedlichster Journalist*innen.

Mangelnder Brandschutz in den Baumhäusern

Aktuell räumt die Polizei zusammen mit RWE die Baumhauscamps der Aktivist*innen, etliche Bäume werden gefällt. Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) hatte die Räumung angeordnet, da „Gefahr für Leib und Leben der Baumhausbewohner*innen“ aufgrund mangelnder Brandschutzmaßnahmen bestünde. Die von den Bewohner*innen gezeigten Feuerlöscher waren offenbar nicht ausreichend. Dagegen demonstrierten mehrere tausend Menschen mit verschiedenen Aktionen im Wald und um den Wald. Sie fordern einen Rodungsstopp, ein Umdenken in der Energiepolitik und solidarisieren sich mit den Besetzer*innen. RWE darf übrigens erst ab Oktober offiziell roden.

Die Besetzer*innen des Waldes sind überwiegend junge Menschen,

„Dieser Wald ist auch ein Symbol des Widerstands, auch über Deutschland hinaus“

mit verschiedensten Hintergründen, teils auch aus dem Nachbarstaaten. Eine dieser Aktivist*innen ist Lykke, sie lebt seit fast einem Jahr im Hambacher Forst. Sie erklärt, warum sie bei der Besetzung mitmacht: „Für mich ist dieser Wald ein Symbol für ein ausbeuterisches System, dass sich mit seinen kapitalistischen Interessen komplett über Natur und Umwelt stellt. Der Wald soll weichen, damit RWE, mit Braunkohle, einem veralteten Energieträger, der von vielen Menschen in Deutschland inzwischen abgelehnt wird, Profit machen kann.“

Trotz Räumung sollen Besetzungen weitergehen

Die Baumhäuser der Aktivist*innen sind der Lebensmittelpunkt, hier wird geschlafen, gegessen, gekocht, in manchen findet man sogar einen richtigen Herd. Eine Räumung und die damit verbundene Zerstörung der Baumhäuser wäre für Lykke ein Schock, aber davon wollen sie und andere Aktivist*innen sich nicht entmutigen lassen. „Man lässt sich davon nicht unterkriegen und macht immer weiter“, sagt sie, „Dieser Wald ist auch ein Symbol des Widerstands, auch über Deutschland hinaus, aus dem auch Aktionen wie ’Ende Gelände’ entstanden sind.“ Bei einer vollständigen Räumung der Baumhaussiedlungen geht sie davon aus, dass es danach erneut zu Besetzungen kommen wird. Oft sei es auch so gewesen, dass die Polizei Camps oder Barrikaden räumte und Aktivist*innen sie danach größer wiederaufgebaut hätten.

Während in Berlin die Kohlekommission mit Vertreter*innen aus Industrie, Politik und Umweltverbänden über einen Ausstieg aus der Kohle verhandelt, sind im Hambacher Forst die Fronten verhärtet. Beide Seiten sprechen von gewalttätigen Auseinandersetzungen. Ein Austausch mit RWE findet laut Lykke nicht statt: „Es ist schwierig mit RWE in den Dialog zu treten, da sie den Protest kriminalisieren, indem sie behaupten, dass es den Aktivist*innen nur um Gewalt ginge.“ Auch die Medienberichte über den Protest im Hambacher Forst stören sie manchmal. Diese wäre teils sehr aufgebauscht und konzentrierten sich zu stark auf Ausschreitungen. „Der Grund, warum wir eigentlich hier sind, gerät dadurch aus dem Fokus.“

In einer hochtechnologisierten Gesellschaft wirkt so ein Protest wie im Hambacher Forst eher antiquiert, für Lykke ist jedoch klar: „An der Norm der Gesellschaft gemessen ist es wohl nicht zeitgemäß, aber es ist ein Versuch in eine andere Richtung zu gehen.“ Eine andere Richtung ist teils auch am Hambacher Tagebau sichtbar. Dort stehen einige Windräder. Eine erneuerbare, umweltfreundlichere Energie. Laut Lykke versorgen diese allerdings die gigantischen Maschinen im Tagebau mit Strom.

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