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GESELLSCHAFT

Gruppenzwang: Wenn man zum Alkoholtrinken genötigt wird

Alkohol ist auf Feiern der Regelfall [Foto: pixabay]

02.12.2021 14:02 - Julika Ude

Unsere Redakteurin trinkt nur ungerne Alkohol. Aus Erfahrung weiß sie: Ein „Nein danke, ich möchte nichts!“ reicht lange nicht aus, um sich vor aufdringlichem Alkoholausschank zu schützen. Wie problematisch, dass dafür ein „Hört auf, mich zum Trinken zu überreden!“ zur Notwendigkeit wird.

Eine Kolumne von Julika Ude

Ich habe Spaß daran, zu feiern und unter Leuten zu sein. Wie einige andere mag ich es nur nicht, Alkohol zu konsumieren. Wenn mir doch mal danach ist, trinke ich. Das Problem: Auch wenn ich keine Lust hatte, habe ich mich in der Vergangenheit dazu drängen lassen.

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Als ich angefangen habe, weniger bis gar nichts trinken zu wollen, bin ich trotzdem zu Partys gegangen. Lust auf Menschen und auf einen spaßigen Abend hatte ich ja trotzdem. Ist man Nichttrinker:in, bemerkt man jedoch schnell, dass man auf solchen Veranstaltungen alles andere als willkommen ist. Werden die ersten Getränke verteilt, muss man ablehnen und die ersten kritischen Blicke spüren. Fragen nach dem Grund und ob man sich sicher sei, keinen Alkohol zu wollen, sind der Regelfall. Bei jeder neuen Getränkerunde fühlt man sich unwohler. Schließlich bleibt es nicht bei interessiertem Hinterfragen des Verzichts. Vielmehr wird man dazu gedrängt, Alkohol zu trinken und doch bitte kein:e Spielverderber:in zu sein. Lehnt man weiterhin ab, wissen die Anwesenden irgendwann gar nichts mehr mit einem anzufangen.

Unverständnis für Verzicht

Hat man sich dazu entschieden, zu einer Feier zu gehen, ist man durch seine Anwesenheit somit fast schon zum Trinken gezwungen. Wie einige Nichttrinker:innen bleibe ich deswegen meistens zu Hause oder gehe nur mit bestimmten Leuten raus. Früher bin ich häufig eingeknickt. Es ist eben einfacher, dem Willen der Mehrheit zu folgen, anstatt sich zum wiederholten Male rechtfertigen zu müssen. Besonders, wenn erklärende Worte von den Adressierten abprallen wie ein Flummi von der Wand. Alles, was zurückkommt, sind unverständnisvolle Kommentare wie: „Einen Shot kannst du ja wohl mit uns trinken.“

Es scheint schwer verständlich zu sein, dass das absolut nichts mit Können zu tun hat, sondern mit Wollen. Wenn jemand etwas Alkoholisches zu sich nehmen möchte, dann kann und wird diese Person es tun. Wenn sie aber sagt: „Nein, ich will keinen Alkohol trinken“, dann will sie keinen Alkohol trinken. Das ändert sich auch nicht, nachdem man sie zum zwanzigsten Mal dazu zu überreden versucht. Damit an einem Abend alle Beteiligten gleichermaßen teilnehmen und ihn genießen können, wäre es doch also nur von Vorteil, die persönlichen Entscheidungen der anderen zu akzeptieren. 

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