Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Grüne Welle für die Lebensmittel-Ampel

Der Nutri-Score ist nur auf wenigen Produkten zu finden.

[Foto: Magdalena Kensy]

09.11.2020 17:24 - Magdalena Kensy

Seit dem 1. November ist das Ampelsystem, der sogennante Nutri-Score, bei Lebensmitteln auf freiwilliger Basis eingeführt worden. Nach dem Versuch einer europaweit verpflichtenden Einführung im Jahr 2010 hat Deutschland nun beschlossen, die Kennzeichnung der Lebensmittel den Unternehmen zu überlassen. Durch diese Entscheidung entstehen sowohl Nachteile, als auch Vorteile. 

Im Jahr 2010 ist die Einführung des Nutri-Scores am massiven Widerstand der Lebensmittelindustrie gescheitert. Dennoch blieb das Konzept für die Nährwertkennzeichnungen auf der Packungsvorderseite in Ampelfarben immer noch in den Köpfen der Verbraucherorganisationen, Ärzteverbänden und Krankenkassen. Denn wissenschaftliche Studien belegen: Durch Ampelfarben auf der Verpackung kann auf einen Blick am verständlichsten wahrgenommen werden, wie gesund oder ungesund ein Lebensmittel ist.

Das soll dazu beitragen, dass Menschen gesünder einkaufen. Der Score weist Werte von A (dunkelgrün) bis E (rot) auf und die erzielte Bewertung ist jeweils besonders hervorgehoben. 
Negativ gekennzeichnete Lebensmitteln enthalten hohe Mengen an Zucker, Fett und Salz. Ballaststoffe, Proteine, Obst, Gemüse und Nüssen fallen dagegen positiv ins Gewicht. Ein Effekt der Einführung der Lebensmittel-Ampel ist die Vergleichbarkeit innerhalb einer Produktgruppe. Ein Nachteil ist aber, dass die Farbumschläge nicht transparent sind. Verbraucher:innen wissen nicht, ab wann ein Produkt grün oder beinahe schon gelb eingestuft wird.

Die Ampel steht auf gelb 

Die verpflichtende Nährwertkennzeichnung, nicht zu verwechseln mit dem freiwilligen Nutri-Score, stellt hingegen eine neutrale und sachgerechte Information über die enthaltenen Nährstoffe dar. Wer beispielsweise weniger Kalorien, Fett, Salz oder Zucker möchte, bekommt alle Informationen, die er:sie für seine Auswahl benötigt. Doch viele Menschen beachten die Nährwertkennzeichnung nicht, da sie kleingedruckt auf der Rückseite der Verpackung steht. Die Folge: Potentiell ungesunde Ernährung. Mehr als die Hälfte der Erwachsenen sowie etwa jedes fünfte Schulkind in der EU ist übergewichtig oder sogar fettleibig. Der Nutri-Score würde nur einen ungenauen Eindruck abbilden, weil er keine Einordnung der Bedeutung für die Gesamternährung zulässt.  

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Grünes Licht für gesunde Lebensmittel
[Foto: Magdalena Kensy] 

Frankreich führte den Nutri-Score bereits 2017 ein. Andere europäische Länder, wie Belgien, Spanien, die Niederlanden und Luxemburg folgten dem Beispiel einer freiwilligen Kennzeichnung. Im Herbst 2019 entschied sich auch das Bundesernährungsministerium für eine Einführung der Nährwertkennzeichnung im Jahr 2020. Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) hatte ihren Widerstand nach einer Verbraucherbefragung aufgegeben. Hersteller:innen bleibt es jedoch selbst überlassen, ob sie sich bei der Neukennzeichnung beteiligen wollen.

Ob sich für deutsche Verbraucher:innen damit überhaupt etwas verändert, bleibt vorerst unklar. Das Ernährungsminis­te­rium plant eine Infokampagne, um die Lebensmittel-Ampel bei Verbraucher:innen bekannter zu machen und Unternehmen zur Teilnahme zu bewegen. Klöckner hat dennoch „die klare Erwartung“ an Unternehmen, die Kennzeichnung zu nutzen. Zu wenig, findet die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Eine Verwendung auf freiwilliger Basis bedeute „erfahrungsgemäß, dass nicht alle Lebensmittelunternehmen mitmachen“, so vzbv-Vorstand Klaus Müller. Eine EU-weit verpflichtende Kennzeichnung mit dem Nutri-Score fordert sowohl die vzbv, als auch der deutsche gemeinnützige Verein foodwatch, der sich mit den Rechten von Verbraucher:innen und der Qualität von Lebensmitteln auseinandersetzt. Klöckner kündigte an, zumindest auf eine EU-weite Einführung hinzuwirken.

Auch vor der offiziellen Einführung nutzten viele Hersteller:innen die Lebensmittel-Ampel. Bereits im Mai 2020 hatte die Verbraucherzentrale Hamburg bereits rund 1.000 Produkte mit dem Nutri-Score im Handel. Auf weniger gesunden Lebensmitteln suchte man die Ampel jedoch oft vergebens. Als Vorreiter gilt das Unternehmen Bofrost, das den Nutri-Score auf alle Produkte im Sortiment gedruckt hat, sowohl im Prospekt als auch online. Eine Auswirkung auf das Kaufverhalten von Kund:innen kann das Unternehmen jedoch nicht feststellen. Auch Rewe und die Tochtergesellschaft Penny haben angekündigt, ihre Eigenmarken künftig mit der Lebensmittel-Ampel zu versehen. Grund dafür: Kund:innen sollen „auf vielen unserer Eigenmarken auf Anhieb erkennen können, wie es um deren Nährwertqualität bestellt ist“, berichtete Rewe-Chef Lionel Souque der Wirtschaftswoche.

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